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2. Inplay, NEO, nWoD Dark Heroes, Tischrunde – AETRON

Hallo Papa,

ich bin hin und her gerissen und habe diesmal etwas mehr zu erzählen. Zugleich weiß ich schon jetzt, dass es lang dauern kann, bis du all diese Neuigkeiten erfährst. Mir bleibt nur zu hoffen, dass sie dich überhaupt erreichen, irgendwann.

Ich wollte das Ende der letzten Aufzeichnung erst löschen, aber dann fiel mir ein, dass ihr ohnehin meine Nachrichten in gebündelter Form erhalten werdet und damit ohnehin wisst, dass mir nichts Schlimmes passiert ist. Also an dich, Mama: Es ist alles in Ordnung!

Die Stimme, die auf der letzten Aufzeichnung zu hören war, gehört zu einer weiblichen Arkonidin namens Thora, wohl die Chefin des Schiffes. Mit ihr ist allerdings, wie man so gerne sagt, nicht gut Kirschen essen, wie es scheint. Da habe ich es trotz meiner Kritik an dem gesundheitlichen Raubbau, zu dem General West sich selbst gegenüber neigt, mit diesem Captain deutlich besser getroffen.

Nachdem sie sich über unseren Aufenthalt auf der Brücke ausreichend echauffiert hatte, stand unsere Festsetzung an. Ja, man wollte uns einsperren. Genau genommen hat man das auch getan, doch zunächst geschah etwas ganz anderes:

Eine weitere Frau, die sich im Raum befand, griff völlig aus dem Nichts Mr. Ondo an, und zwar in unverkennbar letaler Absicht, wie sie wenig später auch offen zugab. Und nein, wir anderen waren zu keinem Zeitpunkt in Gefahr, wirklich nicht, Mama! Die Frau äußerte gänzlich unumwunden, dass sie Mr. Ondo zu töten gedenke, um damit eine Menge Leid zu verhindern. Ich bin mir nicht sicher, was ich davon halten soll. Sie nennen die Frau mit dem Namen Cardoness eine Eldar, was ich zuerst für den eigentlichen Namen und später für einen Titel hielt, doch tatsächlich scheint es sich hier um eine Speziesbeschreibung zu handeln, auch wenn mir abgesehen von der Körpergröße keine Besonderheiten bislang ins Auge fielen, sieht man einmal von diesem merkwürdigen Angriff ab. Was sie sagte, klingt auf den ersten Blick natürlich sehr mystisch und geradezu präkognitiv, aber du kennst mich ja und weißt, dass ich mich so leicht nicht beeindrucken lasse. Gerade die Plötzlichkeit ihres Angriffes und dessen Zielstrebigkeit lassen mich eher eine wahnhafte Episode vermuten, was mich entsprechend vorsichtig sein lässt, so lange diese Frau in der Nähe ist.

Um mir einen ersten Eindruck zu verschaffen, sprach ich nicht mit dieser Frau, sondern zunächst mit dem mit mir bekannteren Mr. Ondo, um Hinweise auf mögliche Trigger zu bekommen, die er bei dieser Cardoness ausgelöst haben könnte, derweil der Captain dieser Thora für seine Verhältnisse sehr lautstark Kontra gab. Doch was Mr. Ondo mir sagte, verblüffte mich und beanspruchte einige Minuten lang meine gesamte Aufmerksamkeit. Er gab an, nichts getan zu haben als im Raum zu stehen und sich einen Überblick über die Situation verschafft zu haben. Genauer gesagt gab er an, die Position der einzelnen Personen sowie Roboter auf der Brücke und möglicher nützlicher oder schädlicher Geräte wahrgenommen und darauf geprüft zu haben, welche Strategie im Fall eines Kampfes die beste wäre, um die Auseinandersetzung für uns zu entscheiden. Natürlich ist Mr. Ondo nicht umsonst für die Koordination und Leitung einer der Marines-Gruppe zuständig, aber Papa, du hättest hören müssen, was er genau sagte! Ich hätte es aufzeichnen sollen, doch dafür ist es jetzt natürlich zu spät. Der Mann arbeitet seit zehn Jahren oder so bereits für Weyland-Yutani und ist für diese Zeit nicht gerade weit gekommen, was die Karriereleiter betrifft. Die von ihm beschriebenen Gedanken sind sicherlich Teil seiner Profession und genau das, was man von ihm erwartet, doch in der kurzen Zeit auf der Brücke bis zum Angriff hat er nach eigener Aussage unheimlich viel wahrgenommen und auch abgewogen. Ohne genauere Untersuchungen bin ich natürlich vorsichtig mit meinen Annahmen, und doch lassen seine Worte für mich auf jemanden schließen, der nicht auf dem Posten ist, auf den er gehört. Der Mann kann mehr, und ich glaube, das kann er abseits jeder Schulung und Erfahrung. Ich vermute eine besondere Begabung und zwar eine, die bislang kein Mensch entdeckt hat, für die sich bislang noch niemand interessiert hat oder die Mr. Ondo – der in der ersten Zeit unseres Zusammenseins ja eher darauf bedacht war, die allseits verbreiteten Klischees über seinen Berufsstand mitzutragen und zu transportieren – aus welchem Grund auch immer nicht offenkundig werden lässt. Ehrgeiz scheint keine seiner Stärken zu sein. Doch im gleichen Maß, in dem meine Achtung vor ihm auf Basis seiner Antwort mir gegenüber gestiegen ist, ist auch mein Misstrauen gewachsen. Wieso hält ein so talentierter Mann derart hinter dem Berg? Wollte er einfach nur seine Ruhe haben, würde er doch nicht ausgerechnet für Weyland-Yutani arbeiten, wovon andere – deutlich zielstrebigere Leute als er selbst offenbar – träumen?

