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Bin ich die einzige, die die neuen Onyx Path-Sachen bekrittelt?

Der Haussegen hängt schief, na sowas! Und das tut er in erster Linie wegen drei Rollenspielveröffentlichungen:

  • Demon, the Descent
  • God Machine Chronicles
  • Vampire, the Requiem: Blood & Smoke

Der Quickstarter von „Demon, the Descent“ hat deutliche Macken, aber die Idee hat mich ziemlich begeistert und für mich stand sehr schnell fest, dass ich davon unbedingt das Grundregelwerk und ggf. weitere Veröffentlichungen haben möchte. Nur ein Punkt hat mich dabei enorm gestört, den ich aber schlicht auszublenden versucht habe: „Demon, the Descent“ hat einen ziemlich definierten Metaplot. Es gibt die Gott-Maschine, denn nur durch sie gibt es letztlich die Spieler-Charaktere. Ja, gut, hier und da steht, soweit ich mich erinnere, irgendwas von „Du bist natürlich frei, dir etwas anderes auszudenken, alles ist nur ein Vorschlag …“. Blablabla. Also das, was in der einen oder anderen Form irgendwie immer bei Sachen von White Wolf/Onyx Path steht eben. Wahrer wird es dadurch aber nicht.

Dabei war ich schon bei den „God Machine Chronicles“ nicht so begeistert. Da war es aber recht leicht, mich zu beschwichtigen, denn was mich da angenervt hat, war vor allem das Regel-Update. Ehrlich gesagt vorrangig aus schlicht zickigen Gründen, nicht aus substantiellen. Hier im Umfeld wurden ewig und drei Tage immer mal wieder die neuesten Brotkrumen aus den Onyx Path-Foren zum Regelupdate – also schon vor Erscheinen der GMC – diskutiert, und es gibt einfach wenig Abtörnenderes für mich als solche krümeligen Diskussionen über Einzelwürfel, automatischen Schaden und Co. Beh.

Dabei fing das Ganze sehr vielversprechend an. Eigentlich gehöre ich nämlich zu den – wohl eher wenigen – Leuten, die diese ganzen Einleitungsgeschichten gar nicht lesen oder erst irgendwann später mal. Beim Blick in die GMC bin ich allerdings direkt an der Einleitungsgeschichte hängen geblieben, und die hat mich echt begeistert, die fand ich richtig spannend. Dieses ganze Gottmaschinen-Gedöns in dem Buch fand ich eigentlich recht interessant. Okkulte Matrix und sowas, huuuu! Für ein Splatbook von etwa 150 Seiten fand ich das Ganze echt ganz gut, hab es in die Schublade der cooleren Veröffentlichungen der nWoD geschoben.

Dann kommen diese Rule Revisions … und was findet man da so an Neuigkeiten? Aspirations, erweiterte Virtues/Vices, Beats, drölfzig Merits, Conditions. Integrity als Moralsystem, Zeug zu Social Maneuvering, jede Menge Kampfgedöns, geänderte Regeln zu Drogen und Co., Geist- und Gespenstkram und ziemlich viel zu Equipment.

Und bei all dem geht der Ärger für mich schon los. Aspirations finde ich eine gute Sache und sie entsprechen dem, womit meine Gruppe(n) ohnehin so ähnlich schon länger spielen. Neu ist das verglichen mit anderen Systemen nun nicht, aber innerhalb der WoD immerhin ist es das. Dann diese erweiterten Tugenden und Laster (Virtues/Vices) … ey! Es gibt SIEBEN Tugenden und es gibt SIEBEN Laster, und genau die hatte man im Grundregelwerk der nWoD übernommen. Und ganz ehrlich: Ich hab das gefeiert, weil ich Wesen & Verhalten schon immer total hohl fand. In der nWoD war das nun deutlich übersichtlicher, deutlich begrenzter, schlicht fokussierter – und jetzt wird alles wieder breiiiiiit. Fail. Ja, ja, etliche Leute feiern das. Liegt auch nahe, weil die meisten irgendwann mal oWoD gespielt haben. Und ein paar Leute interessieren sich nun plötzlich doch für die nWoD allein deshalb, weil sie gehört haben, dass dieses Element jetzt „so in etwa“ wieder dabei ist. Was ist das? Ein Gefühl von „nach Hause kommen“ oder so? Ich find’s blöde. Diese Beats wirken auf mich erst mal auch nicht besonders ansprechend. Der Fairness halber sollte ich aber sagen, dass ich alle drei eingangs genannten Bücher bislang nicht vollständig gelesen haben. Da mag sich die Begeisterung also noch einstellen … glaube aber nicht daran. So, dann all diese tollen, superneuen Merits … die ich natürlich auch teils in anderen nWoD-Büchern finde, Armory Reloaded, Second Sight etc. Conditions halte ich für eine coole Idee, braucht am Tisch nur echt lange, bis man das verinnerlicht hat und es routiniert einsetzen kann. Bis dahin muss man erst mal kommen. Oh, prima, ein weiteres Buch, in dem ein alternatives Moralsystem vorgestellt wird … und mindestens das dritte, das Regeln zum Social Combat auswalzt. Kampfgedöns, ja, ja, sonst angepasster Kram, okay, okay. Equipment, das ist auch totaaal neu. Vor allem bei Hunter, the Vigil findet sich davon ja auch so gut wie nichts (Achtung, Ironie).

