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Immer wieder … Regel 0

Wir schreiben das Jahr 2011 und Clawdeen macht sich mit einem flüchtigen Bekannten auf den Weg zu einer neuen Rollenspielrunde. Er wollte Verstärkung, denn die Runde sei nicht sonderlich toll, der SL ziehe sein Ding durch und sage dann sowas wie „mach mal, denk dir mal was aus“.

Ich habe keine sonderlichen Erwartungen, bin dann jedoch von der Session positiv überrascht und auch ein bisschen beeindruckt, denn der SL weiß akribische Details aus der Umwelt zu berichten und weiß genau, wer wo warum an der Macht ist, aus welchen Motivationen und wie die Umwelt damit umgeht. Ein Traum für mich, der allerdings auch den Eindruck erweckt, dass die dort in einer „anderen Liga“ spielen als ich. Naja, jeder hat so seine Stärken und Schwächen, also wird es wohl auch letzteres geben? Mitten in der Session übernimmt ein anderer Spieler, nennen wir ihn B, die Spielleitung. Der Stil ist nun ein gänzlich anderer. Politische Hintergründe verschwinden zur Gänze, das Hier und Jetzt der Charaktere tritt vollkommen in den Vordergrund. Das macht das Spiel sehr viel lebendiger und auch interaktiver als zuvor, ich fühle mich weniger eingeschüchtert, stelle ich fest. Es wird schnell klar, dass die Charaktere hier ziemlich deutlich in eine bestimmte Richtung geschoben werden, um den wohl erdachten Plot durchziehen zu können, aber das stört mich nicht sonderlich. Die Beschreibungen der wenigen Kulisse und der wenigen NSC sind nämlich außerordentlich bildhaft und das darstellende Vermögen der aktuellen SL genauso beeindruckend wie zu Anfang die Detailtreue des anderen. Da wird wild gestikuliert, Stimmen werden verändert, Lautstärke moduliert. Ich bin begeistert.

Begeistert bin ich auch nach der Session entsprechend. Der eigentliche SL, der auch zu Beginn geleitet hatte, nennen wir ihn A, war allerdings weniger begeistert von der Leitung des anderen. Zu wenige Freiheiten, zu fantastisch, zu forciert, zu illusorisch, das ist in etwa dessen Feedback. Naja. Später verkünde ich jedenfalls meinem Bekannten, dass ich seine Unzufriedenheit mit der Runde gar nicht nachvollziehen kann. Das wiederum kann er nicht nachvollziehen. Kann passieren.

Eine Situation in dieser Session führt zu einem Angriff, den der Charakter der Spielerin C auf den Charakter meines Bekannten D ausübt. Diese Situation ist nicht so ganz inplay, habe ich den Eindruck, entsprechend wundert es mich nicht, dass der SL die Situation schließlich seinerseits in die Hand nimmt und glimpflich beendet. Nach der Session ist mein Bekannter D allerdings fuchsteufelswild und führt auf der Rückfahrt und auch in den nächsten Tagen in zig Variationen aus, wie er sich an dem Charakter der Spielerin C rächen wird, dass er den Charakter töten wird, bietet stetig neue Variationen, genau dieses „Spielziel“ zu erreichen. Ich führe an, den Eindruck gehabt zu haben, dass der SL Kämpfe und/oder Mord der SC untereinander nicht haben wolle, weshalb er sicher auch eingelenkt habe. D jedoch meint, dafür sei die Situation an der Stelle bereits zu sehr eskaliert und er müsse da nun Rache üben. Um das Schlimmste zu verhindern, entscheide ich mich für ein Nachfragen vor der nächsten Session im Beisein aller bei der SL. Nein, PvP ist nicht nur nicht gern gesehen, sondern verboten. Das will er nicht, das muss nicht, alle sollen Spaß haben, die Charaktere ohnehin möglichst nicht wechseln. Für mich okay, meinem Bekannten hingegen steht der Schaum vor dem Mund, weil er sich ungerecht behandelt fühlt.