Nachdem man uns alle in irgendein Mannschaftsquartier eingesperrt hatte, sprach ich Mr. Radon auf diesen Umstand an, doch den schien das überhaupt nicht zu interessieren. Ich hatte vielmehr den Eindruck, als weigere er sich überhaupt zu verstehen, worauf ich hinaus wollte. Gut, möglicherweise habe ich das Thema etwas falsch angefasst, weil ich den Bogen über mich selbst zu schlagen versucht hatte. Sie haben mich abgelehnt, was er ja später als bedauerlichen Irrtum erklärt hatte, also ist es doch nicht so abwegig anzunehmen, dass sie auch beim Potenzial Mr. Ondos schlampen, oder? Nun, wie gesagt war das wohl nicht der beste Einstieg in das Gespräch, das Mr. Radon dann auch zunehmend deutlich zu beenden versuchte.

Da saß ich also in diesem Quartier herum, als wenn es nichts Besseres zu tun gab. Und ja, genau das, was du denkst, Papa: Ich hatte richtig schlechte Laune! Unser Captain vertrieb sich die Zeit mit diesen seltsamen wasserlosen Duschen, die sie hier benutzen und hatte danach nichts Besseres zu tun, als sich mit diesem blauhäutigen kleinen Mann zu betrinken. Andererseits – in dieser Situation hätte ich mich den beiden beinahe angeschlossen, wenn nicht beide statt halbwegs zivilisiert miteinander zu trinken und zu reden deutliche Anzeichen des üblichen primatenhaften Gelages gezeigt hätten. Nein, unter solchen Umständen verzichte ich dann doch gern darauf, Neues auszuprobieren – was ich im Übrigen gar nicht einmal tat, denn diesen Nahrungsherstellungsautomaten, den sie hier haben, nutzte ich dennoch für eine kleine Mahlzeit und kann überrascht berichten, dass er Genießbares hervorbringt.

Alle saßen oder lagen herum und ich starrte gelangweilt auf die sich abwechselnden Bilder an der Wand. Eine Weile lang beschäftigten und faszinierten sie mich sogar, denn sie zeigten neben Landschaften und Raumschiffen der Arkoniden trichterförmige Häuser. Ich vermute, das alles das arkonidische Bauwerke und Landschaften waren, alles andere scheint ja ohnehin unter deren Würde zu sein. Aber warum hängen Bilder in einem Raumschiff, in dem sie niemand mehr ansieht, sondern jeder für sich soporös in einer Ecke liegt und diese sinnlosen virtuellen Spiele spielt? Naja, irgendwie müssen die ja zu dieser ganzen Technologie gekommen sein, die die unsere laut den anderen und dem wenigen, das ich beurteilen kann, deutlich zu überschreiten scheint, also müssen sie irgendwann mal ihre Zeit anders als mit Spielen verbracht haben. Aber diese trichterförmigen Häuser waren recht nah beinander gebaut. Für mich sah das aus wie eine Siedlung, und wenn es keine Montage ist, dann verstehe ich nicht, wie diese Leute zu dem geworden sind, was wir hier vorgefunden haben und sehen. Man baut doch keine Siedlungen, wenn sich jeder selbst der Nächste ist? Vielleicht noch riesige, Platz sparende Wolkenkratzer mit zahllosen Appartments, die eine gewisse Anonymität erlauben, wie wir sie als Menschen praktizieren, aber würde ich abseits der Bauform mit unseren Gebäuden vergleichen, würde ich dies höchstens als Vorort bezeichnen. Und was kennzeichnet Vororte? Wohl eher zu viele Blicke von den Nachbarn als zu wenige, würde ich meinen, oder? Für mich sind diese Bilder in Hinblick auf die hier erlebte gegenwärtige Realität der Arkoniden klare Beweise einer totalen kulturellen Degeneration, da können sie uns noch so sehr als Tiere bezeichnen und mit ihrer Technik angeben. Andererseits bin ich Ärztin und keine Künstlerin, Architektin oder Soziologin, also was soll’s. Ich überlegte kurz, mit jemandem meine Überlegungen zu diskutieren, doch als ich meinen Blick durch den Raum schweifen ließ, war da einfach niemand, mit dem ich hätte reden können oder wollen. Mr. Radon wäre eigentlich meine erste Idee gewesen, aber nach dem Gespräch zuvor fiel es mir nicht allzu schwer, auf einen weiteren Versuch zu verzichten.

