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1. Inplay, NEO, nWoD Dark Heroes, Tischrunde – Weyland Yutani

Dann starte ich nach den ersten Erläuterungen zur Runde mal mit den Tagebüchern an dieser Stelle:

Ich hatte nur eine einzige Bewerbung geschrieben, denn ich wollte schließlich auch nur eine Stelle antreten. Schlimm genug. Während ich Tag für Tag mein Postfach mehrfach manuell überprüfte, obwohl ich ohnehin schon den Alarm eingestellt hatte für den Fall, sollte von dieser Adresse eine Nachricht eingehen, gaben sich Headhunter die Klinke in die Hand. Ich wimmelte sie alle ab. Ich hatte Ziele, verfolgte Ambitionen, und keine davon beinhaltete, in einer Provinzklinik zu landen.

Doch genau das war es, was schließlich geschah. Es vergingen zähe sechs Wochen des Wartens, in denen ich erfolgreich Angebote ausschlug, so erfolgreich, dass die meisten von ihnen keinen zweiten Anlauf wagten. Und dann kam endlich die ersehnte Nachricht. Ungläubig las ich sie wieder und wieder. Doch ich konnte sie lesen, so oft ich wollte – eine Absage blieb eine Absage.

„Werden Sie verstehen, dass manchmal nur Kleinigkeiten entscheidend sind, wenn es darum geht, aus der Fülle hoch qualifizierter Bewerbungen auszuwählen …“

Nein, das verstand ich nicht. Welche Kleinigkeit sollte es denn sein, die mich nicht einmal bis zu einem Vorstellungsgespräch bei Weyland-Yutani gelangen ließ? Ich rief hartnäckig dort an, verbrachte gefühlte Stunden in Warteschleifen und im Gespräch mit stets höflichen Sekretärinnen oder Call Center-Girls oder was auch immer sie waren, doch es gelang mir kein einziges Mal, mit jemandem zu sprechen, der mir etwas halbwegs Konkretes zu sagen bereit oder dazu befugt war.

Es half alles nichts … und so landete ich in der Forschungsabteilung des hiesigen Medical Centers.

„Ach, Kind, überleg doch mal, wie viele Leute froh wären, deinen Job zu haben!“

Ja – und wie viele Kinder tagtäglich irgendwo verhungerten, Mama, ich weiß, ich weiß. Aber weder die einen noch die anderen hatten quasi ihr ganzes Leben damit verbracht zu studieren. Nicht ein paar Jahre vom Bachelor bis hin zum M.D., sondern von den ersten Büchern des Lebens an bis zur Gegenwart. Die hatten sich nicht die Nächte um die Ohren gehauen, um nichts als die besten Noten einzuheimsen und sich darüber hinaus schon als Jugendliche in allerlei Bereichen engagiert, die für spätere Bewerbungen sinnvoll erschienen, während andere sich mit Partys und Jungs beschäftigten. Und die hatten auch ihre Ehe nicht auf’s Spiel gesetzt und schließlich aufgegeben der Forschung wegen.

Anfangs sah es aus, als hätte ich noch mal Glück im Unglück gehabt. Das Medical Center stellte mich auf Grund meiner Qualifikationen sofort als Leiterin der Forschungsabteilung ein. Man versicherte mir, als zukunftsorientiertes Unternehmen läge ihnen die Forschung besonders am Herzen, und dass man sicher sei, unter meiner Leitung die Abteilung in ein völlig neues Licht rücken zu können, was nicht zuletzt auch den Public Relations und den Geldmitteln der Einrichtung zugute käme.

Geldmittel … wie ich dieses Wort hasste! Was die Klinik in welches Licht rücken wollte, weiß ich nicht, jedenfalls nicht in das meiner Forschung. Ich hatte Ideen, hatte Visionen, hatte bereits zahlreiche Exposés ausgearbeitet für Versuchsreihen, deren Absichten, Zukunftschancen und Kosten. Ich hatte alles genau kalkuliert, und verdammt, günstiger ging es nicht.

„Mrs. Taronga – die Abkürzung stört Sie doch nicht? -, Sie müssen verstehen, dass wir als mittelständiges Unternehmen und eine Klinik der Grund- und Regelversorgung einfach nicht die Mittel haben, dieses Projekt zu finanzieren. Wenn Sie einen konkreten Nutzen ausarbeiten könnten, durch den ersichtlich würde, dass wir diese Mittel zeitnah wieder einspielen … aber so …“

Wie konnten sie derart blind sein, derart verbohrt und derart kleingeistig? Basierend auf meinen bisherigen Veröffentlichungen zum Thema wollte ich weitere Forschungen zum Thema Schwangerschaft, Geburt und Entwicklung bei Gravitationsunterschieden vorantreiben, wollte basierend auf steinalten Unterlagen, die niemand je weiterverfolgt hatte, Untersuchungen anstellen zur Reaktion unterschiedlicher Lebensformen auf verschiedene Gravitationsbedingungen, wollte kognitive Beeinträchtigungen durch atmosphärische Interferenzen untersuchen … jeder sprach heutzutage von Terraforming, doch niemand forschte in Details. So viele Wissenschaftler, die sich dem Thema von allen Richtungen näherten, und doch kam kaum jemand auf die Idee, sich solche Details einmal genauer anzusehen. Und nach meinen Artikeln zum Thema war es nur eine Frage der Zeit, bis jemand clever genug war, das Potenzial von all dem zu erfassen und an meiner Stelle diese Forschungen voran zu treiben. Und verdammt, es stört mich sehr wohl, wenn man meinen Namen abkürzt, vor allem so, denn ich bin keine Russin, ich habe diesen Krieg nicht persönlich verloren und ich habe auch nicht die Absicht, meinen persönlichen in dieser Sache zu verlieren!