Summa summarum für mich ein wirklich gutes Quellenbuch mit einem weitgehend überflüssigen „Regelupdate“. Aber hey, ein bisschen was Feines ist dabei, und außerdem kriegt man diese Rule Revisions kostenlos, man muss also nicht das gesamte, quasi zweigeteilte Quellenbuch kaufen. Das ist fair, das ist okay. Und diese ganzen Gottmaschinen-Sachen sind ja wie alles sonst im Baukasten nWoD optional, also wirklich alles tutti.

Dann trifft die Veröffentlichung auf sowas wie das reale Leben. Also … so halb. Jedenfalls auf Spielrunden, die der Ansicht sind, dass das Ding jetzt so erschienen ist und damit die neue Bibel. Das muss man jetzt alles so spielen. Gar nix muss ich. Dummerweise muss ich allerdings auf der anderen Seite doch wieder, wenn nämlich die Runden, in denen ich spiele, eben so spielen. Mitgehangen, mitgefangen oder so. Da wird es dann schon etwas lästig für mich, aber gut, auch daran kann man sich ja gewöhnen, bleibt ja auch wenig anderes übrig. Verstehen muss ich das nicht. Kein Mensch hält mich davon ab, SR 3 oder SR 4 zu spielen oder D&D 3.5 oder Pathfinder oder was auch immer. Dass ich mit den neuen Regeln jetzt spielen muss, weil sie schließlich Status quo und der Weisheit letzter Schluss sind, ist irgendwie WoD-unique. Und gut finde ich das nicht.

Dann also, um es mal chronologisch zu halten, „Demon, the Descent“ – und dieser riesige ambivalente Abgrund in meinem Kopf. Ja, gefällt mir, ja, find ich cool. ABER! „Demon, the Descent“ sagt mir jetzt also (logischerweise) auch noch mal, dass ich das alles jetzt so nach GMC-Style zu spielen habe. Fail. Und das, was ich bei den GMC als durchaus recht innovativ empfunden habe als optionales Thema, als optionalen Plot, natürlich stets begleitet vom „Do what you want“ ist jetzt auf einmal quasi Metaplot. Oh, Moment, Metaplot? Ist das nicht das, was man in der nWoD möglichst nur noch am Rande streifen wollte? Ach ja, es ist auch das, was viele Leute von der nWoD abgehalten hat, weil das ja langweilig ist. Keine Hundertschaften NSC und klare Vorgaben sind halt blöde. Also der Mittelweg: Du musst jetzt GMC spielen, alles ist deutlich stärker strukturiert und damit durchaus auch eingeengter, aber hey, wir haben wirklich keine „Superheftig-Wichtig-NSC“. Na, dann ist ja alles im Lot, was?

Ich wittere den leisen Hauch einer subjektiv empfundenen Verarsche. Und der Blick auf Publikationen wie „Mummy, the Curse“ – bislang auch eher gekonnt ausgeblendet meinerseits, obwohl ich das erst uuuunbedingt haben wollte, weil ich ein großer Fan von „Mummy, the Resurrection“ bin – sorgen nicht gerade für Windstille dabei.

Und dann … dann erscheint „Blood & Smoke„. Das scheint ja irgendwie jeder totaaaaaaal supi zu finden, wenn ich mich so umsehe. Da haben sie ja nun wirklich den ganz großen Wurf gelandet, was? Mit dem Untertitel „The Strix Chronicle“ – aber man weiß ja, dass es eigentlich ein vollwertiges Grundregelwerk ist. Das weiß man, weil man es hinter vorgehaltener Hand tuschelt. Also das wissen halt die echten, die wahren Fans. Schaut man bei DriveThruRPG und Co., dann steht es da natürlich auch zu lesen, aber irgendwas ist ja immer.