Session 2, Spieler A leitet, was auch das übliche Vorgehen ist, wie ich nun erfahre. Angesichts einer konkreten Spielsituation, die wenig mit Politik und anderen Umgebungsfaktoren zu tun hat, verblasst er diesmal ein wenig, vor allem Spieler B stiehlt im schlicht jede Show. Spieler B zeigt sich als Spieler genauso darstellend, genauso bildhaft wie zuvor, geht voll und ganz in seiner Rolle auf. Er baut dadurch eine enorme Präsenz auf, die auf alle anderen Spieler nicht wirkungslos bleibt. Sogwirkung bei den einen, Rückzug bei den anderen. Offenbar gefällt Spieler B die gegenwärtige Spielsituation nicht, ist ihm zu langweilig. Und so sorgt er schließlich im Alleingang für eine Eskalation. Am Anfang dieser Eskalation stehen Tote meines Gefolges. In der Mitte steht die Manipulation der anderen SC durch seine Fähigkeiten, um sie ebenfalls zur Eskalation zu bewegen. Am Ende steht eine dreistellige Zahl toter NSC nach einem entsprechenden Gemetzel. Da ging er dahin, mein guter Eindruck. Ich bin enttäuscht von dem Verlauf der Dinge, bin einigermaßen erschrocken über den für mich zweifelhaften Humor im Zusammenhang mit dem Niedermetzeln Dutzender NSC ohne jeden Grund und bin persönlich angeätzt, weil meine Erfahrungspunkte für das Gefolge mit den NSC zusammen in Flammen aufgingen. Genau genommen bin ich sogar schockiert, denn allein die Option dazu war mir nicht einmal in den Sinn gekommen. Ich kannte bis dato aus allen Jahren Rollenspiels tatsächlich nur, dass solche Dinge auf die eine oder andere Art quasi automatisch geschützt sind.

In den nachfolgenden Sessions änderte sich dann allerdings so einiges. Der SL machte klar, dass er kooperatives Spiel wünsche, PvP nicht erlaubt sei, dass auch der Einsatz von speziellen Fähigkeiten ohne Erlaubnis der jeweiligen Mitspieler darunter falle und einiges mehr. Beinahe zwangsläufig veränderte sich dadurch das Spiel und im Verlauf auch die Gruppenzusammensetzung. Drei Spieler waren angesichts der neuen Vorgaben auf beiden Ohren taub, nämlich Spieler B, mein Bekannter D und ein weiterer Spieler E. Nachdem D persönliche Differenzen dann massiv ins Spiel einbrachte, indem er wiederholt Aktionen gegen meinen Charakter zu forcieren versuchte, setzte ihn der SL schließlich in zwei Runden vor die Tür. Spielerin C hingegen verließ die Runde, nachdem ihre persönlichen Differenzen mit Spieler E eskalierten und sie keinen Rahmen mehr für ein gemeinsames Spielen sah. Spieler B hingegen blieb uns erhalten, ebenso wie die anderen Mitspieler abseits derer, die uns im Verlauf der Zeit aus persönlichen/beruflichen/zeitlichen Gründen verließen.

Spieler B leitete eine weitere Session inmitten der Inquisitionszeit. Seine historischen Mängel waren ja bereits aufgefallen, dass er dann jedoch behauptete, die Hexenverfolgung existiere (noch) nicht, obwohl dies für alle offensichtlich (und für den Metaplot des üblichen SL relevant) war, überraschte doch deutlich und führte dazu, dass der SL meinte, Spieler B leite wohl besser keine Session mehr. Dass Spieler B drei Sessions ansonsten sehr atmosphärischen Spiels bot, an dessen Ende er eine Option einbaute, um seinen eigenen, derweil als NSC mitgeführten, Charakter zu pushen, kam auch nicht sonderlich gut an, um es halbwegs neutral zu formulieren.