Und so forschte ich also stillschweigend als mindestens 89765 Person der letzten Tage an neurologischen Details in Bezug auf verschiedene Demenzformen – und das auch noch an Ratten, obwohl die Ergebnisse bereits nachgewiesenermaßen nicht aussagekräftig genug waren, als dass man sie tatsächlich auf den Menschen übertragen hätte verwenden können. Ratten waren zwar in der Lage, selbst Vitamin C zu synthetisieren, aber ihr Gehirn war im Vergleich zum menschlichen fast völlig frei von Windungen. Wie sollte ich aus ihnen also verwertbares Material erforschen? Wenn sie wenigstens andere Tiere zur Verfügung gestellt hätten, aber auch dazu fehlten die Mittel. Natürlich.

**********

Als sich unerwartet die Tür öffnete und unangemeldet einige Leuten mit dem charakteristischen Emblem von Weyland-Yutani auf der Kleidung mitten in meinem Labor standen, staunte ich nicht schlecht. Ein gewisser Mr. Radon übernahm einen großen Teil des Redens, auch wenn er sich hierbei stets bei der asiatischen Dame an seiner Seite rückversicherte. Man wollte mich für ein Projekt von Weyland-Yutani gewinnen … ich glaubte zu träumen. Mit bemüht starrer Mimik folgte ich seinen Ausführungen zu einem Projekt, das vierzig Jahre Praxis umfassen sollte und die Erforschung möglichen extraterrestrischen Lebens beinhalten sollte. Es kostete mich einige Mühe, doch ich fragte betont gemächlich nach der Entlohnung des Ganzen und der Möglichkeit diverser materieller Boni für die zurückbleibenden Familienmitglieder. Beinahe hätte ich mich damit in die Nesseln gesetzt, denn ich musste feststellen, dass diese Leute außerordentlich gut über mich und meinen Familienstand informiert waren. Dennoch ging man professionell über meinen Faux Pas hinweg und nickte ohne weiteres ab, sicherlich entsprechende Dinge für meine Eltern in die Wege leiten zu können, zumal ich sie im Falle einer Zusage wohl nicht lebend wiedersehen würde. Man entschuldigte sich zudem über die Ablehnung meiner Bewerbung vor zwei Jahren – es habe sich dabei um ein großes Missverständnis gehandelt, das man intern bereits mit entsprechender Verärgerung quittiert habe -, stimmte sofort zu, mir persönliche Forschungen im Projektverlauf zu ermöglichen und räumte mir überdies drei Wochen Bedenkzeit ein.

Bedenkzeit! Ich beendete meinen Dienst an diesem Tag früher und verbrachte den freien Nachmittag und die nächsten Tage damit, Listen zu erstellen. Listen der Dinge, die ich in den nächsten vierzig Jahren persönlich, für meine Forschungen und möglicherweise auch für meine sonstige reguläre Tätigkeit für Weyland-Yutani benötigen würde. Listen der Dinge, die ich aufzukündigen hatte – allen voran meinen Job im Medical Center -, der Menschen, von denen ich mich zu verabschieden hatte, der Bücher, die ich in den nächsten drei Wochen zur Vorbereitung unbedingt noch lesen wollte. Nachdem ich einen Großteil davon zu meiner Zufriedenheit erledigt hatte, lud ich meine Eltern zum Essen ein, um ihnen die frohe Botschaft zu verkünden. Mama war alles andere als begeistert, riss sich aber zum Glück zusammen. Etwas, das sie erfreulicherweise seit der Scheidung des Öfteren tat. Man muss eben nur bereit sein, die positiven Dinge zu sehen und sie entsprechend wertschätzen …
Mein Vater hingegen reagierte mit beinahe kindlicher Freude über diese Chance und wir verbrachten sehr intensive Abende und halbe Nächte miteinander und im Gespräch über Möglichkeiten im Sinne der Medizin, die aus diesem Projekt erwachsen könnten. Auch wenn es keiner von uns beiden sagte, schmerzte uns der Abschied doch, und obwohl ich nicht zu leeren Versprechungen neigte und nicht wusste, ob ich dieses würde einhalten können, versicherte ich ihm häufig, mich zu melden, wann immer es meine Zeit erlaubte.

Und so traf ich so perfekt wie nur irgendwie möglich vorbereitet am vereinbarten Tag am Flughafen ein. Ich hätte genauso gut am selben Tag, an dem sie ins Labor kamen, packen, unterschreiben und mitkommen können. Sicherlich wäre ich dann nicht so gut vorbereitet gewesen und der Abschied von meinen Eltern hätte mir gefehlt, doch Bedenkzeit? Davon hatte ich keine drei Sekunden gebraucht.

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