So, jetzt ist es soweit. Endlich sind Vampire das, was sie immer schon sein sollten! Endlich zeigt sich Onyx Path von seiner wirklich emanzipierten und mutigen Seite, endlich werden die Rüschenhemden abgelegt! Ha!

Aber der Reihe nach …

Es stimmt, das Ding ist ein Grundregelwerk + God Machine Chronicle + Vampire, the Requiem. Alles in einem Buch, alles zusammen auf 310 Seiten. Bevor ich einen Blick hinein geworfen habe, habe ich mich ja gefragt, wie sie das gemacht haben wollen; mittlerweile weiß ich es. Für die, die noch im Dunkeln tappen: Auf den GMC wird aufgebaut und auf selbige verwiesen (ist ja, wie gesagt, kostenlos erhältlich, was den Regelteil betrifft). Aus dem Grundregelwerk hat man einfach alles rausgezogen, was für Vampire relevant ist und den Rest weggelassen. Das ist okay, denn Vampire können mit dem Merit Starker Magen oder so nun mal wenig anfangen. Alles schick.

So, mal ein Blick in den besonders erwähnenswerten Regelkram: Beats (siehe GMC), Anchors, Touchstones, Mask/Dirge, Tricks of the Damned, Merits, Strix. Diese Nummer mit den Anchors und Touchstones finde ich ziemlich gut (gleich mehr dazu), dass in Tricks of the Damned aller Kram wie „rosige Haut – kannste einfach haben“ auftaucht, gefällt mir ebenfalls. Bei den Merits hat man darauf geachtet, dass auch ein paar menschliche und Bund-spezifische Merits auftauchen, ist ebenso gebongt. Die Strix … naja, halt das Namen gebende Etwas. Find ich auch interessant. Also … wieso Kritik?

Vorweg: Mask/Dirge … wollt ihr mich verarschen!? Da wird auf dieses „Ach, du musst ja nicht aus je sieben Tugenden/Sünden wählen, sei flexibel“ aus den GMC noch mal eins drauf gesetzt und der ganze Kram ist nichts anderes als das klassische Wesen/Verhalten-Ding. Pfui.

Was mich aber wirklich abnervt, ist quasi auch „meta“.

Erstens: Leute, wenn ihr eine neue Edition rausbringt, dann sagt das einfach auch so. Jaaaa, es hieß mal irgendwann nach Erscheinen von Requiem „Also das, das ist es jetzt, in echt. Wir haben durch die (drei) Maskerade-Editionen echt viel dazu gelernt, und das, also das ist es jetzt einfach.“ Später hat man den Fans zuliebe dann ja noch die (drei) Maskerade-Editionen quasi zur V20 zusammen gepackt und da noch ein bisschen was gerade gebogen, aber darum geht es ja nicht. Es geht um Requiem und um dieses „that’s it!“. Man entwickelt sich in der Regel aber ständig irgendwo hin, bestenfalls nach vorne, also ist es gar kein Ding, irgendwann da noch mal dran zu drehen (finde ich). Aber diese Hintertür-Mentalität finde ich zum …. ihr wisst schon. Ja, ja, das war alles mal ganz anders geplant und da gab es einige Irrungen und Wirrungen im Enstehungsprozess und so, weiß ich ja, aber will mir echt wer erzählen, dass man ein halbes Konzept umschmeißen/ergänzen kann von einem System, dann aber nicht in der Lage ist, den Titel ordentlich anzupassen? „The Strix Chronicle„. Pfff.

Zweitens: ICH mochte und mag dieses „Gothic“-Ding bei Vampire. Ich fand und finde auch, dass sich das mit Requiem (muss ich jetzt 1.0 schreiben?) prima vertragen hat und mit vielen Veröffentlichungen dazu. Ich mochte auch das deutlich geringere Powerlevel der nWoD grundsätzlich – weil es nämlich davon wegführt zu sagen „Vampire sind voll krass, ey“ hin zu „Werwölfe sind aber viel krasser, ey, ey“ und diesem ganzen Mist. Ich mochte das „Danse Macabre“ deswegen auch NICHT, weil es für mich nämlich eher zur letzteren Mentalität passt statt zur ersten. Und gerade das „Wir haben das „Gothic“ da jetzt mal rausgenommen“ gefällt mir nicht.

Um es blumiger zu haben, zitiere ich einfach mal.
Das „alte neue Requiem“:

Without doubt, vampires are monsters. Monsters, though, need not always be unthinking, unfeeling terrors empty of remorse, or even compassion or other human traits. Indeed, vampires can exceed their deathless curse, themselves becoming antiheroes or even heroes.

