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Begriffe kauen sich unterschiedlich

Gemäß des Wunsches, einfach mal ein paar One-/Fewshots hier und da zu spielen ohne längere Verpflichtung, stellte ich eine Nachfrage ein, ob wohl jemand zufällig Platz für und Lust auf zwei Spieler für derlei hätte. Daraus ergaben sich zwei Runden, und von der einen mal ein bisschen mehr:

Es ergab sich ein Fewshot nWoD im Endzeit-Genre mit insgesamt vier Mitspielern und SL-(N)SC.

Überblick über die gespielten Sessions

Session 1: Vermutlich für mich der Dreh- und Angelpunkt der Runde. Wir haben unwissentlich den Plot „kaputt gemacht“, wie sich in der Nachbesprechung herausstellte. Schon vor dem eigentlichen Spiel sprach der SL Kritik an meinem Charakter aus, der für Action und „larger than life“ seiner Ansicht nach psychologisch zu ausgefeilt/anspruchsvoll war. Das verwirrte mich und es war auch ein seltsamer Einstieg ins Spiel. Ich hatte den Charakter etwa eine Woche vor dem Spieltermin für alle einsehbar online gestellt, und da hatte es keinerlei Rückmeldungen zu gegeben. Hätte man ja vielleicht vorher mal was zu sagen können, aber gut.

Die Session hat mir insgesamt nicht ganz so gut gefallen, was allerdings stark durch meine Erwartungshaltung geprägt war. Ich hatte zuvor schon mal Kontakt zu den anderen beiden Mitspielern (zum dritten, meinem Freund, ja ohnehin *g*) und auch zum SL. Diese Einblicke hatten mir echt gut gefallen, und davon ging ich nun auch bei der neuen Runde aus. Es gab für meinen Geschmack viel zuviel Outplay und ausformulierte Zigarettenpausen, Schnitte fand ich zu zügig gesetzt, da sie das Spiel der Charaktere untereinander meist im Keim erstickten. Mit der dargestellten Welt hatte ich einige Probleme, was meinen Charakter an ein paar Punkten unwahrscheinlich dumm wirken ließ, naja, und am Schluss stellte sich eben heraus, dass wir den Plot „kaputt“ gemacht hatten.

Es gab ein Item, das wir von einem schwer Verletzten erhielten. Dieser wurde gleich von mehreren Parteien gesucht, aber von uns versteckt. Dank der Ressourcen des SL-SC, seiner militärischen und geographischen Kenntnisse usw. fuhren wir schließlich mit diesem Item in die nächstgrößere Stadt, um dort mehr darüber herauszufinden. Das Ding stellte sich als eine Art Naniten-Baukasten im USB-Format heraus, mit dem man alles, wirklich alles bauen sowie zerstören konnte. Neue Gebirgszüge, neue Gebäude, ganze Städte? Alles zu machen! Dennoch entschlossen wir uns dazu, das Ding zu zerstören. Treibende Kraft war dabei mein Charakter, gefolgt von dem meines Freundes, und unseren Argumenten schloss sich auch ein dritter Charakter an. SL-SC und der Charakter seiner Freundin hingegen waren dafür, das Ding selbst zu benutzen. Unsere Argumentation hingegen: Fällt das Ding in die falschen Hände, kann es zuviel Schlimmes anrichten. Es geht uns doch recht gut; die Welt kann auch mit der ehrlichen Arbeit eigener Hände wieder aufgebaut werden. Tja, und so ging das Ding seinen Weg, zertrümmert und sicherheitshalber noch verätzt.

In der Nachbesprechung meinte der SL, wenn wir da weiterspielen würden, dann sollte ich allerdings einen neuen Charakter basteln, denn der passe eben überhaupt nicht in das von mir selbst gewünschte Konzept von „larger than life“. Die Idee wäre gewesen, dass wir mit dem Ding die ganze Welt neu aufbauen, überhaupt aufbauen, eben das gesamte Machtgefüge in der Hand haben … und wir machen es kaputt.

Ich hab zugestimmt, mit einem anderen Charakter mitzuspielen, verstanden habe ich die Kritik allerdings nicht. Verstehe ich auch nach wie vor nicht, zumal auch der indianische Charakter meines Freundes eher archaisch orientiert war, wenig mit Technik und Zivilisation anfangen konnte. Dass bei der nächsten Session dieser dann quasi hintenüber kippen würde, war absehbar. Das fanden auch die anderen beiden Mitspieler, so dass kurz überlegt wurde, ob wir beide einen neuen Charakter erstellen. Letztlich kam es so aus, dass wir in derselben Konstellation weiterspielen würden und sich stattdessen die Art des Plots/Spielens anpassen sollte.

