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37. Inplay, Vampire, Dark Ages, Tischrunde – “Ich bin Klaus Störtebecker!”

Unsere Weiterreise verlief unspektakulär, auch das Einschiffen war unproblematisch. Erneut hieß es, von Viktor Abschied zu nehmen, doch ich hatte mich daran mittlerweile gewöhnt. Ungewohnt hingegen war der Lärm. Menschen schrien, Holz zerbrach, Metall klirrte auf Metall, es roch nach Pulver, deren dumpfes BUMM deutlich zu hören war. – Wir wurden von Piraten angegriffen!

Es war Tag und somit schwer, sich aus der traumlosen Starre zu reißen, doch es gelang uns. Zunächst wollte ich Melissa und Mohana sichern und verbarrikadierte einfach nur unsere Zuflucht unterhalb des Decks. Das schien so falsch auch nicht zu sein, denn als ich mich endlich entschloss – angetrieben durch Melissas eigene Aktivität -, die Barrikaden wieder zu entfernen und mich nach oben zu wagen, klang Siegesgebrüll an meine Ohren. Es waren eindeutig die Rufe unserer eigenen Leute, wie ich hier und da erkennen konnte. Doch ich war schon im Begriff umzukehren, als aus diesen Rufen des Sieges ein Geschrei aus Angst und Panik wurde, und auch der Kampfeslärm hob erneut an.

Ich wandte mich weiter in Richtung Deck und erblickte zu meinem Erstaunen, dass die Gegner mitnichten menschlich waren. Es waren auch keine von unserer Art, doch ihre Augen leuchteten grün und fehlende Glieder schienen sie weder aufzuhalten noch zu kümmern. Hilflos standen unsere Leute ihnen gegenüber und auch ich selbst war einige Augenblicke lang ratlos. Ich verharrte und beobachtete die Gestalten, erkannte in ihnen leblose Wesen, die in die Körper der erfolgreich abgewehrten und getöteten Piraten eingedrungen waren. Faszinierend … aber auch sehr gefährlich. Wir kannten uns nicht aus mit derlei, und Eliana, die vielleicht mehr gewusst hätte, war nicht bei uns. Zu allem Überfluss traf uns dieser ungewöhnliche Angriff auch noch tagsüber, wo wir selbst unseren Gegnern nicht allzu viel entgegen zu setzen hatten.

Eine ganze Weile besah ich mir das Schauspiel lediglich aus dem Schutz der vor der Sonne verborgenen Treppe heraus, bis mir eine dieser Spukgestalten ganz besonders ins Auge fiel. Ich verfolgte ihn, der sich offenbar keinen Körper suchen wollte, sondern sich selbst genug war, bis auf das Nachbarschiff, auf dem Thomas und Johann in Blut, Eingeweiden und abgetrennten Gliedmaßen förmlich wateten mittlerweile.

Ich besah mir Thomas‘ vergebliche Versuche, Herr über dieses Gespenst zu werden, während ich selbst ihn nur weiter beobachtete. Ihn, Klaus, wie ich schließlich wusste, und nach weiteren Momenten der Verwirrung fiel mir die Geschichte wieder ein, die ich vor gar nicht so langer Zeit gehört hatte und nun mit diesem Wesen in Einklang bringen konnte. Ein hingerichteter Pirat, der kopflos an seinen Männern vorbei gelaufen war nach seiner Enthauptung, um diese zu retten – vergeblich. Man hatte sie alle niedergemacht.
Diese Erkenntnisse konnte ich nicht nur nutzen, um diese Übermacht bei Tage loszuwerden, sondern sie regte auch etwas in mir an. Jemand, der Loyalität gehabt hatte, für die es keinen Platz gab – die nicht zu seinem Wesen und zu seinem Tun gepasst hatte und die doch sehr echt gewesen war, sogar über den Tod hinaus. Ein Betrug, ein Verrat, an dem er festhielt, nicht weniger als an seine Loyalität … da gab es andere Weg als den der Vernichtung.

