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Wunsch von d6ideas: Riten, Sitten und Traditionen einer Volksgruppe II

Die Führung des Surangs

Surangs sind streng gegliedert und jeder Bewohner hat seinen Platz in dieser Hierarchie. Randgruppen oder Außenseiter gibt es dabei nicht, oder nur in seltenen Fällen.

Das Oberhaupt eines Surangs heißt Nipun und entstammt immer der Familie, die innerhalb des Surangs den meisten Nachwuchs hervorgebracht hat.

An seiner Seite finden sich bei Versammlungen des Surangs zwei Jaj, die alle fünf Jahre bei einer solchen Versammlung gewählt werden, immer zwischen dreißig und fünfzig Jahren alt sind, mindestens zwei Nachkommen hervorgebracht haben zu diesem Zeitpunkt und zudem meisterlich in einem Handwerk tätig sind.

Ebenfalls anwesend sind immer drei Priester verschiedener Ausrichtungen, die die Gaurianer Puros, Paros und Piros nennen. Sie haben mit Ausnahme des Puros keine wirkliche Entscheidungskraft in politischen Dingen, werden jedoch angehört. Ihre Schwerpunkte liegen eher in gesellschaftlichen Anlässen.

Besonders wichtige Entscheidungen werden von den 50 erfahrensten Bastlern und Arbeitern sowie den Geistlichen und dem Nipun zusammen gefällt.

Versammlungen der Surangs finden ebenso wie Feiern in der so genannten Kamra statt.

Verteidigt wird ein Surang von allen Gaurianern, es gibt keine organisierte Armee und nur wenige Gaurianer, die nur als Krieger eingesetzt werden würden. Um aber bei Übergriffen gewappnet zu sein, existieren unzählige Fallen und Verteidigungspläne, um im Ernstfall alle verfügbaren Bewohner zu mobilisieren.

Die Geistlichen

Ein Puros ist immer ein Seher, ein Paros immer ein Elementarist, ein Piros ein Priester im eigentlichen Sinne.

Die Aufgaben der Puros innerhalb eines Surangs liegen hauptsächlich in der Festlegung weiterer Grabenrouten vor taktischem und ertragreichem Hintergrund.

Die Paros hingegen wirken nicht nur beratend, sondern vor allem auch tatkräftig bei der Ausdehnung des Surangs mit. So setzen sie ihre Fähigkeiten vor Ort ein, um Wassereinbrüche zu verhindern, Entfernungen zu Höhlen, bereits bestehenden Gängen oder der Oberfläche abzuschätzen, und schlussendlich sind sie verantwortlich für die Implementierung der einzelnen Wiedererkennungsmethoden (wie etwa von der Oberfläche bis hinunter in die Gräben reichende Akustikrohre, die durch Luft verschiedene Töne erzeugen). Etwa ein Viertel der Paros befasst sich jedoch vornehmlich auch mit den Züchtungen der Gaurianer. Vor allem im Osten sind sie es auch, die fremde Artefakte als erste begutachten und einschätzen.

Piros gibt es in den meisten Surangs nur wenige. Ihnen kommt die philosophische Beratung des Nipun, aber auch der anderen Gaurianer zu. Piros führen Schlichtungsgespräche, wo sie nötig sind, und helfen bei Alltagsfragen. Aber das ist nur der Bruchteil ihres Tuns, denn die Gaurianer arbeiten und leben eher in einer Art Kollektiv, so dass individuelle Probleme durch die Lebensweise selten sind und ihnen auch meist mit Unverständnis begegnet wird. Piros haben zudem eine Funktion, die man als Verwaltungstätigkeiten bezeichnen könnte. Sie regulieren die Anzahl der im Surang befindlichen Gaurianer, führen Statistiken und regulieren ebenso das Verhältnis von Ausdehnung des Surangs und seiner Produktivität.

Versammlungen und Feste

Versammlungen und Feiern sind bei den Gaurianer wesentlich häufiger, als man dies im ersten Moment von diesen arbeitsamen Ahnen annehmen würde.

Die sogenannten Soochs finden alle 150 Tage statt und beinhalten eine vollständige Inventur des Surangs.

Die Likhnas hingegen finden alle 30 Tage statt, lediglich die Surangs, die viel mit der Oberfläche tauschen, mit Angriffen rechnen und ähnlichem mehr, verdoppeln diese Versammlungen.

Geburten werden mit Janamdim gefeiert und sind immer ein großes Fest. Fruchtbarkeit ist den Gaurianern ein sehr hohes Gut, außerdem wird bei der Janamdim der Name des Kindes festgelegt. Dies geschieht weniger durch die Eltern als durch die Puros, Paros und Piros, die das Kind auf Elementbindungen, Schicksal und Gunst des Universums untersuchen und prüfen, um dann schließlich einen Namen zu berechnen, der in einem der Kabbala ähnlichen System Rückschluss auf die gewonnenen Kenntnisse zulässt.

Eheähnliche Verbindungen werden mit einer so genannten Vivah gefeiert. Diese stellt bei den Gaurianern jedoch keine allzu große Sache dar. Zwar ist Monogamie in den meisten Surangs, die viel Kontakt zur Oberfläche haben, vorherrschend, letztlich jedoch wird bei dieser eheähnlichen Bindung nicht diese selbst gefeiert, sondern lediglich die potentielle Nachkommenschaft.

