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24. Inplay-Zusammenfassung: „Überfall auf dem Parkplatz“ (Werwolf, TS)

Sonntag 12.06, Halbmond

Marie und ich postieren uns am Treppenabgang Richtung Parkplatz, abseits vom Domplatz. Adriano und Ciprian übernehmen den Hauptabgang, derweil Daniel sich auf dem Gleis selbst parkt. Wir sind alle ziemlich angespannt, nicht mal, weil wir irgendwie Schiss hätten, sondern vielmehr, weil wir uns den Ankömmling nicht durch die Lappen gehen lassen wollen. Ist immerhin unsere einzige Spur im Moment.

Dann ist es Zeit, die Leute rennen in der üblichen Hektik die Treppen runter und wir entdecken schließlich Daniel, der uns ein Zeichen gibt, durch das wir auf den Verdächtigen aufmerksam werden. Wären wir ansonsten wohl auch von alleine, so durchdringend, wie der riecht, aber vermutlich zu spät. So warten wir nur kurz, bis Daniel uns erreicht hat. Ich hak mich pärchenmäßig bei ihm ein und wir folgen dem Mann, derweil Marie zu den anderen beiden sprintet, um ihnen Bescheid zu geben, dass wir den Gesuchten entdeckt haben und in welche Richtung wir unterwegs sind.

Dass Daniel und ich uns dann aufteilen, ist vermutlich nicht allzu clever, denn der Penner wird tatsächlich auf mich aufmerksam und versucht zu entkommen. Wäre an sich nicht so schlimm gewesen, wenn ich vielleicht nicht meine „Tarnung“ als Passantin einfach aufgegeben hätte, um den Kerl einzusammeln. So aber fühlt er sich offenbar bedrängt und schneller, als ich gucken kann, zückt er eine Waffe und knallt eine Passantin ab. Einfach so. Er zieht einfach diese Waffe, die erstaunlich leise ist, einfach nur eine Art „Plöpp“ von sich gibt, und dann sackt die Frau augenblicklich zusammen.

Fassungslos betrachte ich das Ganze und es erscheint mir eher wie Stunden als Minuten, dann setze ich zum Lauf an, um den Kerl unschädlich zu machen, bevor er so etwas noch mal tun kann. Ich möchte eigentlich zu der Frau laufen, aber dafür ist keine Zeit und ich muss mich entscheiden. Muss mich dafür entscheiden, achtlos über sie rüber zu springen, um den Täter zu fassen. Und alleine dafür hasse ich ihn schon.

Dann entdecke ich ihn, wie er gerade versucht, ein Auto zu öffnen, renne auf ihn zu und reiße ihn um. Im selben Moment, in dem ich erkenne, dass ich den falschen Mann erwischt habe, höre ich ein Geräusch, das in meinem Kopf sehr viel lauter klingt als „Plöpp“, höre so etwas wie ein Knirschen und sowas, als wenn man Gips von einer Wand bröckelt, aber ein verdammt lautes Bröckeln. Man kann gar nicht so viel saufen, wie ich die Schmerzen in meinem Kopf spüre und alles wird rot vor meinen Augen. Rot vor Schmerz, rot vor Blut, rot vor Zorn.

Ich will den Mann vor mir auf dem Boden zerfleischen, doch irgendwas in mir meldet sich und sagt mir, dass das nicht richtig ist. Also zwinge ich mich dazu, mich umzudrehen, und da steht dieses Männchen mit der Waffe in der Hand. Dieses kleine miese Etwas, das einen Fehler erkennt und sich auf die Socken macht, weg von mir. Aber ich sehe nichts mehr außer diesem Kerl und den roten Schlieren, also stürze ich ihm nach. Mit diesem ganzen Rot sieht man nicht allzu gut, also dauert es eine Weile, bis ich ihn erreicht habe, bis ich ihn nicht nur erreicht habe, sondern auch endlich erwische.

Ich werfe ihn zu Boden, versuche mich darauf zu konzentrieren, dass wir unsere Feinde lebend fangen wollen, doch er bleibt nicht einfach liegen wie die Beute, die ich aus ihm gemacht habe, sondern versucht zu entkommen. Ein Zucken fährt durch meinen Körper, einige Male, aber dann kann ich mich nicht mehr zurückhalten und zerbeiße dem Männchen das Gesicht. Er hört endlich auf zu zappeln.

Das gibt mir die Gelegenheit, auf diese nervige Stimme, die mich in den letzten Minuten oder Sekunden, so genau weiß ich das nicht, genervt hat zu hören. Wer ist das? Wer will da als nächster Bekanntschaft mit meinen Pranken und meinen Zähnen machen? Nach und nach sickert die Erkenntnis durch, dass es kein neues Opfer ist, sondern Marie, und es gelingt mir, mich zurück in die menschliche Gestalt zu verwandeln und den Zorn hinter mir zu lassen, zumindest einen größeren Teil davon, den entscheidenden. Mein Kopf fühlt sich an, als würde er zerplatzen oder wäre schon zerplatzt. Ob der Mann ohne Gesicht unter mir wohl auch noch so etwas empfinden kann gerade?

