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4. Inplay, NEO, nWoD Dark Heroes, Tischrunde – Kranke & Verletzte

Hallo Papa,

ich dachte, ich wäre länger „sprachlos“, aber jetzt gibt es doch wieder einiges zu erzählen. So schnell passieren plötzlich immer Dinge, kaum zu glauben …

Unsere Superpilotin Ms. Springston hat den Schutzschild eigenhändig ausgeschaltet, was zur Folge hatte, dass das Bombardement der Japaner nicht mehr nur eine leere Drohung (oder ein ebensolches Versprechen) war, sondern Bomben in äußerst physischer Form auf unseren Standort herunter prasselten. Ich hatte erst gar nicht verstanden, was da passierte, sondern mich reflexartig unter dem Untersuchungstisch versteckt, bis ich den Andorianer, der mit mir im Raum war, fluchen hörte und selbst ohne ihn zu sehen seine Hektik spürte. Es dauerte wertvolle Sekunden, bis ich nicht nur wieder aufgetaucht war, sondern auch die Situation halbwegs erfasste. Vermutlich hätte das noch länger gedauert, wenn nicht irgendwo zwischen Shráns Flüchen die Information auf Verletzte draußen eingebettet gewesen wäre. Das half mir, den Schreck zu überwinden und ich stürzte los, um diese Information zu überprüfen.

Im Staub der Wüste fand ich dann ausgerechnet Mr. Radon. Zuerst war ich mir nicht einmal sicher, ob ich tatsächlich ihn gefunden hatte oder vielmehr nur noch seine Überreste, doch wie durch ein Wunder hatte er den Bombenhagel in direkter Nähe überlebt – oder sagen wir: Es gab noch Hoffnung, wenn auch eher vage. Durch Stabilisation an Ort und Stelle verwandelte ich die vage Hoffnung in eine realistische, dann musste ich zunächst Hilfe anfordern und auf selbige warten, denn unmöglich konnte ich ihn allein ins Labor bringen, schon gar nicht in diesem Zustand.

Nachdem er endlich da war, wo ich ihn haben wollte – in der vermeintlichen Sicherheit -, dauerte es nicht länger als ein rasches Auskleiden des Verletzten und die Grundversorgung seiner Wunden, bis Mr. Radon mich davon überzeugte, dass ich tatsächlich ihn aus dem Staub gekratzt hatte und nicht irgendwen anderes, der nur so ähnlich aussah wie er. Kaum in der Lage, irgendwas zu tun und in aus meiner Sicht äußerst unsicherem Zustand, forderte er mich auf, Crest auf keinen Fall in Gefahr zu bringen, indem ich den Platz im Med-Pod in der gegebenen Situation für Mr. Radon räumte. Der hatte vielleicht Nerven! Was mich dazu brachte, dieser Forderung nachzukommen, war mitnichten sein Befehl. Vielmehr war es die Tatsache, dass er es nicht befahl, sondern darum bat. Zumindest verglichen mit seinem üblichen Gehabe war es in der Tat eine Bitte, die er an mich richtete und sein Blick war fragend, nachdem er sie ausgesprochen hatte. Er war sich nicht sicher, ob ich seinen Wünschen entsprechend handeln würde, „einfach so“, und er wusste, dass ihm nicht viel anderes übrig blieb, als das einfach abzuwarten. Als er dann noch freundlich fragte, ob er das komische Ding, das er um seinen Hals getragen hatte, wiederbekommen könnte, weil es eine wichtige Bedeutung für ihn habe, zweifelte ich doch noch mal eine Sekunde lang daran, den echten Mr. Radon vor mir auf der Liege zu haben.

Die Situation war knifflig. Mr. Radon brauchte wirklich mehr als dringend die Versorgung durch den Med-Pod, andererseits waren seine Bedenken hinsichtlich Crest nicht unbegründet. In der jetzigen Situation waren die Folgen einer Entfernung Crests aus dem Med-Pod nicht eindeutig abzusehen, konnten meine Bemühungen erheblich zurückwerfen und Crest in eine möglicherweise durchaus tödliche Gefahr bringen. Crest seinerseits hingegen lehnte es ab, lediglich wegen seines „außerirdischen Daseins“ eine Sonderbehandlung zu bekommen und war dazu bereit, seine Behandlung zu Mr. Radons Wohl sofort zu unterbrechen … was nun?