Doch Spieler B schaffte es durch Präsenz und Dreistigkeit schließlich dennoch, inplay einen leitenden Posten innerhalb der Gruppe zu übernehmen. Keinem war so sehr daran gelegen wie ihm, außerdem passte das ganz gut zu seinem vordergründigen Spiel. Wie wenig er von kooperativem Spiel auf Spielerebene hielt, zeigte sich dann in der folgenden Zeit. Tatsächlich diktierte er anderen Charakteren – und auch den Spielern im Rahmen von Outplay-Diskussionen zur Runde -, was sie dürften oder nicht dürften, was zukünftig wie zu spielen sei … und schaffte es damit zu einem weiteren Novum in meiner mittlerweile etliche Jahre umfassenden Rollenspielzeit: Es kam – mehr als berechtigt – zu einer Art Revolte, in deren Rahmen alle Spieler ein gepflegtes, da übertragenes „Du kannst uns mal“ formulierten. Spieler B war davon schrecklich irritiert. Bislang hatte er Spieler E hinsichtlich seiner Spielvorlieben immer im Rücken gehabt, doch nachdem B einen seiner PvP-Versuche, die er trotz mittlerweile über Monate hinweg bestehenden Verbots immer wieder mal probierte, gegen den Charakter des Spielers E gerichtet hatte, hatte er dessen Zuspruch (oh, Wunder!) weitgehend verloren und Spieler E hatte schließlich eine Weile später verkündet, im nächsten halben Jahr keine Zeit mehr zu haben und danach dann vielleicht wieder zu kommen (hat sich nie wieder gemeldet). Und jetzt sah sich Spieler B also allein seinen Mitspielern gegenüber und verstand überhaupt nicht, wieso man ihn nicht mehr so lieb hatte (und das meine ich nicht zur Gänze ironisch!). Enttäuscht über die Schlechtigkeit seiner Mitspieler ließ er in geeignetem Moment seinen geliebten Charakter schließlich über die Klippe springen, um einen anderen Charakter spielen zu können, den er besser an die Gruppe anpassen wollte. Ich fand diesen Schritt ziemlich klasse, da ich davon ausging, dass er irgendwas bei der ganzen Entwicklung und Geschichte verstanden hatte. Das weitere Spielverhalten sowie die Info ein Jahr später, er spiele seinen über die Klippe gesprungenen Charakter jetzt halt einfach in einer anderen Runde, belehrten mich – später.

Der neue Charakter von Spieler B war allerdings wirklich sehr kooperativ konzipiert und es kehrte Ruhe ein. Ruhe in dieser Runde, denn in der Zwischenzeit hatte er noch in zwei anderen Runden mitgespielt, in denen er auch reichlich Chaos verbreitete. In Runde Nr. 2 spielte er einige Sessions mit, bis es dann aus verschiedenen Gründen zu Aus- und Umstiegen in der Runde kam. Der SL – derselbe wie in Runde 1 – fragte rum, ob die danach in der Runde befindlichen Spieler denn dauerhaft bleiben wollten und vor allem, ob mit diesen Charakteren oder eher anderen. Nein, alle wollten mit den Charakteren bleiben, die gegeben waren, also weiter im Spiel. Der SL generierte in der nach der Abfrage stattfindenden Session ein Spotlight für Spieler B mitsamt Plotaufhänger für weitere Sessions. Nach eben dieser Session verkündete Spieler B dann, er habe noch mal überlegt und eigentlich doch keine Lust mehr auf diese Runde und er steige aus. Er konzentriere sich lieber auf die anderen Runden. Und da saßen wir nun, denn außer durch Tod war dieser Charakter nicht schlüssig zu entfernen, eben jener Tod aus Storygründen nach dem ganzen voran gegangenen Chaos in der Runde eventuell auch der Tod der Runde an sich, vom nun sinnlos gewordenen Plotaufhänger ganz zu schweigen. Achso, ja, täte ihm leid, aber wäre ihm halt jetzt erst eingefallen. Na dann …

