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23. Inplay-Zusammenfassung: „Häuter häuten“ (Werwolf, TS)

Samstag 11.06, Halbmond

Vorsichtig schieben wir uns durch die von Marie geöffnete Tür ins Innere des Hotelzimmers. Es ist dunkel, nach wie vor ist nichts zu sehen oder zu hören. Langsam tasten wir uns vor und halten allesamt im Dunkel die Nase in die Luft, riechen jedoch nur Müll und alte Lebensmittel. Im Schein von Daniels Handy, das ich ihm kurzerhand abnehme und statt seiner leuchte, um seine verschwommene Gestalt nicht zu verraten, entdecken wir schließlich einen Schopf blonder Haare, der aus dem Schrank hinter den Betten hervor guckt. Daniel ist es schließlich, der sich traut, die Tür zu öffnen und was wir dahinter sehen, ist mitnichten einer der gesuchten Häuter, sondern die Leiche einer Frau, übersät von Biss- und Kratzspuren, den Kopf unnatürlich zur Seite geknickt. Nachdem wir uns vom ersten Schreck des Anblicks und des Geruchs nach altem Blut erholt haben, sehen wir schließlich auch, dass ganze Brocken Fleisch in ihren Beinen fehlen. Uns ist klar: Diese Frau wurde nicht nur ermordet, sondern auch noch angefressen. Ich bin wütend und fassungslos zugleich, weiß einen Moment lang gar nicht, wohin mit mir, doch Marie behält unbeirrbar die Nerven.

Während Marie nach unten eilt, um Ciprian und Adriano Bescheid zu geben und sie zu uns zu holen, überlegen Daniel und ich bereits, wer sich in diesem Chaos hier am besten wo verstecken sollte, um bei der Rückkehr der Häuter, auf die wir hoffen, möglichst überraschend angreifen zu können. Anstatt den ganzen Siff einfach Siff sein zu lassen, beschäftigt sich Daniel schon während unserer Überlegungen damit, den ganzen Mist in diesem Zimmer genauer unter die Lupe zu nehmen und findet schließlich einen Socken, dessen Geruch genug Wiedererkennungswert vermutlich eines der Häuter hat, dass Daniel ihn an sich nimmt.

Als die anderen endlich wieder bei uns sind und wir uns einig geworden sind, wer sich wo versteckt, geht das Warten los. Mehr als einmal wirft jemand ein aufzugeben und besser zu gehen, aber eine schlechtere Idee können wir kaum verfolgen. Auch wenn es noch so nervig, zermürbend und mit der toten Frau im Schrank auch noch ziemlich gruselig ist, so müssen wir doch am Ball bleiben, wo wir schon einmal hier sind und das halbe Zimmer auf den Kopf gestellt haben.

Nach einer gefühlten Ewigkeit und schon in den Morgenstunden öffnet sich endlich die Tür und jemand schlurft mit schweren Schritten hinein. Kaum in Reichweite, stürze ich auf ihn zu und ramme ihn gegen die Wand. Eigentlich hatte ich damit gerechnet, dass wir diesen Kerl danach schon nur noch einzupacken brauchen oder etwas in der Art, aber der Bursche ist verdammt zäh und zieht sogar noch eine Flinte hervor, die ich ihm erst im letzten Moment aus der Hand nehmen kann, indem ich ihn durch das Kratzen meiner Krallen dazu bringe, sie fallen zu lassen. Doch selbst da ist der Kerl noch kampflustig und es dauert eine Weile, bis ich ihn mit meinem Körpergewicht endlich am Boden fest tackern kann.

Den Körper haben wir nun im Griff, seinen Kopf offenbar noch lange nicht, denn statt auf meine Fragen zu antworten, gibt der Typ noch schnippische Kommentare von sich und gibt sich cool. Es kostet mich tatsächlich ein bisschen Mühe, ihn so glaubhaft einzuschüchtern, dass er zumindest irgendwas davon erzählt, dass einer seiner Kollegen um 13.30 Uhr am Kölner Hauptbahnhof eintreffen soll. Wo die anderen derweil sind, ist nicht schlüssig aus ihm herauszuholen, also tritt Daniel ihm schließlich gegen den Kopf, so dass er das Bewusstsein verliert. Wir schleppen den Brocken über die Feuerleiter hinunter und unten angenommen nehmen wir den Weg durch den Schatten bis zur Villa, wo wir ihn im Weinkeller mit einigen Krawatten verschnüren.

Daniel und ich übernehmen die erste Wache, während die anderen sich schlafen legen. Weiß der Geier, wie lang der kommende Tag werden wird, da ist es besser, sich auszuruhen und zu erholen, so lange noch die Zeit dafür ist.

Sonntag 12.06, Halbmond

Nach ein paar Stunden mache ich mich auf den Weg nach oben, um die anderen zu wecken, doch ich hab den Treppenabsatz noch nicht ganz erreicht, als aus dem Keller ein irrwitziges Getöse an meine Ohren dringt. Ich höre Daniel erst schreien, dann brüllen und schließlich Geräusche, die mir unmissverständlich klar machen, dass Daniel seine Gauru-Gestalt angenommen hat.

Hastig stürze ich die Treppen wieder hinunter, verwandle mich quasi noch im Durchgang sicherheitshalber selbst in die Kriegsgestalt und versuche mir einen Überblick über das Geschehen zu verschaffen. Mit einem Blick sehe ich Daniels Wunden, den Zorn in seinen Augen und weiß, dass er im Moment nur noch Feinde kennt. Er schlägt erst mit den Pranken auf unser nun seltsamerweise nicht mehr gefesseltes Opfer ein, dann schlägt er seinen Kiefer in den Mann, schüttelt ihn durch und wirft ihn schließlich wie einen nassen Sack zu Boden.