Aus diesem Grunde sind eheähnliche Gemeinschaften, die rituell besiegelt wurden, auch relativ selten. Wird eine solche Verbindung gelöst, was beim Ausbleiben von Nachkommen recht schnell der Fall ist, so hat dies grundsätzlich negative Konsequenzen für die Gaurianerin, weil ihr grundsätzlich die Schuld an der Unfruchtbarkeit gegeben wird. Nach einer solchen Verbindungslösung steht einer Gaurianerin keine Tätigkeit mehr in der Nahrungsmittelzüchtung und -zubereitung zu, was sie praktisch zu Reinigungsarbeiten oder Hurerei zwingt. Letzteres ist allerdings eher die Regel, da oftmals bei Reinigungsarbeiten geglaubt wird, die Gaurianerin brächte negative Strömungen in das zu reinigende Stück oder den Raum. Erst wenn eine Gaurianerin trotzdem später schwanger wird, wird von einem spirituellen Geschenk ausgegangen und die Gaurianerin wieder integriert. Ähnliche Verluste im Ansehen des Gaurianers gibt es jedoch auch dann nicht.

Eine Chatur findet immer dann statt, wenn ein geplanter Abschnitt abgeschlossen und ausreichend befestigt wurde, kann also im Grunde jederzeit stattfinden. Wie die Khojs, bei der neue Erfolge in der Erz- und Nahrungsgewinnung vor allem gefeiert werden, ist die Chatur eine fröhliche ausgelassene Feier, an der vom Kleinkind bis zum Greis jeder teilnehmen kann. Bei beiden Festen wird ausgelassen gegessen und getrunken und entsprechend gesungen und musiziert, was für Außenstehende auch einen hohen psychologischen Wert hat, denn im Alltag werden Nahrungsmittel rationiert.
Gerade bei der Khojs erfreuen sich die Gaurianer an vielen Spielen, die vom Armdrücken bis hin zu Raufereien reichen. Aber auch eine Art Brettspiel, das sich bei Gaurianern größter Beliebtheit erfreut, ist häufig anzutreffen.

Der Totenkult der Gaurianer ist recht ausgeprägt und äußert sich im recht umfassenden Ritual des Karm-Krya. Gaurianer glauben tief daran, dass die Seele der Verstorbenen noch immer im Körper desselben verweilt und sich umso besser fühlt, desto besser erhalten der Leichnam ist. Es existieren einige Möglichkeiten, wie die Köper haltbar gemacht werden:
Die am weitesten verbreitete Methode ist es, den Körper einfach auszutrocknen. Dazu wird meistens Salz verwendet, was in zahlreichen Minen abgebaut wird. Der Körper wird mehrere Male mit Leder umwickelt, wobei seine wichtigsten Habseligkeiten mit eingepackt werden. Am Ende bekommt der Tote eine Totenmaske, die seinem Bild zu Lebzeiten möglichst ähnlich sieht. Beerdigt wird er dann in speziellen Ahnenräumen. Die Haltbarkeit solcher Mumien ist sehr hoch, da das trockene, heiße Klima unter Tage dem zu Gute kommt. An wichtigen Tagen im Jahr kann es von Surang zu Surang durchaus Brauch sein, einen oder mehrere alte Ahnen, auf die man besonders stolz ist, wieder mit bei der Familie zu versammeln.

Die Probe (Shodna)

Unaufhörlich peitschte der Wind über das ungeschützte Land. Vor ihm lag die Steppe mit ihren unendlichen Gefahren und Abenteuern, hinter ihm die Tür zu der vertrauten, unterirdischen Heimat, die ihn so lange Zeit behütet hatte. Aber das war vorbei. Jetzt war es an der Zeit ein Mann zu werden. Neben ihm stand einer seiner Lehrmeister mit vor Stolz geschwellter Brust. „Mein Junge“, begann er seine Rede, “heute ist der Tag, an dem du ausziehen wirst, um dich selbst zu beweisen. Du weißt selber“, fuhr er etwas bedrückter fort, “dass du von uns keinerlei Hilfe zu erwarten hast. Von nun an stehst du für die Zeit deiner Wanderschaft auf eigenen Füßen. Ich weiß, du bist ein guter Junge, ein fleißiger Arbeiter und ein fähiger Kämpfer und du wirst deinem Surang keine Schande bereiten.“ Bis jetzt hatte Junas der Rede nur beiläufig zugehört, denn das Thema ging nun schon seit Wochen durch die Reihen. Stundenlang hatte er über die Reise nachgedacht. 2 Jahre weg von seinen Freunden und den heimischen Tunneln sein, wochenlange Fußmärsche unter der Sonne auf sich nehmen und fremdartige Lebewesen treffen müssen. All das und noch jede Menge anderer Dinge, von denen er nicht mal träumen konnte, würden auf ihn zukommen. Aber am wichtigsten war, dass er jetzt endlich die Möglichkeit hatte zu beweisen, was er gelernt hatte. Diese Gefühl steigerte seine Laune erheblich und von der gewaltigen Rede seines Lehrmeisters bekam er gerade mal das „Lebe wohl“ mit, bevor er mit selbstbewussten Schritten durch den wehenden Sand stapfte.

Bei fast allen Surangs ist es Sitte, dass ein herangewachsener Gaurianer, bevor er das Amt eines Älteren übernehmen darf, erst eine „Wanderung“, genannt Shodna, bestehen muss. Diese dauert im Normalfall 2-3 Jahre und soll den Nachfolger zwingen, seine Kenntnisse im Kampf und Handwerk unter Beweis zu stellen. Ob diese Zeit an der Erdoberfläche sinngemäß vonstatten geht oder ob der Gaurianer lediglich für diese Zeit zu einem anderen Surang wechselt, um die diplomatischen Beziehungen anzukurbeln, ist extrem unterschiedlich. Auch wenn vielen klar ist, dass dieser Ritus zum Ableben des jugendlichen Gaurianer führen kann, beharrt der Großteil der Gesellschaft darauf.

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