What you hold in your hands is a Modern Gothic Storytelling game, a roleplaying game that allows you to build chronicles that explore morality through the metaphor of vampirism.

Our — your — vampires have the selfishness of the solitary predator, but also the social urges of creatures who fear the malaise of being left to their own company for eternity. The result is a conspiratorial blend of horror and suspense, a truly gothic mixture of madness, corruption, sensuality, mistrust and violence, all set against a backdrop of livid moodiness.

Und dann (Blood & Smoke):

Vampire is a game of visceral drama and personal horror. Vampire is about sex and murder, about power and wild defiance. It’s about urban squalor and the romance of the city. It’s about what’s wrong with you — yes, you — and how that shapes the monster you’ll become. Vampire is also about thrilling action and nail-biting paranoia. It’s about dying young and being a great-looking corpse.

The Kindred are the real predators of the modern age. They’re hip to our tricks, but they’ve got a hundred years of history behind them. You’re one of them. So, congratulations: You are the child-stealer, the plague-bearer, and the faceless corporate titan sucking the life out of your own hometown.

Für mich ist das ein deutlicher, deutlicher Unterschied. Den können ja gerne alle feiern. Ich schließe mich dem nicht an.

Achso, ich wollte ja noch was zu den Touchstones sagen: Das „neue“ Requiem (was ist das jetzt eigentlich? Ist das Requiem 2.0? Oder ist das WoD 2.0/Requiem 2.0? Oder wie sonst?) hat tatsächlich einen Vorteil gegenüber dem bisherigen Spiel, nämlich die deutlich steilere Abwärtskurve. Ich nenne es Vorteil, weil ich finde, dass WoD-Systeme durchaus was Degeneratives haben sollten optimalerweise. Gehört irgendwie dazu, so insgesamt, zur Darkness und so. Strikt (nicht Strix!) durchgesetzt und je nach Plot(s) und Charakterspiel sollte so ein 2.0-Vampir eigentlich nicht allzu lange halten. Voll der fette Fangzahn, ey (das hatten wir schon) – aber auch voll (schnell) im Eimer. Das hat was, durchaus.

Naja, eigentlich wollte ich mich einfach mal auskotzen mir einfach mal das Herz ausschütten.

Ist ja nicht so, dass ich nicht gute Sachen in den Dingern erkennen würde, völlig desinteressiert an allem davon wäre und so, aber ich verstehe wirklich nicht, wieso ich so allein auf weiter Flur stehe mit meiner Wahrnehmung und Kritik. Ich hab wirklich noch nirgendwo jemanden entdeckt oder von jemandem gelesen, dass er/sie das alles auch … sagen wir: suboptimal? … findet oder sich ansatzweise ein bisschen verarscht fühlt. Klar, man liest schon mal differente Meinungen zu Beats oder Probleme bei der Umsetzung des Spiels mit Conditions oder so, aber so wirklich auf Kritik stoßen die Dinger nicht. Die werden irgendwie einfach toll gefunden.

Mir ist auch latte, ob man bei anderen Systemen auch schon mal redundant Kram veröffentlicht, und ja, klar, wenn ich neu anfange mit der nWoD, dann kaufe ich mir auch lieber EIN Buch statt 2-3 (eigentlich zwei – hab ich schon erwähnt, dass die GMC-Rule Revisions kostenlos sind?), aber es ist doch nicht so, als bräche gerade eine neue Ära der nWoD-Spieler an, wo auf einmal überall auf der Welt Leute ins Internet strömen, um genau jetzt einzusteigen. Im Grunde hat man den Kram doch „einfach so“ gemacht. Macht ja auch nix. Macht aber was, wenn man Leuten, die eben schon länger nWoD spielen, irgendwas doppelt und dreifach serviert und dabei zusätzlich noch durch die Hintertür eine neue Edition aus den restlichen Infos macht. Für mich hat das einen ziemlich miesen Beigeschmack alles und auch ein Gefühl von „irgendwie lernen die es nie“.

Kann das irgendwer irgendwo nachvollziehen? Hallo? Ist da draußen jemand?

2 Kommentare zu “Bin ich die einzige, die die neuen Onyx Path-Sachen bekrittelt?

  1. Vielleicht gibts einfach zu nicht mehr genug kritische Fans. 😉

  2. Ich kann deine Punkte sehr gut nachvollziehen, würde mir wahrscheinlich ähnlich gehen…wenn ich mich denn mit der nWoD auseinandersetzen würde. 😉 Bei anderen Systemen habe ich diese Fixierung auf neue Editionen aber auch schon erlebt und mich unfassbar aufgeregt.

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