Nachdem unser Gefangener sich nicht mehr rührt, dreht Daniel sich zu mir um und ich sehe, was mir da bevor steht. Er ist noch weit davon entfernt, sich zu beruhigen und stürzt mit Kampfgebrüll auf mich zu. Ich entscheide mich dafür, mir das Ganze erst mal bieten zu lassen und defensiv zu handeln in der Hoffnung, dass er sich schnell genug beruhigt, bevor er mich ernsthaft verletzen kann und in der Tat ist mir das Glück hold.

Als Daniel sich wieder in die menschliche Gestalt verwandelt, genau in dem Moment, in dem auch die anderen, von dem ganzen Lärm und meinem nach ihnen rufenden Geheul irgendwann zwischendurch geweckt, den Keller erreichen. Während Adriano versucht, unseren Gefangen durch seine Gabe der Heilung zu stabilisieren, läuft Marie los und holt einen Verbandskasten. Nachdem Adriano ergebnislos von dem Mann ablässt, versuche ich mein Glück, unterstützt von Marie. Daniel braucht einen Moment und ihm sind seine Angriffe auf mich sichtlich unangenehm, doch ich knuffe ihn nur in die Seite und schenke ihm ein Lächeln. Kann passieren und ist ja noch mal gut gegangen. Nachdem sich Daniel damit ein wenig abfinden kann, hilft auch er beim Reinigen und Verbinden der schwersten Wunde, doch es ist kein einfaches Unterfangen.

Die anderen sind geneigt, ihn einfach sterben zu lassen, diesen Verbrecher, Mörder und nun auch noch Angreifer Daniels, doch das will ich nicht zulassen. Ich will, dass er lebt, dass er überlebt, dass er sogar wieder ein wenig gesund wird und ich bin felsenfest entschlossen, mein Möglichstes genau dafür zu tun, denn das dort, das ist nicht allein ein Verbrecher und ein Mörder, sondern er ist auch der erste, der brennen wird, wenn es soweit ist, soviel steht fest. Und umso lebendiger er bis dahin wieder ist, desto besser!

Es fällt schwer, nach der jüngsten Aufregung selbst noch ein wenig zu schlafen, aber recht eng auf der breiten Couch an Daniel gedrückt, gelingt es mir schließlich doch. Doch kaum sind wir wieder auf den Beinen, drängt es mich danach, in meinem Zuhause nach dem Rechten zu sehen. Unser Gefangener, den Adriano mittlerweile als Norman Volker Franz identifiziert hat, von dem Paul diverse Infos aus dem Internet gezogen hatte, hatte im Hotelzimmer versucht, umgekehrt mir zu drohen und eine Alexandra erwähnt, die in Gefahr sei. Vielleicht war das nur ein dummer Zufall, aber nachdem mir siedendheiß eingefallen ist, dass er damit meine Mutter meinen könnte, will ich nach Hause.

Der Plan ist zu warten, bis „ich“, also mein von Darzel bei mir daheim platziertes Double, das Haus verlasse, um dann hinein zu schlüpfen, so zu tun, als habe ich etwas vergessen und möglichst rasch wieder zu verschwinden. Der Plan geht auf und sicherheitshalber von Marie bis zur Tür begleitet betrete ich schließlich die Wohnung, nachdem meine Mutter uns die Tür geöffnet hat. Sie steht in der Küche und ich kann kein Anzeichen dafür entdecken, dass etwas mit ihr nicht stimmt. Dasselbe kann ich von Michaels und meinem Zimmer nicht behaupten, denn das ganze Bett ist in Eisfarben, in Weiß und hellen Blautönen, neu gestrichen worden. Ich sehe den angeschmolzenen Schwan auf Michaels Kopfkissen und mir ist mulmig bei dem Gedanken, ihn so allein mit diesen … Feen zu lassen, Vertrag hin oder her.

Ich schnappe mir eine Tasche, packe die Kiste mit Helgas Briefen ein sowie noch ein paar Kleinigkeiten mehr und bleibe noch einmal in der Küchentür stehen, bevor ich gehe. So beiläufig wie möglich frage ich, wie es denn um die Idee stünde, auch noch den Kleiderschrank in den neuen Farben des Bettes zu streichen und meine Mutter reagiert wenig begeistert. Auf diesem Wege erfahre ich jedoch, dass „ich“ es war, die zusammen mit Michael und meiner „Freundin“ das Bett gestrichen hat. Gut zu wissen. Ich wende mich ab um zu gehen, doch einem Impuls folgend gehe ich dann doch noch in die Küche hinein, umarme meine Mutter fest, drücke ihr einen Kuss auf die Wange und sage ihr, dass ich sie lieb habe. Sie wirkt überrascht, doch noch bevor sie etwas sagen oder dumme Dinge fragen kann, bin ich eilig zur Tür hinaus.

Wir fahren mit der U-Bahn zum Hauptbahnhof und damit zum Dom, wo wie immer zig Sicherheitsleute herumlaufen. Trotzdem entscheiden wir uns dazu, in den Dom zu gehen und nach der Clownsnase zu suchen, um mit ihr über das Tor zu verhandeln. Wir brauchen dringend mehr von der Kraft, die diese Tore abgeben, doch die Clownsnase zeigt sich alles andere als kooperativ. Blöde Kuh.

Unverrichteter Dinge ziehen wir schließlich wieder von dannen und drücken uns etwas abseits am Bahnhof herum, um uns in Ruhe zu beratschlagen, wie wir in einer Stunde, wenn der Zug eintreffen soll, vorgehen wollen.

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