Ein Kommentar

Und was wird es? Teil II

Welche Systeme ich mir aus der Null-Bock-Stimmung heraus genauer ansehen möchte, habe ich im letzten Artikel bereits kundgetan. Und sonst so?

Nachdem ich aus der SciFi-Runde ausgestiegen bin, todtraurig deswegen war und schließlich wieder eingestiegen bin, bin ich nun wieder ausgestiegen. Ganz tränenfrei. Ich finde die Idee darin und die Liebe zum Detail immer noch ganz groß, aber gerade letzteres führt für mich zu einem derartigen Simulationsspiel auf verschiedenen Ebenen, dass ich daran einfach keinen Spaß habe. Dafür kann letztlich auch keiner was, vom Stil, der sich da ergeben hat, einmal abgesehen, da bin ich auch keinem böse, mir hoffentlich auch keiner, aber … das geht einfach nicht für mich und ich möchte das für mich nicht. Und das ist auch schon alles. Hat gedauert, bis ich es selbst kapiert habe, aber immerhin hab ich es nun kapiert und meine Konsequenzen daraus gezogen – und fühle mich besser damit. Deutlich besser sogar.

Damit sind zwei feste Runden geblieben: Hunter und Vampire.

Die Vampire-Runde spielt nun im dritten Jahr und mittlerweile ist ziemlich die Luft raus. Ich mache das an verschiedenen Punkten fest: Vor allem die häufigen Spielerwechsel im letzten halben bis dreiviertel Jahr etwa haben der Runde nicht sonderlich gut getan, sondern sich ziemlich demotivierend ausgewirkt. Davon abgesehen hat der SL den Erzbösewicht, der vorher eine grenzwertig hohe Präsenz im Spiel hatte, entfernt. Nein, nicht ganz und für immer, aber auf unbestimmte Zeit, damit wir uns eben mal von dem erholen können und uns auf andere Dinge konzentrieren. Hat für mich nicht so gut funktioniert, denn mein Charakter und dessen Ziele sind relativ eng mit diesem Bösewicht verbunden bzw. haben sich aus dem Kontakt zu ihm entwickelt. Da fehlt deutlich was. Dann haben wir die Chroniken zuletzt sehr frei gespielt, beispielsweise ein halbes Jahr outplay mit einem „Einschub“ verbracht, der uns von Transsylvanien nach Indien, Japan und China führte *g*. Das war auch ziemlich cool – aber logischerweise fernab von allem anderen. Der letzte für mich demotivierende Punkt: Jetzt in Outplay-Jahr Nr. 3 haben wir die Zeit von grob 1250-1500 bespielt. Die Chroniken laufen offiziell bis um 2000, geplant ist ein Spielen bis in die Zukunft hinein (wie weit, weiß ich nicht). Natürlich eine Milchmädchenrechnung, da ja größere Zeitsprünge vorkommen, aber in meinem Kopf entsteht „2,5 Jahre für 250 Jahre … noch 500+ Jahre offen … also noch mal 5 Jahre Vampire“ – und, nee, darauf hab ich von vornherein keine Lust. Liegt auch nicht daran, dass ich das System blöd finden würde, nö, aber es gibt so viele Systeme, so viele Geschichten, so viele Charakteroptionen … und ich will nicht noch 5 Jahre lang den Freitag Abend mit derselben Chronik und demselben Charakter verbringen.

Wir haben beschlossen, da jetzt mehr die Buchinhalte zu bespielen, insgesamt etwas straighter und storybezogener. Wir haben auch die Spielzeiten noch mal angepasst. Von irgendwann mal 8 Stunden auf 6 Stunden sind wir nun bei knapp 4 Stunden – und die noch mit 10 Minuten Pause nach 2 Stunden. Ich weiß nicht, wie die anderen das so sehen, aber mir hilft das merklich, am Ball zu bleiben und mehr Gas zu geben, solange wir im Spiel sind. Jetzt haben wir auch mal wieder zwei Neue dabei, diesmal Mitspielerinnen. Ich hoffe, beide bleiben dabei und schieben die Runde vom Spaßfaktor her noch mal an. Ich kenne beide aus anderen Runden, die eine etwas besser als die andere, aber ich setze in beide große Hoffnungen, was das betrifft. Mal sehen. Erst mal bin ich froh, wenn sie überhaupt dabei bleiben. 😉

Die Hunter-Runde hat sich, von mir unbeabsichtigt und auch meiner Ansicht nach nicht so von mir forciert, hin zu einem ziemlich kleinteiligen Simulationsspiel entwickelt, in dem die Hälfte der Spieler sehr genau darauf achtet, alle Eventualitäten bedacht zu haben, bevor sie in Aktion treten.  Da habe ich an verschiedenen Schrauben zu drehen versucht und mehrfach darauf hingewiesen, sich einfach mal was zu trauen, aber vergeblich. Da war es dann zufällig eine der Mitspielerinnen, die schließlich meinte, sie würde so gerne „mehr“ im Spiel sehen, mehr Wagnisse, mehr Drama, mehr Konflikte, mehr … alles, wie sie es formulierte. Das wiederum scheint einiges bewegt zu haben, zumindest habe ich ungefähr seitdem das Gefühl, dass wirklich mehr Spiel im Spiel ist. Dazu ist aber natürlich auch zu erwähnen, dass die Runde oft (wegen mir) ausfiel und ein paar Monate pausierte. Das sind natürlich nicht die besten Voraussetzungen, um ein dichteres Spielgefühl zu schaffen. Jetzt läuft sie seit einigen Sessions jedoch wieder regelmäßig und es scheint sich zu lohnen. Der letzte Punkt, der dazu sicherlich beiträgt ist, dass ich selbst auch die Bremse mal etwas losgelassen habe. Geplant habe ich Inhalte aus Büchern, die ich noch gar nicht gelesen habe. Darum habe ich meist versucht, Plothooks „kleinerer Plots“ in den Vordergrund zu setzen, um quasi Zeit zu schinden. War auch nicht gerade der Königsweg und ich habe entschieden, da einfach mit in kälteres Wasser zu hüpfen. Alle drei Punkte zusammen (Kritik, regelmäßiges Spiel, Bremse lockern) führen im Moment zu einem deutlich flüssigeren und auch etwas temporeicherem Spiel, was ziemlich Spaß macht.

