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22. Inplay-Zusammenfassung: „Vampire, Unsterbliche & Häuter“ (Werwolf, TS)

Samstag 11.06, Halbmond

Trotz oder gerade wegen der Aufregung des vorigen Abends und der Nacht schlafe ich wie ein Stein, sogar mehr als sonst, gute vier Stunden. Als der Wecker meines Handys geht, denke ich trotzdem, dass ich noch ein Tütchen mehr Schlaf vertragen könnte, doch ich komme gar nicht dazu, den Gedanken im Kopf zu Ende zu bringen, als ich einen Luftzug höre und gerade noch eben rechtzeitig die Augen öffne um zu sehen, dass eine von Ciprians Riesenhänden sich mein Handy gegriffen hat, das nur eine Sekunde später gegen die Wand knallt.

Früh am Morgen kommt es zu einem kurzen verbalen Schlagabtausch, der schließlich auch die anderen weckt, derweil ich die Einzelteile meines Handys – zum Glück ist nur die Hülle abgesprungen und ansonsten wirkt das Handy intakt – einsammle und ziemlich schlecht gelaunt in die Küche gehe, wo ich mich für einige Minuten dem Versprechen an Michael entsprechend ruhig verhalte und einfach nur da sitze. Auch als Daniel mir in die Küche folgt, Kaffee zubereitet und jedem von uns beiden einen Pott vor die Nase stellt, nehme ich mir noch einen Moment Zeit, bevor ich bereit bin für so etwas wie ein Gespräch.

Es dauert nicht lange, bis die Küche sich füllt und jeder auf einmal Kaffeedurst und Frühstückshunger verspürt, und als Ciprian in die Küche kommt, ist mein Ärger längst verflogen. Doch er bleibt ohnehin nicht lange in der Küche, sondern beeilt sich, mit seinen Hunden einen Spaziergang zu machen. Es dauert jedoch keine Viertelstunde, bis er halb verärgert, halb entsetzt wieder zurück in der WG ist. Er berichtet, von irgendwelchen Sicherheitsleuten angesprochen worden zu sein, die halbwegs ungemütlich ein sofortiges Anleinen der Hunde verlangt hätten. Ciprian versteht weder den Sinn dieser Erwartungshaltung, noch sieht er sich in der Lage, sie zu erfüllen, denn so etwas wie ein Halsband und eine Leine, geschweige denn einen Maulkorb, hat er für die beiden gar nicht.

Ich will ohnehin einkaufen und die Vorräte der WG aufstocken, also schlage ich vor, bei der Gelegenheit das Benötigte für Ciprian mitzubringen, der gerne zustimmt, und kurz darauf kaufen Daniel und ich zusammen ein, so viel dass wir unsere Einkaufstüten erst einmal in der WG abladen und auspacken, bevor wir uns in Sachen Maulkorb und Leine erneut auf den Weg machen. Ein Zooladen ist rasch gefunden, bei der derzeitigen Lage in Köln sind es auch Leinen und vor allem Maulkörbe, und trotz der Auswahl entscheide ich mich breit grinsend für zwei pinkfarbene Sets. Ein bisschen Spaß – und eine kleine Retourkutsche für die Sache mit meinem Handy – muss sein, finde ich, und Daniel willigt ein, nicht zu petzen.

Als wir zurück kommen, treffen wir nur Adriano und Marie an. Eigentlich wollten die beiden Schlüssel für Pauls Haus für uns alle nachmachen lassen, doch sie haben noch ein paar Sets in einer Tüte gefunden und sind daher gar nicht erst los gelaufen, sondern haben offenbar die Zeit zu zweit genossen, derweil Ciprian sich auf den Weg gemacht hat, Pauls Haus genauer unter die Lupe zu nehmen. Nicht allzu viel Zeit vergeht, bis Ciprian mitsamt eines riesigen Hundekorbes wieder in der Tür steht und ein paar Sätze zu Pauls Haus verliert. Doch die Übergabe der pinkfarbenen Sets für seine Hunde scheint ihn deutlich zu irritieren und er wirkt sehr enttäuscht, dass es angeblich keine anderen Farben derzeit zu kriegen gibt. Ich versichere ihm, andere Farben vorbestellt zu haben, und dass es sich sicherlich nur um einen Übergang handele, womit sich Ciprian kläglich zufrieden gibt.