Dank General Wests endlosen Unterredungen mit Thora erhielt ich zwischenzeitlich medizinische Materialien, die mir eine Entscheidung leichter machten. Es gelang mir, Crest mit Hilfe einer sterilen medizinischen Folie, innerhalb derer ich eine ebenfalls keimfreie Umgebung schaffen konnte, aus dem Med-Pod zu entfernen und außerhalb dessen stabil zu halten, so dass ich Mr. Radon an seiner Stelle in den Med-Pod transferieren konnte. Wie gewünscht gab ich ihm anschließend auch seine Kette wieder und verabschiedete mich nach den vorgenommenen Einstellungen für eine halbe Stunde, denn auch wenn ich lieber vor Ort geblieben wäre, um gerade in der fragilen Anfangsphase der veränderten Umstände und Behandlung eingreifen zu können, falls nötig, erreichte mich Mr. Ondos Meldung, dass zwei der Marines ebenfalls durch den Bombenhagel erwischt worden und vermutlich tot waren. Ich eilte los, um dies zu überprüfen und möglicherweise noch helfen zu können.

Meine Hilfe kam für diese beiden leider jedoch tatsächlich zu spät. Ihre Verletzungen waren letal gewesen und das einzige, das ich noch tun konnte war, einerseits ihren Tod festzustellen und andererseits Mr.Ondo mitzuteilen, dass sie nicht gelitten hatten. Auf Grund ihrer Verletzungen waren sie vermutlich innerhalb von etwa zwanzig Sekunden verstorben, und in dieser Zeitspanne sollte die Schockwirkung dafür gesorgt haben, dass sie keine Schmerzen hatten beziehungsweise keine Gelegenheit mehr, diese als tatsächliche Wahrnehmung zu realisieren. Mr. Ondo reagierte mit einem sachlichen Kopfnicken und leitete sogleich Maßnahmen zum Umgang mit den Toten ein, doch er hatte mir aufmerksam zugehört, als ich den Tod der beiden offiziell erklärt hatte. Bei diesen ganzen Militärfuzzis vor Ort habe ich oft den Eindruck, man extrahiert deren Emotionen schon in der Grundausbildung und lässt nur hohle Schenkelklopfer zurück, doch das gilt offenbar nicht immer oder nicht für alle gleichermaßen. Ich bin mir ziemlich sicher, dass meine Informationen für Mr. Ondo wichtig waren, zumindest nicht unwichtig, und auch, wenn er sachlich und professionell reagierte, lag darin keine Kälte. Ich meine ja, im Gegenteil so etwas wie Bedauern in seinem Gesicht gesehen zu haben, aber darauf schwören würde ich nicht, und es war nicht die Zeit, sich genauer damit zu befassen, denn ich musste dringend zurück. Hier gab es kein Leben mehr, das ernsthaft in Gefahr war, und so wies ich Mr. Ondo lediglich an, die Verletzten zeitnah zur Wundversorgung zur Krankenstation zu schicken, während ich selbst mich beeilte, den Rückweg anzutreten. Erst auf diesem fiel mir dann auch auf, dass etwas fehlte. Es dauerte eine Weile, bis ich begriff, was es war: Die Geräusche des stetigen Beschusses waren verschwunden. Ich weiß nicht, seit wann genau, aber irgendwann zwischen dem erfolgreichen Beschuss und dem Jetzt war das Bombardement auf unseren Schild vollständig eingestellt worden. Seltsam.

Die nächsten Stunden waren äußerst fordernd für mich. Dauernd musste ich die Einstellungen des Med-Pods manuell anpassen, um Mr. Radon optimal versorgen zu können. Hinzu kam, dass ich das Wund-Débridement nicht vornehmen konnte wie gewohnt. Du weißt ja, dass chirurgische Maßnahmen ohnehin nicht zu meinen Lieblingstätigkeiten gehören, doch ungeachtet der Tatsache, dass sie nicht mein Spezialgebiet bilden, verlief die Wundheilung Mr. Radons nicht so, wie sie es hätte tun sollen. Selbst wenn ich von einer äußerst guten Ausgangssituation und ebensolcher Konstitution mitsamt sämtlicher Einflussfaktoren ausging, heilten die Wunden des Mannes einfach viel zu schnell. Sie heilten mir praktisch unter den Händen weg, allerdings teils sekundär, was ein wiederholtes Abtragen des neuen Gewebes erforderte, um dieses … ja, Manko in diesem Fall, tatsächlich … auszugleichen. Besonders interessant, wenn zugleich auch äußerst ärgerlich war die Erkenntnis Stunden später, dass ich mir den ganzen Aufwand vermutlich hätte sparen können. Eine wenige Zentimeter umfassende Wunde im Achselbereich hatte ich im Verlauf übersehen, und als ich sie endlich entdeckte und erneut öffnete, um auch hier die podunterstützte primäre Heilung zu ermöglichen, stellte ich fest, dass die Heilung überhaupt nicht sekundär gewesen war!

