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34. Inplay, Vampire, Dark Ages, Tischrunde – “Das, was genommen wurde”

Eine seltsame Zeit war es, die wir bei den Wan Kuei verbrachten. Ich war dauernd hin und her gerissen zwischen einer schlichten Verweigerung, mir ihre Reden und das, was sie von uns forderten, einfach zu ignorieren, der Möglichkeit, ihnen vielleicht doch unbemerkter als gedacht nach einigen Vorbereitungen die Köpfe von den Schultern reißen zu können und der Neugier auf das, was sie zu sagen und zu lehren hatten. So sehr diese Wan Kuei auch auf ihre Dogmen pochten, so waren sie doch nicht so viel anders als wir, schon gar nicht als ich selbst. Mit vielen ihrer Übungen war ich schon vertraut und bekam die Gelegenheit, sie weiter zu vertiefen und zu verinnerlichen, mich weiter zu entwickeln. Nicht nur mir tat es gut, sondern auch meiner Kundalini-Energie. Anderes war interessant bis gänzlich überflüssig in meinen Augen, aber es ist ja nicht so, als hätten wir Besseres zu tun gehabt.

Fast am angenommenen Ende unseres Aufenthaltes angekommen, gab man uns schließlich noch einen Auftrag. Wir sollten den Krieg in Japan, den Krieg, den das Land praktisch gegen sich selbst und seine beiden unterschiedlichen Welten führte, beenden. Na, wenn es weiter nichts war …

Es stellte sich heraus, dass die auf uns wartende Aufgabe möglicherweise gar nicht so unerreichbar war, wie ich zunächst annahm. Geleitet von Eliana sollten wir durch die ominöse Schattenwelt wandern, um dort in einen Palast vorzudringen – nicht irgendeinen natürlich, sondern den von Oda Nobunaga, dem überaus reizenden Shogun mit seinem magischen Papier, dessen Bekanntschaft mir noch ziemlich gut in Erinnerung war.

Ich hatte damit gerechnet, dass uns Hunderte von menschlichen Samurai gegenüber treten würden, doch da hatte ich mich geirrt. Stattdessen verfolgten uns seltsame, vage an Füchse erinnernde Wesen mit buschigen Schwänzen und – nicht zu vernachlässigen – verdammt scharfen Waffen. So scharf, dass sowohl Adonai als auch Thomas schwer verletzt wurden und wir es nicht allzu leicht hatten, diese Wesen zu überwinden.

Als wir schließlich die Gemächer des Shoguns erreichten, trat uns dieser mit seiner uns bereits bekannten Höflichkeit gegenüber. Erneut scheiterte der Versuch, mit ihm zu reden und zu verhandeln. Zu allem Überfluss war es diesmal nicht irgendwelches flatterndes Papier, das ihn schützte, sondern wir mussten erkennen, dass er nicht mehr menschlich war. Großartig, das machte unsere Aufgabe sehr viel einfacher … immer diese Details, die man wie von Zauberhand weiterzugeben vergaß oder von denen man erst Kenntnis erlangte, wenn es im Grunde bereits zu spät war.

Wir versuchten es mit der Kraft der Illusion ebenso wie mit der der Waffen, aber wir kamen kein Stück weiter. Erst Melissa gelang es schließlich, ihm dieses Ding, das wir hier erbeuten sollten, abzuschwatzen, indem sie in seinen Geist eindrang.

Nachdem wir hatten, was wir wollten, wollten wir uns aus dem Staub machen, bevor weitere Überraschungen uns erreichen konnten, doch eine dieser Überraschungen war schneller als wir: Eine weitere dieser Hengeyokai, was wohl so viel wie „Fuchswesen“ bedeutete, trat in Erscheinung. Anders als ihre mittlerweile besiegten Freunde trat sie uns nicht allzu aggressiv gegenüber. Stattdessen schien ihr Blick in erster Linie auf Adonai gerichtet, den sie woher auch immer zu kennen schien. Sie schwatzte ihn voll, wollte ihn erretten oder etwas in der Art, doch wir fanden nicht heraus, warum es Eindruck bei Adonai hinterlassen sollte. Er schien genauso verwirrt von diesem Auftritt wie wir anderen auch, auch wenn die Trauer in ihren Worten etwas Verstörendes hatte.

Noch immer verwirrt und mehr oder minder berührt durch diese merkwürdige Begegnung traten wir den Rückweg zu den Wan Kuei mitsamt unserer Beute unbehelligt an. In einem Gebirgstal unterstützten wir das Ritual unserer Gastgeber, das dieses erbeutete „Ding“ irgendwo anders hin bringen beziehungsweise seine Energie dorthin führen sollte. An seinem Ende stand ein wahrhaft imposanter Sturm am Himmel, aus dem sich eine riesige Geisterhydra empor schlängelte … ein wunderbarer Anblick, den ich mir einzuprägen versuchte. Vielleicht konnte man dieses Bild ein anderes Mal, an einem anderen Ort, zu einer anderen Zeit verwenden?

Um das wirklich furchterregende Bild für die anderen erträglicher zu machen, wirkte ich die Illusion eines mit Blütenblättern verwirbelten Schneesturms – sollten meine Gefährten selbst wählen, mit welcher Erinnerung sie sich das Ende dieses Rituals einprägen wollten.

In der nächsten Nacht brachen sie auf um im Verlauf von 3 Jahren zurück nach Kronstadt zu reisen.

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