Gemeinsam suchen wir erneut Pauls Haus auf, durch das Ciprian uns von oben bis unten führt. Das unangenehme Gefühl, das ich schon beim Besuch in der Firma hatte, ist hier deutlich stärker. Am schwächsten ist es dort, wo ich zuvor nie gewesen bin, doch schon beim Eintreten fällt mein Blick in das riesige offene Wohnzimmer, den Ort unserer allerersten Begegnung, und auch der im Kellerbereich aufgebaute Schrein für den Phönix lässt mich schwermütig und traurig werden.

Eine Weile halten wir uns dort auf, dann kann ich die anderen dazu überreden, einen genaueren Blick in das Restaurant zu werfen und bei der Gelegenheit auch gleich dort zu Mittag zu essen. Das Essen dort ist kein Problem, denn wie alle anderen Gäste sitzen wir einfach an einem der Tische und nicht in dem separaten Raum wie bei unserem ersten Besuch, zu dem Paul uns alle eingeladen hatte. Ich denke daran, dass Paul mir noch eine Gewürzmischung verraten und den Koch darauf ansprechen wollte, denke daran, dass er das wohl nicht mehr getan haben wird und dann daran, dass ich das als Besitzerin nun selbst tun kann. Ich hab kein Problem damit, nach Sachen zu fragen, aber irgendwie hätte ich lieber einen Zettel von Paul selbst, auf dem das Erfragte notiert steht.

Nach dem Essen machen wir noch eine kleine Begehung des Restaurants und geben uns als Nachfolger Pauls zu erkennen, was uns unter anderem in die Küche führt. Als ich den Koch sehe, denke ich sogar an die Frage nach der Gewürzmischung, aber ich frage trotzdem nicht nach. Kommt mir irgendwie nicht richtig vor. Nicht jetzt, nicht im Moment.

Da die anderen sich in Köln nicht gut auskennen, sind sie schnell dazu zu überreden, noch einen kurzen Abstecher, sozusagen einen „Verdauungsspaziergang“ zum Esoterikladen zu unternehmen. Dieser kurze Abstecher lässt uns über eine Stunde lang unterwegs sein, was die anderen zu dem einen oder anderen maulenden Kommentar hinreißt, aber eigentlich läuft keiner von uns ungern.

Ich bin ein bisschen aufgeregt, als wir die Tür zum Laden öffnen, der wie erwartet wie ausgestorben leer ist – abgesehen von Lyne. Ich bin sicher, dass man mir meine Nervosität anmerkt, als ich versuche, alle einander sinnvoll vorzustellen. Sinnvoll, damit meine ich, eben nicht nur irgendwelche Namen zu nennen, sondern gleich aufzuklären, wer wer ist oder besser: wer was ist. Die danach vor allem bei den anderen auftretende Verwirrung und die unendlich vielen Fragen, die sie an Lyne haben, schieben mich selbst ein bisschen in den Hintergrund, wofür ich ziemlich dankbar bin, ohne dass es jemand absichtlich tun würde. Ein bisschen sind mir die vielen Fragen peinlich, was ziemlich blöde ist, weil sie mir nur deshalb peinlich sind, weil ich ihr sie selbst schon gestellt hatte und verpeilt habe, den anderen ausgiebiger von meinem letzten Besuch hier zu berichten. Das ist eigentlich der Hauptgrund meines peinlichen Gefühls: Ich habe den Eindruck, ich hätte etwas zu verbergen gehabt, hätte etwas verschwiegen. So ein Unsinn. Aber das Gefühl bleibt, und ein bisschen davon ist wahrscheinlich sogar richtig. Ich meine, das wäre komisch gewesen, wenn ich das so im Detail erzählt hätte, vor allem das mit der Massage und so – was hätten sich die anderen da gedacht? Nee, ist schon besser, wenn sie jetzt alles doppelt und dreifach fragen und Lyne geduldig antwortet, ohne irgendwo sowas zu sagen wie „Aber das hab ich Charly doch alles schon erklärt!“ oder sowas. Irgendwie war mein letzter Besuch hier auch einfach privat, und darüber spricht man dann nicht. Ich jedenfalls nicht. Und Lyne offenbar auch nicht. Glaub ich zumindest, denn sie erwähnt meinen Besuch hier ja nicht mit irgendeinem Wort. Allerdings merkt man ihr auch kein bisschen was an von der Vertrautheit, die aufzubauen ihr beim letzten Mal gelungen war. Auch die Umarmung zum Abschied ist wie nie geschehen, weshalb ich den Händedruck zur Begrüßung und zum Abschied etwas merkwürdig finde. Eine Umarmung hätte ich falsch gefunden, richtig finde ich jedoch den Händedruck irgendwie auch nicht.