Ich dachte wohl von mir selbst unbemerkt laut über diesen Umstand nach und wunderte mich, befand ihn als seltsam und schickte mich an, die Verletzung, die ich nun mitnichten versorgt, sondern vielmehr verursacht hatte, erneut in optimale Heilungsbedingungen zu überführen, als ich Mr. Radons aufmerksamen Blick aus den Augenwinkeln bemerkte. Ich erklärte ihm, dass ich überrascht sei über sein äußerst gutes „Heilfleisch“, doch er reagierte darauf gelassen und wissend. Ja, das habe er immer schon gehabt, das sei ihm nicht neu. Er erzählte irgendwas von entsprechenden Kindheitserlebnissen, doch ich hörte nur mit halbem Ohr zu. Nicht, dass mich seine Anekdoten nicht interessiert hätten – Wunder genug, dass er überhaupt welche hatte und diese auch noch preiszugeben bereit war -, aber sie waren mit Sicherheit schlicht gelogen und damit Zeitverschwendung. Spezialgebiet hin oder her: Niemand heilt Wunden so schnell, schon gar nicht in dieser optimalen Art und Weise, nicht mit und nicht ohne Med-Pod, nicht mit und nicht ohne „gutes Heilfleisch“. Außerdem ist das Heilungstempo überhaupt nicht stimmig gewesen. Ich war zwischenzeitlich, bevor ich mich zu den Marines aufgemacht hatte, eine ganze Weile bei Mr. Radon gewesen, und in der Zeit hätten bereits sichtbare Gewebeneubildungen erfolgen müssen, wenn ich die Heilungszeit und –qualität insgesamt betrachte. Das war aber nicht der Fall. Und der Med-Pod selbst spuckte einige Fehlermeldungen aus, die mich wie schon erwähnt zu mehrfach manuellen Korrekturen zwangen; ein weiterer Beweis dafür, dass eine solche Regeneration nicht nur subjektiv von mir als unrealistisch eingeschätzt wird, sondern sogar von einer auf solche Dinge spezialisierten Maschine.

Bislang habe ich das Rätsel darum nicht lösen können, weil weitere Dinge geschahen, die meine Aufmerksamkeit forderten. Zudem war und ist für mich entscheidender, dass es Mr. Radon wieder gut geht. Er hat sich bei mir bedankt, noch bevor ich ihn wieder aus dem Med-Pod entließ. Mehr noch: Er hat mir die Befugnis übertragen, in seinem Namen Entscheidungen an die anderen, also auch die Militärs, weiterzugeben und selbst welche zu fällen. Natürlich – was auch sonst – folgte ein Schwall von Einschränkungen und Ermahnungen, doch unter dem Strich bleibt, dass sich Mr. Wichtig tatsächlich mal von einer angenehmen Seite gezeigt hat. Ich bin froh zu sehen, dass es so eine offenbar auch gibt und mein erster positiver Eindruck zu ihm demnach nicht gänzlich verschwendet war. Und ich hoffe, in Zukunft mehr von eben dieser positiven Seite zu sehen, denn als Kotzbrocken ist Mr. Radon auf Dauer wirklich nur schwer auszuhalten für mich und ich brauche meine Energien für andere Sachen dringender als zur Selbstbeherrschung, was ihn betrifft.