Nachdem ich nun auch mal einige Ausflüge in One-/Few-Shots gewagt habe, ist mir eine weitere Sache stark aufgefallen: Ich empfinde vor allem Tischrunden mittlerweile als anstrengend. Klar freue ich mich, die Leute zu sehen usw., aber diese Stunden der Präsenz, an Ort und Stelle quasi festgenagelt, das liegt mir einfach nicht mehr so. Dabei bin ich selbst auch meist diejenige, die immer wieder ins Outplay rutscht und damit oft genug andere mitzieht. Das mache ich gar nicht mit Absicht, noch nicht mal bewusst, und hinterher fällt es mir auf und ich hab ein schlechtes Gewissen deswegen, da ich selbst das nicht mag, wenn es mir bei anderen (stark) auffällt. Nachdem ich darüber nachgedacht habe glaube ich, dass das tatsächlich ein Stückchen der Versuch ist, von „Ort und Stelle“ wegzukommen und kurz mal auszubrechen. Spiele ich online (Teamspeak), passiert mir das in der Form nicht. Im Teamspeak bin ich aber auch für mich allein. Ich kann einfach mal blöde gucken oder sogar einige Minuten die Augen schließen, ohne dass mich jemand für desinteressiert hält oder sein Spiel dadurch in der Negativkritik sieht. Je nachdem, was so gespielt wird, kann ich noch kurz etwas nachschlagen, ich kann Outplay-Themen sowie Verständnisfragen oftmals schriftlich im Chat ansprechen, ohne Mitspieler raus zu reißen oder die Runde als solche zu stören. Für mich hat das so viele Freiheiten, an die ich mich im Verlauf der letzten zwei Jahre gewöhnt habe, und auf die ich eigentlich auch gar nicht mehr verzichten möchte. Ja, ja, ich habe auch schon so Kommentare gelesen wie „Ach, du spielst im Teamspeak? Dann brauchen wir nicht weiter zu reden, denn dann spielst du ja gar kein richtiges Rollenspiel“, aber sowas kann eigentlich nur von Leuten kommen, die das noch nicht ein paar Mal gemacht haben. Klar, ich kenne auch einige Leute, denen TS nicht zusagt und die sagen, ihnen fehle dabei einfach die Gegenwart und auch Mimik der Mitspieler. Das ist schade, kann aber umgekehrt zu mir leider so sein. Aber insgesamt empfinde ich TS-Runden meist als sehr viel intensiver als solche am Tisch. Was ich da manchmal innerhalb von 2-3 Stunden spiele, braucht am Tisch gerne mal die doppelte Zeit. Natürlich hat TS auch seine Tücken … aber nicht so viele. 😉

Meine Konsequenz daraus ist jedenfalls, dass ich die Tischrunden wohl weitgehend sein lassen werde. Eine, ja, das ist okay, ist dann auch mal was anderes. Die habe ich mit Vampire ja auch bereits abgedeckt. Aber bei allem anderen werde ich mich zukünftig wohl noch mehr auf Teamspeak-Runden konzentrieren.

Ab Ende September plane ich noch eine neue Runde (im Teamspeak), die im selben Slot spielt wie zuvor die SciFi-Runde. Ganz bewusst spiele ich diese Runde dann nicht mit den nWoD-Regeln wie sonst üblich, um auch da ein bisschen Abwechslung reinzubringen. Gespielt wird AFMBE, das ich zwar schon zwei Jahre lang kenne, aber nur 2x gespielt und noch nie geleitet habe. Ich bin gespannt, wie das werden wird.

Mehr Runden wird es nicht mehr geben, drei sind genug. Alles andere, das hatte ich nun schon einige Male, stresst mich nach kurzem sonst, statt Spaß zu machen. Muss ja nicht sein. Mal hier und da ein One-Shot, immer gerne, aber keine weiteren festen Runden, das habe ich mir sehr fest vorgenommen.

Meine Zeit werde ich also zukünftig eher die laufenden Runden widmen sowie dem Lesen und Testen mir unbekannter Spiele.

Und ich glaube und hoffe mal, alles zusammen genommen entpuppt sich als richtiger Weg raus aus „Null Bock“ – bislang sieht es gut aus!

Ein Kommentar zu “Und was wird es? Teil II

  1. […] ist auch noch gar nicht so lange her. Findet sich ein Beitrag hier und da zum […]

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