Zu Session 2 kann ich wenig sagen. Ich war etwa eine Dreiviertelstunde lang so halb dabei, musste dann allerdings wegen technischer Probleme abbrechen.

Session 3 hingegen betrat ich dann doch mit einem anderen Charakter. Diesmal fehlte die Freundin des SL aus zeitlichen Gründen. Diese Session war eigentlich recht okay. Ich hab mich mit dem Ätzkuh-Charakter in der Umgebung deutlich wohler gefühlt. Gespielt haben wir plotorientiert. Es galt, einen entkommenen Mutanten zu fassen. Diese Form der Mutanten war dumm, aggressiv und äußerst widerstandsfähig, so dass Vorsicht geboten war. Wir stellten ihn schließlich in einer Anlage, wo wir zudem etliche in Kryostase befindliche Personen der Armee auftauten, die nicht vom Mutanten-Retro-Virus befallen schienen und somit ihre Anlage mitsamt Laboren und hydroponischen Gärten wieder in Beschlag nehmen konnten, sehr zum Leidwesen des SL-SC, der eben auf die eigene Übernahme des Labors spekuliert hatte (ebenfalls alter Soldat, ebenfalls Mutant, insgesamt der Science- und Basteltyp).

Die Session wurde von einigem Geklingel an Telefon und Tür überlagert, die allerdings umständehalber auch nicht abzuwürgen waren. Aus diesem Grund schlossen wir nach knapp zwei Stunden dann auch, ohne mit einem neuen Plot zu beginnen.

Unterschiedliche Vorstellungen

Einer der Mitspieler hatte die angesprochenen Probleme nach der ersten Session ganz gut zusammengefasst, glaube ich. Er meinte, SL und ich seien einfach von unterschiedlichen Begriffsdefinitionen ausgegangen. Angefragt hatte ich im Vorfeld eine Runde, bei der ich mir „larger than life“ wünschte, beschrieben als die Möglichkeit, dass die Charaktere wirklich Einfluss auf das Geschehen nehmen können. Weiterhin wünschte ich mir Action, aber auch Drama und Charakterspiel sowie insgesamt fokussiertes Spiel als Inhalte. Der SL war action- und temporeiches Spielen gewöhnt, ebenso fokussiertes Spiel, so dass er genau diese Schrauben für die Runde weiter angezogen hatte. Sein üblicher Stil wäre für mich hingegen schon völlig ausreichend gewesen und hätte auch der Vorerfahrung aus der anderen Runde bei ihm entsprochen. Drama und Charakterspiel hatte der SL irgendwie überlesen oder so, jedenfalls erwähnte er wiederholt die ersten Punkte und ließ die letzten trotz meiner Hinweise darauf in der Diskussion aus. Aus seiner Sicht war mein Charakter (den blogge ich hier später mal noch mit Hintergrund und Werten zwecks Archivierung) dann logischerweise etwas zu „psychologisch“. Seinen Action-Schwerpunkt hatte ich hingegen nicht so bewertet, denn er schrieb unter anderem im Vorfeld, jeder Charakter solle zumindest ein bisschen kämpfen können. Konnte meiner. Nicht so gut wie anderen und keine Schusswaffen, aber im Nahkampf wäre sie gut gewesen.

Der Endzeit-Begriffs-Buhmann hingegen geht klar an mich, würde ich sagen. Ich wollte eigentlich bloß mal „was anderes“ und zählte Endzeit mit auf, ohne das genauer zu definieren. Fakt ist nämlich, dass ich vom Genre kaum eine Ahnung habe. Ich hab mich früher intensiv mit Endland befasst, also eher mit Endzeit-Fantasy, könnte man sagen. Ansonsten hatte ich sowas wie Mad Max, Malevil und Tank Girl im Kopf, und das war es. Meine postapokalyptischen Interessen – und vor allem meine Kenntnisse – gelten eher der groben Katastrophen-Survival- und Zombie-Ecke. Gesagt wurde aber in der Tat, dass das Ganze sich an Fallout und Atomic Highway in etwa orientiere. Das habe ich ungefähr so beflissentlich übersehen wie der SL das mit dem Drama und dem Charakterspiel. Entsprechend habe ich mich nicht gut in das Ganze eingefunden und es kam zu seltsamem Spiel.