Was meine Aufmerksamkeit neben meinem Dauerpatienten Crest und meinem neuen Intensivpatienten Mr. Radon so in Anspruch nahm, war nicht die eher nebenher zu erledigende Versorgung der noch verletzten Marines, sondern vielmehr eine Auseinandersetzung zwischen dem Andorianer und Mr. Ondo. Ich habe es nur am Rande mitbekommen, doch offenbar hatte man festgestellt, dass der Schutzschild von Ms. Springston deaktiviert worden war, wie ich dir vorhin schon als Tatsache berichtete. Daraufhin hatte man Ms. Springston sogleich festgesetzt, doch der durchaus zum Cholerischen neigende Mr. Shrán forderte lautstark deren Liquidierung. Er bezeichnete uns (wie immer mit dem „charmanten“ Zusatz „Pinky-Haut“) als unfähig, angemessene Entscheidungen zu treffen und kritisierte darüber hinaus wohl noch so einiges mehr – wie gesagt habe ich all das nur am Rande mitbekommen. Diese Auseinandersetzung, in erster Linie geführt von Mr. Shrán, der sich von einer Hinrichtung Ms. Springstons nicht abbringen lassen wollte, sowie Mr. Ondo, der sich dem äußerst entschlossen entgegen stellte.

Als diese Informationen auch die Krankenstation erreichten, wies Mr. Radon mich an den beiden mitzuteilen, dass Mr. Ondo das volle Vertrauen von General West und Mr. Radon genieße. Hinzu kam, dass Thora ebenfalls Wind von dieser Geschichte bekam und ihrerseits den Andorianer uns unterstellte, welche Laune auch immer sie da angetrieben haben mochte. Scheinbar liefen die Gespräche zwischen General West und ihr nicht nur für unsere Belange fruchtbar, auch wenn ich mir nicht vorstellen kann, was ausgerechnet wir „Tiere“ ihr abgesehen von Crests Versorgung bieten können sollten. Sei es drum, jedenfalls platzte ich schließlich selbst in die Auseinandersetzung von Mr. Shrán und Mr. Ondo, um eben die Aussagen „von oben“ weiterzugeben und nutzte die Gelegenheit, zu Ms. Springston gelassen werden zu wollen – natürlich aus rein medizinischem Interesse, versteht sich. Während ich grob checkte, in welchem Zustand sich die Pilotin befand und im Gespräch mit ihr in Erfahrung bringen konnte, was sie zu diesem Schritt, den Schild zu deaktivieren, gebracht hatte, lauschte ich dem Streit der beiden Männer. Naja, lauschen ist hier eigentlich nicht der passende Begriff, denn eigentlich waren beide, vor allem jedoch der Andorianer, kaum zu überhören. Was der so von sich gab, stieß mich ziemlich ab. Liquidierung … so ein Unsinn! Und umso mehr freute mich, dass Mr. Ondo sehr fest entschlossen war, genau das nicht zuzulassen. Ich weiß nicht, welche Beweggründe er dafür hatte, ob es um seine Moral ging dabei, um die seiner Leute, um die rein praktische Überlegung, die weltbeste Pilotin nicht verlieren zu wollen oder noch etwas anderes, aber während sich der Andorianer in meinen Augen sehr unbeliebt machte mit seinem Gebaren, imponierte mir die Ruhe und Entschlossenheit des Marines umso mehr.

Es stellte sich heraus, dass es sich bei Ms. Springstons Aktion mitnichten um Verrat, sondern vielmehr um eine Kurzschlussreaktion gehandelt hatte. In der kurzen Zeit, in der wir dank der Hacking-Fertigkeiten von Mr. Shrán die Option hatten, uns über die Außenwelt zu informieren, hatte sie erfahren, dass ihre Schwester mit einer Gruppe Bergsteiger im Himalaya verschollen war. Sie hatte den Schild deaktiviert, um ihre Schwester zu retten. Eine dumme Idee, die einfach keinen Raum dafür gelassen hatte zu überlegen, dass sie damit zahlreiche Leben unterhalb dieses Schutzschildes in Gefahr brachte, und doch eine, die nicht menschlicher sein konnte. Sie tat mir leid und ich bemühte mich, ihr ein wenig Zuspruch zu geben, auch wenn dies in ihrer gegebenen Sorge wohl nicht viel mehr als Floskeln für sie waren. Dennoch hatte ich den Eindruck, dass es ihr gut tat, ein wenig zumindest.

An dieser Stelle richte Mama doch bitte aus, dass es mir leid tut, dass ich die Gunst der Minuten nicht genutzt habe, um euch meine gesammelten Berichte zukommen zu lassen. Ich hoffe, dass sich bald eine weitere Gelegenheit dazu ergibt und Absicht war es ohnehin nicht, aber wie du siehst: Es gab einfach noch wichtigere Dinge zu tun (auch wenn Mama das wiederum nicht verstehen wird …).

Erschöpfte Grüße,
Nat

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