Hier sind Menschen, mehr als ein Dutzend. Scheiße, wir stehen mitten auf diesem Parkplatz bei hellichtem Tag, nur wenige Minuten von der verdammten Dom-Security weg, über sowas wie einer Leiche. Wir müssen hier weg. Sofort. Ein kurzer Schlagabtausch, dann raffe ich die Reste meiner Instinkte zusammen, um der toten Frau einige Meter weiter weg die Schlüssel aus der Hosentasche zu klauen und damit nach dem zugehörigen Wagen zu suchen. Zum Glück erbarmt sich Daniel zu fahren, so dass ich das nicht wieder muss, sondern mich während der Fahrt auf das Dröhnen im Kopf konzentrieren kann. Ob das besser ist, weiß ich erst mal nicht, aber als wir im Königsforst angekommen sind nach einer mir endlos vorkommenden Fahrt fühle ich mich irgendwie besser. Zumindest in Bezug auf meine Kopfschmerzen, denn beim Anblick des Kindersitzes auf der Rückbank wird mir eher gleich wieder total schlecht. Blöde Drecksau im Kofferraum.

Als wir irgendwo im Forst anhalten und aussteigen, kann ich mich trotzdem fast besser beherrschen als Ciprian, der dem Kerl, den wir im Kofferraum untergebracht hatten, am liebsten an Ort und Stelle den Rest geben würde. Vielleicht liegt es daran, dass mir die Reste seines Gesichts wenigstens ein bisschen das Gefühl von Genugtuung verschaffen. Wird der Halbwaise ohne Mutter allerdings auch nicht weiterhelfen.

Wir sind in der Nähe eines Baches und Marie gibt sich redlich Mühe mir zu helfen, das ganze klebrige Blut mit Hilfe des Wassers aus den Haaren zu bekommen. Wir haben Zeit, viel zu viel Zeit für meinen Geschmack, denn wir wollen warten, bis es dunkel ist, dann erst wechseln und das Arschloch zu dem anderen in unseren Keller verfrachten. Ich hab ein Auge auf Ciprian, doch irgendwann kann ich mich nicht mehr beherrschen und fummle im Wagen nach den Fahrzeugpapieren, will wissen, wem dieser Wagen gehörte, welche Familie da jetzt allein zurückgeblieben ist. Mit dem Namen der Halterin auf einem Stock und bis kurz zuvor noch einem Fetzen des Kindersitzes in der Hand, mit dessen Hilfe ich mir den Geruch des zugehörigen Kindes zu merken versuche, laufe ich schließlich zu Darzel und verbuddle den Stock an einem der Bäume, die man umrunden muss, um in sein Reich dort zu gelangen. Dann ist es endlich spät und dämmrig genug, um den Weg nach Hause anzutreten.

Am Haus angekommen wartet die nächste böse Überraschung auf uns: Die Polizei hat das Haus umstellt, scheint auf uns zu warten. Absperrband überall und unsere Geisel im Keller ist weg. Ich fühl mich ohnmächtig, fühl mich hilflos, will aus dem Schatten heraus die Polizisten überrumpeln und ihre Gesichter in denselben Matsch verwandeln wie das von dem Halbtoten, den wir hier eigentlich unterbringen wollten, doch die anderen halten das für eine schlechte Idee. Schlechte Idee … gibt es überhaupt gute Ideen, jetzt, hier, in unserer Situation?

Die Verhörversuche noch im Schatten lenken mich wenig ab, zumal auch dieser Kerl selbst im Angesicht des Todes nicht viel von sich zu geben hat als irgendwelche Beleidigungen. Wir sollen am besten verschwinden, können ja eh nichts, haben sowieso keine Schnitte und all so eine Scheiße kriegen wir zu hören und dann tickt ausgerechnet Adriano aus und gibt dem Kerl den Rest. Wäre ich das gewesen, hätte ich gleich mal wieder einen Anschiss kassiert, darauf würde ich wetten. So aber beobachten wir alle ziemlich regungslos, wie der Typ den Geist aufgibt und gleichzeitig einer entsteht, also so wirklich entsteht. Ein ziemlich fies aussehendes blutiges Etwas, ein Geist des Todes und des Blutes, der mit uns verhandeln will. Wieder wäre ich dafür, ihn zu vernichten, wieder sind die anderen mehr als zögerlich, weil der Geist meint, wir könnten ihm zwar schaden und darauf habe er keine Böcke, aber vernichten könnten wir ihn eh nicht. Am Arsch, da könnte ja jeder kommen und sowas behaupten!? Aber Adriano entscheidet schließlich, ihn gehen zu lassen, na, bitte sehr.

Ich stehe in der Penumbra und blicke dem Widerling hinterher, dann auf die Reste des Menschen vor uns, denke an das Polizeiaufgebot, das Marie rund um das Haus entdeckt hat und frage mich, was wir jetzt machen sollen? Was können wir denn hier überhaupt noch reißen? Wir haben keine Spur mehr, keine Geisel mehr, haben keine Ideen mehr und stehen quasi und wörtlich nackig in einer Welt, in die wir zugleich rein gehören und auch wieder nicht. Einmal mehr kein Zuhause mehr und zusammen allein. Alles scheiße.

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