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35. Inplay, Vampire, Dark Ages, Tischrunde – “Domäne / Neue Fänge in Kronstadt”

Das, was als „kurzer Ausflug“ und Hochzeitsreise geplant war, hatte sehr viel länger gedauert als ursprünglich angenommen. Nicht, dass Zeit eine Rolle gespielt hätte für uns, doch freute ich mich auf die Rückkehr nach Kronstadt, auch wenn mir beim Gedanken daran etwas mulmig war. Ob Nova Arpad von uns unbemerkt ihre Drohung wahr gemacht hatte oder im Begriff war, dies zu tun, nachdem sie wie auch immer Kenntnis von unserer Rückkunft erhielt?

Der Verlust Adonais überschattete die Rückkehr. Wir waren fast schon aufgebrochen, als erneut diese seltsame Fuchsfrau erschien und ihm etwas zurief, das ihn wohl erkennen ließ, wer sie wirklich war. Wir anderen erfuhren es nicht – denn Adonai stürzte sich wortlos mit seinem eigenen Schwert in der Brust vom Schiff. Ich fauchte und war bereit, mich auf diese Fremde zu stürzen, doch Melissa hielt mich zurück, und auch Thomas gab zu bedenken, dass es seine eigene Wahl, frei von Magie oder etwas in der Art, gewesen sein musste, denn er hatte eine Art entschuldigenden Blick zu uns geworfen, bevor er seine Tat vollzog.

Die Italienerin war kein Ersatz für jemanden wie Adonai, auch wenn sie ihm nicht ganz unähnlich war. Zumindest war sie so wenig redselig wie er. Ganz im Gegensatz dazu stand Bella, von der ich es kaum erwarten konnte, sie in absehbarer Zeit nach unserer Rückkunft endlich loszuwerden. So schön ihre Stimme und ihr Gesang auch war, ihre Art war unerträglich. Weniger freute ich mich auf den anstehenden Abschied von Eszter, deren Gesellschaft mir gut getan und mich sicherlich auch ein wenig geprägt hatte.

Zu allem Überfluss musste ich dann noch die Gastgeberin für zwei von den meinen spielen. Aradhana Kaur und Savitri Kala Singh begleiteten uns, waren auf dem Weg zu einer Konferenz in Silchester, wo ich als Übersetzerin auftreten sollte. Nicht nur das allerdings, auch mein eigenes Wort sollte da Gehör finden. Oh, und kulturell wollten die beiden Ravnos auch noch etwas lernen von Europa. Na, das konnte ich bieten. Ich fragte mich, was man sich so erzählte, dass eine Ravnos einer anderen eine Übersetzung anvertraute. Recht mutig. Oder verzweifelt. Oder ich sollte wirklich einmal mehr darüber in Erfahrung bringen, wie es um meinen Ruf im Allgemeinen so stand bei den unterschiedlichen Fraktionen. Nun ja, vielleicht war Silchester dafür ja genau der richtige Ort?

Eine weitere Überraschung verkündete Viktor uns, nachdem wir wohlbehalten in das ebenso wohlbehaltene Kronstadt zurückgekehrt waren: Er wollte seinen Sitz nach Buda verlegen, der Geschäfte wegen. Geschäfte … als wenn wir nicht alle wussten, dass Arianne dort ebenfalls verweilte …

Thomas hingegen entschied sich dafür, in Kronstadt zu bleiben, und Eszter hatte keine Einwände. Nach der langen Reise traute sie sich ohne weiteres zu, allein weiter zu reisen – und so ganz allein war sie ja ohnehin nicht. Ich begrüßte Thomas‘ Entscheidung und sprach ihm einen Teil der Slums als Domäne zu, was beim Nosferatu nicht ganz gut ankam, doch nach kurzem Verhandeln und der Erlaubnis, ein Kind schaffen zu dürfen, machte er zumindest gute Miene.

Die Zeit verging wie im Fluge, es gab ja SO vieles zu tun und ich fühlte mich wohl bei all dem, fühlte mich mehr mit Kronstadt verbunden als mit den Orten, von denen wir zurück gekehrt waren – was mir insgeheim noch immer ein wenig zu schaffen machte. Zwei Jahre waren vergangen, als Magdalena ankündigte, ihr erstes Kind sei auf dem Rückweg in die Heimat, und sie bat um Aufnahme dieses Kindes in die Stadt. Meinetwegen.

Es dauerte nur wenige Monate länger, bis Pater Johann nach Kronstadt kam. Ja, Pater. Ein Wanderprediger, der zweifellos Magdalenas Kind war und sich nicht über sein Dasein im Klaren zu sein schien, ja, nicht einmal Magdalena wiedererkannte. Er war unterhaltsam, aber sein Glaube war schrecklich anstrengend und ich hoffte, Magdalena würde ihn über kurz oder lang ein wenig in die Schranken weisen können, denn ich hatte wenig Interesse, das selbst zu tun, zudem es nicht allzu leicht werden würde, derlei in einer Kathedralenstadt umzusetzen. Melissa hingegen erfreute sich mehr an seiner Gegenwart. Natürlich nicht im entferntesten auf ihre sonst übliche Art, doch sie verbrachte genug Zeit mit ihm, dass sie ihn für die Idee eines Klosterbaus begeistern konnte. Bei der Mutter, manchmal fragte ich mich … doch meine Sorge schien unbegründet zu sein. Während das Kloster für die Damen wuchs und gedieh, gab es bei den werten Herren immer mal wieder Probleme. Hier ging etwas zu Bruch, dort verunglückte jemand, dann traf eine Lieferung nicht ein … na sowas …

1493 traf ein Brief von Lucita ein, die um Unterbringung für sich und Anatole bat, und selbstverständlich auch erhielt. Ich ließ zügig nach Viktor schicken, derweil ich mich selbst darauf vorbereitete, in der Stadt noch einen weiteren Verrückten zu beherbergen. Nach ihrer Ankunft hatten die beiden, Lucita voran, etliches zu berichten. Während wir fernab von allem gewesen waren, hatte der Westen unter der Inquisition zu leiden gehabt, und auch der Anarchenkonflikt war noch nicht vollends beendet, noch immer nicht. Und neben den ganzen Details erfuhr ich so auch ein wenig mehr über die Hintergründe zu dieser anstehenden Versammlung in Silchester, was sie durchaus noch einmal interessanter machte, denn selbst als Ravnos hatte ich an sich vom Reisen für den Moment noch immer genug.

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