Auch in einer meiner Runden befand sich Spieler B zu diesem Zeitpunkt. Er hatte mich geradezu bekniet, dort mitspielen zu dürfen, weil ihm die Thematik so unwahrscheinlich zusagte und ich hatte schließlich zugestimmt. Diese Runde hatte einen tatsächlich schriftlich fixierten Gruppenvertrag (nicht wegen ihm *g*, den gab es schon), den ich mit ihm zusammen vorab durchging, eben wegen jener Probleme in Runde 1 in Bezug auf kooperatives Spiel und andere Dinge. Außerdem setzte ich mich mit ihm zusammen hin, um den Charakter zu erstellen und da eventuell Stellschrauben ansetzen zu können. Zwei Sessions lang verbrachten wir vornehmlich damit, diesen Charakter – laut Papier und Story durchweg kooperativ und gut in die Runde passend und diese ergänzend – inplay einzubinden, nachdem ich mit ihm ein 1:1-Spiel zur Vorgeschichte von einigen Stunden gespielt hatte. JEDER in dieser Runde riss sich quasi ein Bein aus und scharwenzelte um diesen SC herum, um ihn zu einem Teil der Gruppe zu machen, doch er fand immer wieder eine Option, sich einfach aus einem Gespräch oder einer gemeinsamen Unternehmung mittendrin raus zu ziehen. Am Tag der 3. Session meldete er sich kurzfristig bei mir und sagte, och nö, das gefalle ihm doch nicht so; er habe es sich anders überlegt und steige aus.

Dass der SL aus Runde 1 ihn danach noch als Mitspieler für Runde 4 einplante, fand ich dann von vornherein fragwürdig. Mittlerweile hatte man sich ja auch abseits des Rollenspiels besser kennen gelernt und auch da waren einige Punkte, die mir persönlich deutlich missfielen. Ich konzentrierte mich darauf, diese Punkte fallen zu lassen, denn immerhin stand das gemeinsame Spielen im Vordergrund und nicht das Private. Doch auch nach bisherigen Erfahrungen in Bezug auf das Spielen fand ich sein Einplanen in einer weiteren Runde gewagt. Ja, er konnte (sich) toll darstellen und spielen, konnte andere damit durchaus mitreißen (oder zur Weißglut bringen), war zumindest bei Runde 1 ein sehr zuverlässiger Mitspieler und ja, ja, er hatte doch mit soviel Enthusiasmus angefragt und dabei schon etwas glühend Kindliches, dass man kaum noch „Nein“ sagen konnte. Das kannte ich ja von mir selbst. Aber …

Ich sah das Charakterblatt für Runde 4 und wusste direkt, dass das wieder nach hinten losgehen würde. Tendenzen genau dazu zeichneten sich auch bereits im Spiel ab, als dann jedoch erstaunlicherweise folgendes geschah: Er wolle sich mal um andere Sachen im Leben kümmern und steige damit aus allen Runden aus und breche auch sonst den Kontakt zu uns ab. Na gut. Meine Wehmut hielt sich in Grenzen. Tschüss. Aus vornehmlich irrationalen Gründen ist aber zu sagen, dass ich seine Anwesenheit dennoch einige Male vermisst habe. Der ganze Stress, den er so geballt im Verlauf von etwa 1,5 Jahren verursacht hatte, hielt nicht so prägnant vor wie die Erinnerung an seinen sympathischen Enthusiasmus und sein intensiv darstellendes Spiel.