Beispiel aus der ersten Session: Einer der Charaktere spielte eine Art Wanderprediger. Mein Charakter reagierte interessiert, aber verblüfft auf diese ganze Sache mit Gott und Jesus und so weiter. Das habe ich nicht so gespielt, weil mein Charakter total dämlich gewesen wäre, sondern weil ich das sinnvoll fand. Irgendwann in der Zukunft, lang nach der Apokalypse, Reste von Zivilisation, viele können auch mit technischem Kram nichts mehr anfangen … wieso sollte sich da ausgerechnet der (christliche) Glauben in allen Köpfen halten? Dass der SL dann mit seinem SC und seinen NSC darstellte, dass sogar die Ansiedlung, an deren Rande mein Charakter lebte, über eine Kirche verfüge, ließ meinen Charakter natürlich saublöd dastehen.

The Good

Ich fand das nett, dass der SL die Runde quasi extra für mich und meinen Freund angeboten hat. Ich fand auch gut, dass er ab der zweiten Session insofern reagiert hat, sein Angebot aus seiner Sicht dann doch eher „low“ zu gestalten. Ich hab mich besonders darüber gefreut, mit einem der Mitspieler nach längerem mal wieder zusammen spielen zu können. Fokussiert war das Ganze sicherlich, die Beschreibungen als solche haben mir auch gut gefallen und trafen genau die Mitte. Die Plothooks zeigten einen diesbezüglich kreativen SL, was meiner Meinung nach immer Gold wert ist.

The Middle

Noch vor zwei Jahren gehörte ich überzeugt zur Handwedel- und Improvisierfraktion, also zu denen, die das mit der „Goldenen Regel“ wirklich begeistert nutzten. Eine Regel, die ich nicht kenne, die ich nicht verstehe, die mir nicht einfällt oder die ich doof finde? Dann mach ich das halt irgendwie anders. STORY matters. So! Was ich aus reichlicher Erfahrung sagen kann: Wenn sowas mit einem mathematisch denkenden Spieler kollidiert, der alle Regeln zu irgendwas mitsamt Wahrscheinlichkeiten und hintergründlichem Sinn im Kopf hat (SYSTEM matters), fließt quasi Blut! 😀

Das wird dann besonders spannend, wenn man diesen grundsätzlich verschiedenen Ansichten genug Parallelen entdeckt, dass man trotzdem unbedingt miteinander spielen will. Hat aber irgendwie geklappt und noch immer ist dieser Annäherungsprozess nicht abgeschlossen. Nun spiele ich meist im Großen und Ganzen mit denselben Leuten, denen diese Macken bekannt sind und sie tolerieren, sich daran gewöhnt haben oder wie auch immer. Jedenfalls tut sich da wenig Neues an Erkenntnissen. Anders dieses Mal:

Der SL nutzt diverse Hacks beim Spielen und eine – zuvor festgelegte! – Anzahl an Splatbook-Regeln, also mal was anderes. Sein Spiel ist flüssig gestaltet, ebenso die Ansagen zu Würfen und so weiter, gerade Waffen- und Kampfmodifikatoren sind da ratzfatz berücksichtigt. Etwas, das ich schon in der bereits verlinkten Vampire-Runde sehr angenehm fand und was mich ziemlich beeindruckt hat. Diese Runde liegt allerdings schon wieder ein Jahr zurück. Und bei den Sessions hier sind mir diesmal so einige Schnitzer aufgefallen: Fehler in der Ini-Berechnung, falsch herangezogene Skills, ausgelassene Modifikatoren, Ignorieren von Grundoptionen wie erweiterten Würfen … Und ich hab das Zähnefletschen des „System matters“-Freundes mir gegenüber früher ziemlich gut nachempfinden können. Mir ist immer noch wichtiger, dass etwas flüssig läuft, dass man wegen oller Regeln nicht ins Stocken oder gar Diskutieren gerät. ABER man plant seine Aktionen ja durchaus auch im Hinblick auf das, was man gut oder schlecht kann. Wenn ich irgendwo auf dem Bogen ziemlich gute Werte habe, habe ich mir etwas dabei gedacht. Wenn ich in dieser Richtung agiere, erwarte ich den entsprechenden Benefit in der Handlung. Und das gilt ebenso umgekehrt! Irgendwo stehen miese Werte? Tja, dann sind das eben miese Werte und Aktionen damit haben leicht entsprechende Konsequenzen. Meine Argumentation bislang war immer „Naja, ich wollte das halt flüssig halten, und außerdem ist das ja kein Nachteil, hat ja trotzdem geklappt“. Das ist ziemlicher Bullshit. Es IST ein Nachteil, wenn ich in einer Aktion, in der ich zu glänzen erwarte, einen Dämpfer verpasst bekomme und KEIN Ausgleich, wenn der Charakter dafür plötzlich irgendwas toller macht, als er es eigentlich gekonnt hätte. Regeln sind dazu da, ein Gerüst zu haben, an dem sich alle orientieren können. Kommt es da zu spontanen Handhabungen abseits der Regeln, wird das Spiel schief. Egal in welche Richtung. Schief ist schief. Und ehrlich gesagt kann ich kaum fassen, dass ich das hier gerade wirklich geschrieben habe. ^^