Es gelang mir, ihn kurzzeitig in ein Gespräch einzuwickeln, derweil ich mich darauf konzentrierte, einige unserer Leute als seine Männer, als alte Seebären darzustellen. Sie stellten sich in eine Reihe und ich bot ihm an, diese Reihe abzugehen und alle auf diesem Weg die Reihe entlang mit sich nehmen zu können, seine Leute nach Hause und in Sicherheit bringen zu dürfen. Störtebecker wirkte irritiert wegen dieses Angebots, witterte den erneuten Verrat, doch etwas trieb ihn an, es dennoch anzunehmen. Er lief los und schritt die Reihe ab. Ich war bereit, mein Wort zu halten – nicht, weil ich dauernd mein Wort halten würde als vielmehr, weil ich eine für mich nicht einzusortierende Parallele zu etwas anderem, zu jemand anderem, vielleicht sogar zu mir selbst? – sah.

Doch mein Wort zu halten war nicht meine Entscheidung. Johann stürzte sich auf den nun verwundbaren Piraten und vernichtete ihn. Er verschwand, sämtliche sonstigen Spukgestalten ebenso, und Johann triumphierte. Ich hingegen kochte vor Wut. Wie konnte er es wagen, sich mir zu widersetzen? Wie konnte er es wagen, gegen mein Wort zu handeln, das ich jemandem gegeben hatte? Ich ließ ihn an einen Pfahl binden, damit er zumindest die ersten Sonnenstrahlen würde genießen können – und vor seinen Augen tötete ich einen unserer Männer, um ihn wissen zu lassen, dass ich solcherlei nicht zu dulden bereit war. Mein Sinn stand mir nach viel mehr, nach einem längeren Bad in der Mittagssonne für Johann, umso praller, desto besser, nach dem Tod eines jeden einzelnen, den dieser Verrückte hatte schützen wollen. Aber die mahnenden Blicke der anderen hielten mich ab, mich daran erinnernd, dass Magdalena von solch einer Aktion wenig begeistert sein würde. Sie war in Kronstadt, wir waren es nicht. Sie war eng mit der Kirche verbunden, die unser aller Untergang sein konnte … also riss ich mich zusammen und machte, dass ich davon kam, überließ es Melissa und Thomas, diesen Pater in der Existenz zu erhalten oder auch nicht. Was auch immer.

Mein Zorn war noch immer nicht verflogen, als wir irgendwann eine ganze Zeit später Silchester erreichten und in der Abtei von Vater Samuel – immer diese Väter … – vorstellig wurden. Nach einem einigermaßen dummen Gespräch über unsere Entscheidung, nicht in der Abtei selbst zu übertagen, sondern lieber auf freiem Feld, zog ich mich in das Lager zurück.

Ein wenig später wurden wir von einem gewissen Hardestadt zu einem Gespräch gebeten. Nachdem wir eine eingebildete Blonde und deren Gerede über Geschmeideschmiedenschmarrn hinter uns gelassen hatten, offenbarte uns dieser Hardestadt, dass er ein Bündnis mit uns anstrebe. Er wollte, dass wir ganz Siebenbürgen zu dem unseren machten, es vereinten und seine Kräfte bündelten. Soweit, so gut, allerdings hatte er doch tatsächlich die Frechheit, uns noch eine Strafe zukommen lassen zu wollen, weil wir Nova Arpad vertrieben und Constantine McMillan vernichtet hatten. Was fiel diesen Ventrue eigentlich immer ein!?

Ich war überhaupt nicht mit irgendeiner Strafe einverstanden, noch viel weniger, als ich hörte, dass Melissa auf einen Pfahl gespießt werden sollte. Ich redete dagegen an und war zu bereit als zu irgendwelchen Reden, aber Melissa war wie so oft die Klügere und stimmte der Strafe zu. Mit offenem Mund starrte ich sie an und erst viel später begriff ich, was hinter dieser Strafe stecken sollte und sie ihr zugestimmt hatte. Doch verstanden habe ich das alles bis heute nicht. Warum tat man nicht einfach, was man wollte, sondern auch Dinge, die so unsinnig waren wie sonst noch was, nur um etwas zu demonstrieren, das ohnehin keine Zeugen hatte. Dämliche Ventrue. Geschmeideschmieden und hohle Phrasen … aber diese Schmieden wollte ich doch gern einmal sehen.

London war nur eine gute Reisewoche entfernt und wir hatten noch mehr als sechs vor uns, bis dieser Kongress beginnen sollte, also ordnete ich kurzerhand einen Ausflug in diese Stadt an.

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