Und so kam es, dass sich Spieler B nach etwa zwei Monaten wieder meldete und quasi zu Kreuze kroch. Er vermisse die Runden und das sei eine völlige Fehlentscheidung gewesen, die er bereue und er möchte doch soooo gerne wieder mitspielen …
Begeistert war niemand. Wir sprachen in beiden Runden darüber, in beiden war der Tenor (von sechs verschiedenen Leuten!) sehr ähnlich: Alle sollten ein Veto-Recht haben, was seinen Charakter angeht (nach Blick auf Datenblatt und Hintergrund), er dürfe nichts Exotisches spielen, mit dem er schneller aus dem Ruder laufen könne als mit einem „Otto-Normal-Held“, er soll was an engen Zügeln, in engem Rahmen spielen, und wenn er wieder rum nerve, solle er endgültig raus. Drei von uns – SL, einer der Spieler aus der einen Runde und ich – nahmen sich knappe zwei Stunden Zeit, um mit Spieler B zusammen über sein neues Charakterkonzept zu reden, Veränderungen einzufordern, Regeln zu thematisieren, unter denen das gemeinsame Spiel laufe und so weiter. Ich selbst legte dar, dass ich ihn möge und für einen guten Rollenspieler halte, wenn er wolle, aber dass ich den Papp von seinem Gemurkse derart auf habe, dass ich beim nächsten Anflug davon nicht mehr mit ihm spielen würde, also nichts und nirgendwo. Warum ich das so deutlich sagte? Einmal war es mir schlicht ein Anliegen, dann kamen im Verlauf der Diskussion aus meiner Sicht aber auch immer wieder Dinge auf, die mich stark daran zweifeln ließen, ob er verstand, über was wir hier überhaupt sprachen. Er mokierte etwa, er müsse „wie ein dummer Newbie“ jetzt Rede und Antwort stehen, was mir ganz arg aufgestoßen ist und mir nun nicht gerade vermittelte, dass er irgendwas von dem, was gerade lief und trotz aller deutlichen Worte, warum es so lief, wirklich begriff.

Es liefen ein paar Sessions in beiden Runden, in Runde Nr. 1 sogar bis dahin mit einer Ausnahme problemlos. Nicht so in Runde Nr. 2. Da war die Kontrolle nach dem „Erfolg“ in Runde Nr. 1 nicht so stark gewesen und wir waren dämlicherweise der Ansicht, sein Spielen dort vermittle uns ausreichend, dass er es doch kapiert habe und Runde Nr. 2 – alles ihm bekannte Spieler wie auch Charaktere – ähnlich angehen würde. Tat er nicht. In der ersten Session war das noch gar nicht hinreichend zu beurteilen, aber ab der zweiten wurde eigentlich schon klar, dass dieser Charakter nicht auf kooperatives Spiel ausgelegt war. Er agierte nicht irgendwie offen gegen die anderen Charaktere, aber er näherte sich ihnen auch nicht an und begann schon da mit Lügen und ausweichenden Inhalten (die man durchaus plausibel auf seinen Hintergrund transferieren konnte allerdings).

Nach ein paar Sessions kam es seitens des SL quasi zufällig zur Frage, wer eigentlich von den Charakteren wie zu wem stünde, wo die persönlichen Ziele und Motivationen so liegen würden, weil er darauf die nächsten Inhalte des Spiels anpassen wollte. Und da kam dann, dass der SC von Spieler B keine hatte, keine Ziele, keine Motivation und, ach, eigentlich auch gar keinen Grund, überhaupt bei den anderen zu bleiben. Der SL könne sich da ja was ausdenken und ihm anbieten. Ich war fassungslos. Der SL war es ebenso. Zwei weitere Male erklärte der SL, das sei sein Job (also der von B), und dass er sich was ausdenken solle, dass es jawohl nicht sein könne, dass … weil … und überhaupt. Und gänzlich stoisch blieb Spieler B dabei: Nö.

An diesem Punkt war für mich endgültig Feierabend und ich war noch mal fassungsloser, dass der SL ihn nach allem, was man so in den letzten zwei Jahren erlebt hatte, nicht einfach vor die Tür setzte. Aber Spieler B hatte ja noch ein As im Ärmel: Er schlug schließlich ernsthaft vor, einen neuen Charakter zu erstellen und diesen als Anführer der Gruppe zu konzipieren. An dieser Stelle trat ich in den Streik und teilte mit: Nicht mit mir, nicht noch mal.
Schließlich kam diese Schnapsidee zum Glück vom Tisch und stattdessen … ging es an der Stelle weiter, man solle doch mal über mögliche Motivationen des gegebenen Charakters philosophieren. Ja, sicher, man hat ja auch sonst so gar nix zu tun …