The Bad

Einen seit einer Woche bekannten Charakter erst zu Spielbeginn (überhaupt und) deutlich zu kritisieren, geht gar nicht. Schon gar nicht, wenn man im Vorfeld schon bemerkt, dass das nicht zu dem passt, was man selbst da leiten will. Nach einer Session auf dieser Basis dann einen Charakterwechsel zu fordern, fand ich nicht gerechtfertigt, zumal ein Charakter ähnlich ausgerichtet war und zumindest zu einem dritten keinerlei Probleme inplay bestanden (zu Charakter 4 hatte man sich da noch nicht so angenähert einfach). Im Nachhinein denke ich, wäre es besser gewesen, an der Stelle einen Cut zu setzen und quasi noch mal komplett neu zu starten, das Genre zu wechseln oder es einfach sein zu lassen. Ich glaub aber, dass wir andererseits auch gern gut miteinander auskommen wollten (was wieder zu The Good gehört) und haben diese Optionen darum verpeilt.

Aus meiner Sicht hat ein SL-SC in einer Runde nur was als Supporter verloren. In einer ganz anderen Runde spiele ich mit, in der es auch einen SL-SC gibt, aber der hält sich entsprechend auch zurück und ist sozusagen in subtiler Form im Spiel. Als SL-SC die Gruppenziele vorzugeben (zu versuchen) und diesen Charakter irgendwie zu supporten, find ich persönlich allerdings nicht so doll. In der ersten Session sind es dessen Ressourcen und Kenntnisse, die uns in die Stadt gebracht haben und uns die nötigen Infos zukommen ließen (wobei er sich immerhin der Entscheidung, das Naniten-Ding zu zerstören, anpasste), und in der dritten Session war es dieser Charakter, der die Tür öffnete, dieser Charakter, der das Computersystem lahm legte, dieser Charakter, der die Zusammenhänge innerhalb der entdeckten Einrichtung zusammenfügen konnte, dieser Charakter, der die meiste Ahnung vom Virus hatte, dieser Charakter, der das gefundene Labor für sich beanspruchen wollte. Für mich too much. Vielleicht sollte ich erwähnen, dass es auch in der einstigen Vampire-Runde einen solchen SL-SC von ihm gab, den ich dort jedoch deutlich subtiler wahrgenommen habe.

Merke: Man kann selbst bei gleicher Begriffsbenutzung nicht von derselben Definition ausgehen. Da hätte ich besser vorab schon Beispiele gebracht zu dem, was ich meine, oder auch hinsichtlich des Genres mehr nachfragen sollen oder mir im Vorfeld Genaueres anlesen sollen oder so. Diese Erkenntnis nehme ich auf jeden Fall mit (was wiederum gut ist).

Fazit

Im Vorfeld hätte man mehr klären müssen, damit die erste Session nicht so einen blöden Nachgeschmack erhält. Dass die zweite Session für mich dann noch praktisch flach gefallen ist, war gelinde gesagt nicht hilfreich. Am besten wäre wohl ein Cut nach der ersten Session gewesen.

Wie es ist, bleibt ein Eindruck im Mittelfeld, allerdings durchsetzt von einigen negativen Punkten, teils objektiver Natur, größtenteils wohl eher persönlichen Ursprungs.

Im Raum steht, vielleicht irgendwann Oktober/November noch mal an diese Story anzuknüpfen oder etwas anderes zu spielen. Für ersteres bin ich im Nachhinein eigentlich nicht so wirklich (war ohnehin nur auf 3-4 Sessions eingestellt, was man im Grunde auch wieder zur Definitionsfrage schieben könnte („Few-Shot“)), zweiteres würde ich gerne noch mal ausprobieren. Schon allein, weil alle guten Dinge drei sind. Ob das so kommen wird … mal sehen.

Mich würde in dem Fall übrigens besonders interessieren, wie andere das Ganze so einschätzen, ob sie die „Haken“ ebenso einsortieren würden oder ein anderes Bild entsteht (auch wenn das natürlich vom Geschreibsel hier abhängt).

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