Ganz darauf verzichten konnte ich dann allerdings doch nicht, denn Mr. Dolvich, unser Ingenieur, saß als einziger wie ich noch in seinem Anzug in meiner Nähe. Er allerdings im Gegensatz zu mir eher unfreiwillig, denn die Pleuradrainage war mit seinem Anzug direkt verbunden, um den stetigen Sog zu gewährleisten. Das bedeutete allerdings, dass er auch mehr Sauerstoff verbrauchte als ich, und das wiederum bedeutete, dass er zeitnah Nachschub benötigte, was für mich bedeutete: Endlich etwas zu tun!

Ich versuchte, mit Mr. Dolvich das Quartier zu verlassen, um mit ihm die Krankenstation aufzusuchen, doch die vor dem Raum postierten Roboter sahen das anders. Ich diskutierte etwas kläglich und wurde recht bald von Mr. Radon zurück gepfiffen. Er wirkte ungemein zornig, wies mich zurecht und forderte mich zur Ruhe auf. Er befahl mir, mich zwar um die gesundheitlichen notwendigen Angelegenheiten zu kümmern, jedoch nicht mit den Fremden zu diskutieren und ihre Absagen an mich hinzunehmen. Ich stimmte zu und versuchte ein weiteres Mal, diesmal mit sorgfältiger zusammengestellten Argumenten, mit Mr. Dolvich zur Krankenstation zu gelangen, und zwar erfolgreich.

Eigentlich hatte ich auf so etwas wie eine Offenbarung gehofft. Alle schwärmten von der Technologie der Arkoniden, doch was die Krankenstation hergab, entsprach dem nicht. Wie angegeben kümmerte ich mich natürlich um Mr. Dolvich, dessen Drainage und seine Sauerstoffversorgung, doch es blieb mir noch reichlich Zeit, Daten, Geräte und Wirkstoffe der Krankenstation unter die Lupe zu nehmen. Die Ausstattung war gut, durchaus teils luxuriös, und dennoch gab es da abseits einiger kleiner Spielereien nichts, was mich besonders beeindruckte. Im Gegenteil: Ich war enttäuscht.

Und enttäuscht durfte ich auch bleiben, denn kaum waren wir zurück im Quartier, wartete auch schon der nächste Rüffel von Mr. Radon auf mich. Er wies mich recht ungehalten zurecht und fragte mich, was mir einfiele, seine Befehle zu missachten. Ich sah ihn erst einmal ziemlich überrascht an und wusste nicht so recht, was ich sagen sollte. Er hatte doch gesagt, ich sollte nicht diskutieren, sondern Absagen akzeptieren, und genau das hatte ich getan! Ich hatte lediglich meine Argumente vorgebracht und hätten sie mich wieder nicht zur Krankenstation gelassen, hätte ich es sein lassen und mich an Mr. Radon gewandt wie gewünscht, damit der das Problem der mangelnden Kooperation unserer „Gastgeber“ lösen konnte. Aber ich hatte meine Argumente vorgetragen und sogleich das Okay bekommen, also hatte ich doch seinen Befehl gar nicht missachtet! Ich vermute, dass er so wütend war, weil ich es ohne seine Hilfe geschafft hatte, einfach mit Hilfe logischer und ehrlicher Argumente selbst auf die Krankenstation zu gelangen, doch verstehen kann ich auch das nicht. Ich dachte, zum Denken befähigte Menschen seien eins der Auswahlkriterien von Weyland-Yutani gewesen, diese Crew hier zusammen zu stellen? Einige Male versuchte ich mich zu rechtfertigen, doch Mr. Radon unterbrach mich immer wieder und konnte sich gar nicht mehr beruhigen. Stattdessen wies er mich an, zukünftig nur noch mit einem kurzen, knappen, eindeutigen Ja oder Nein zu antworten, wenn es nicht zwingend erforderlich sei, etwas anderes zu sagen. Und wenn doch, dann gelte auch für weitere Aussagen die kurze, knappe und eindeutige Ansage auf den Punkt, und genau das habe ich gerade im Kontakt zu höher gestellten Personen, ganz besonders im Umgang mit dem Captain, zu beachten.