Dieses gemeinsame Philosophieren wäre möglicherweise mit anderen Leuten recht fruchtbar verlaufen, aber hier standen im Vorfeld schon Aussagen zu diesem Charakterkonzept „geklonte Killerin“, bei denen sich mir die Nackenhaare aufstellten. Wir reden hier von speziellen Fertigkeiten im waffenlosen Kampf, in Heimlichkeit, in Schusswaffen, Kung Fu-Kenntnissen, von vorhandener Cyberware wie Nagelmessern und Bioware wie Muskelstraffung … und wir reden hier von Aussagen bezüglich der Zukunftspläne wie: „Also ich habe mir als Zukunftsperspektive gedacht, mit ihr eine Ausbildung zur Psychotherapeutin zu machen“ – what the fuck!? Auf die Frage nach den Motivationen erfolgte wiederholt: „Tut mir leid, sie hat keine. Das ist nicht, weil ich keine finden will, sondern weil sie keine hat. Evtl. bin ich da wieder meinem Chars gegenüber zu loyal, zu „Hardliner“ … aber ich sehe keine Gründe, die ich nicht erfinden müsste, ohne den Char zu korrumpieren.“

Joa, und so „hardlinert“ er halt so rum – allerdings jetzt nicht mehr in einer Runde, in der ich auch dabei wäre. Nach zwei Jahren solchen Theaters ist es irgendwann mal gut. Was für mich dem schlussendlichen Umsetzen der Regel 0 entspricht – im Nachhinein eigentlich viel zu spät umgesetzt -, findet ja vielleicht in anderen Runden, anderen Konstellationen und mit anderen Spielern dauerhafte Begeisterung. Bei mir nicht. Beim genannten SL der beiden Runden zum Glück auch nicht.

Dass er letztlich vor die Rundentür gesetzt wurde, hat der Spieler natürlich nicht verstanden. Vielmehr ist er der Ansicht, die Böse sei ich, die zuletzt recht deutliche Worte zu alldem für ihn fand – und natürlich besagter SL, der „meinen“ (sic!) Wunsch auch noch umgesetzt habe. Eigentlich sind wir nämlich schlechte Rollenspieler, weil wir nur mit Leuten klar kommen, die so spielen (wollen) wie wir. Ich dachte immer, das habe was mit Gruppenvorgaben und Kooperationsbereitschaft zu tun, außerdem bei mir wohl noch was mit meiner persönlichen Abneigung gegen Munchkins. Aber, well, dann bin ich halt eine schlechte Rollenspielerin. Das ist in Ordnung – Hauptsache, jetzt ist endlich mal Ruhe im Karton und man kann sich mehr auf die ganzen anderen, ebenso schlechten Rollenspieler und deren Charaktere konzentrieren …

2 Kommentare zu “Immer wieder … Regel 0

  1. Interesting. Ich tippe auf BL.

  2. Was isn bei Dir „Regel 0“?

    Mir kommt es so vor, als wenn es solche Endlossgeschichten mehr in atmosphärischeren Runden gibt, als in taktischen. Täusche ich mich? Ich hätte denjenigen jedenfalls schon deutlich früher rausgeworfen. Spätestens als es darum ging, welchen Regeln er sich beugen muss um an Ende dann doch noch einmal mitspielen zu dürfen, hatte ich mein persönliches „WTF?!“ Wenn man jemanden so an die Kette legen muss, dann heißt das doch schon mehr als deutlich, dass es einfach nicht zusammen passt. Klar, merkt man von „innen“ nie so duetlich, aber vielleicht sollte man sich das als Trigger für die Zukunft mitnehmen. Ein Kampfhund an der Kette und mit Maulkorb ist ja trotzdem noch aggressiv 😉

    Und ganz schön viel Gezicke 😉 Also von denen, die sich dann verabschiedet haben.

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