Ich weiß nicht, Papa, vielleicht hab ich das alles falsch eingeschätzt. Vielleicht hätte ich doch zu Hause bleiben sollen? Dieser ganze militärische Quatsch liegt mir nicht und ich fühle mich überflüssig. Statt mit meinen Forschungen weiter zu kommen oder zumindest als Ratgeberin benötigt zu werden, sitze ich dumm und eingesperrt auf dem Mond herum, soll schweigen und meine Anmerkungen, selbst die medizinischer Natur wie bei Mr. Dolvich, werden einfach wie heiße Luft behandelt. Das klang anders, als sie mich im Labor rekrutiert hatten und auch später noch, selbst bei dem Maß des Drills, den man uns bei der Vorbereitung auf unsere Mission zukommen ließ. Nun ja, es ist ja nicht für die Ewigkeit, so oder so nicht.

MUTTERVERSCHLÜSSELUNG AKTIV

Ich hoffe, sie lassen uns bald wieder gehen und es wendet sich alles zum Guten. Ich will nicht für den Rest meines Lebens eingesperrt von einer fremdartigen Rasse auf dem Mond hocken, und genauso wenig will ich wieder von hier weg geschickt werden, denn die Wahrscheinlichkeit, dass wir auf dem Mond ersticken, ist relativ hoch. Wie lang soll der Sauerstoff reichen, selbst wenn diese Arkoniden uns welchen mitgeben würden? Und was soll der bringen, wenn jede weitere Hilfe, die von der Erde aus Kostengründen ohnehin höchstens noch einmal geschickt werden wird, von dieser fremdartigen Rasse hier sogleich abgeschossen wird? Die beste Pilotin der Erde ist Teil unserer Crew, und selbst wir sind hier bruchgelandet, was bedeutet, dass wir einfach keine Chance haben, je wieder zur Erde zurück zu kehren, es sei denn, die Arkoniden würden den Mond zeitnah verlassen und uns somit die Möglichkeit geben, uns von einer zweiten Crew retten zu lassen. Doch warum sollten sie das tun? Und wenn ich es bislang richtig mitbekommen habe, sind sie selbst ja hier notgelandet, also nicht einmal in der Lage, den Mond zu verlassen. Im Moment sieht es so aus, als würden wir hier sterben – oder so etwas wie arkonidische Haustiere werden … die dann elendig verhungern und verdursten werden, wenn diese Nahrungsautomaten irgendwann den Geist aufgeben sollten, denn unsere Herrchen sind ja mit virtuellen Spielen beschäftigt …

Eigentlich müsste ich jetzt so etwas festhalten wie „Sorgt euch nicht um mich, alles ist gut, alles wird gut und überhaupt sterbe ich ansonsten ja in einer Situation, die ich mir selbst ausgesucht habe, deren Risiken mir bewusst waren und die der Menschheit dienen“. Und das kann ich nicht sagen. Es ist nicht alles gut, im Moment sieht es auch nicht danach aus, als wenn wieder alles gut würde, ich bin keine Heldin oder Märtyrerin und zum Sterben bin ich verdammt noch mal zu jung. Risiken wie diese hier waren mir nicht bewusst und ja, vielleicht wäre ich bereit gewesen, sie einzugehen, selbst wenn ich von ihnen gewusst hätte, aber doch nicht für … nichts. Das hier ist einfach alles ein Desaster, das niemandem dient, und zum ersten Mal seit langer Zeit fühle ich mich ziemlich allein gelassen, durch die letzten Ereignisse wie ein lästiges Anhängsel.

MUTTERVERSCHLÜSSELUNG BEENDET

Ich melde mich wieder, wenn sich etwas Neues ergibt. Macht’s gut!

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