Naja, von meinem persönlichen Zeug abgesehen ist unser Besuch hier aber zumindest nicht völlig zwecklos. Einmal ist gut, dass man nun voneinander weiß, außerdem hat Lyne noch den einen oder anderen Tipp in Bezug auf die Egel für uns auf Lager, bevor wir den Laden wieder verlassen und uns auf den Rückweg in Richtung WG machen.

Ciprian kritisiert, dass Lyne nun auch von unserer Existenz weiß und findet, dass wir zu freigiebig mit solcherlei Wissen wären. Im Grunde meint er natürlich mich damit, denn ich war schließlich die Petze, so gesehen, doch noch bevor ich darauf etwas erwidern kann, ist es Daniel, der sich einschaltet und meint, Ciprian nehme das Ganze mit der Litanei ein bisschen sehr genau und ein bisschen unpassend streng und überhaupt. Das hört Ciprian gar nicht gerne und schließlich kehrt erst Ruhe ein, nachdem mit Maries Hilfe ein Wettstreit festgelegt wird. Zurück in der WG soll jeder der beiden einen Aspekt der Litanei vortragen und den anderen erklären, und wer seine Sache besser macht, der hat den Wettstreit gewonnen.

Während ich mit Unterstützung von Adriano und Marie das Essen vorbereitete und zu kochen begann, erzählte uns Ciprian also später einen Schwank über das Lüften des Schleiers und Daniel etwas über Respekt. Zugegeben, Ciprian macht seine Sache deutlich besser, einfach weil er aus dem Stehgreif gesprochen hat, während Daniel sich eher Ciprians vorherige Rede nimmt und die mit seinen Argumenten auseinander pflückt. Die Entscheidung ist damit einstimmig, wobei ich Daniel insgeheim zum „Gewinner der Herzen“ küre, immerhin des meinen, denn schlussendlich hat er mich mit seinem Reden und seinen Argumenten in Schutz genommen. Nicht, dass ich glaube, dass das seine Absicht gewesen ist und nicht, dass ich sowas nötig hätte, aber es freut mich trotzdem. Muss ja keiner wissen.

Nachdem wieder Frieden eingekehrt ist, essen und schwatzen wir gemeinsam, als wenn nichts gewesen wäre, bis schließlich irgendwann ziemlich spät mein Handy klingelt. Wer soll denn da anrufen? Automatisch denke ich an Darzel oder sein Schneewittchen, doch es ist eine fremde Nummer und eine Stimme, die ich zwar irgendwann irgendwo schon mal zu hören geglaubt habe, aber nicht zuordnen kann. Es dauert eine Weile, bis ich endlich schnalle, dass ich da einen der Egel am Hörer habe. Sie gibt ein Hotel und eine Zimmernummer durch und gibt an, dort seien diese Häuter zuletzt gewesen. Ich gebe die Info an die anderen weiter und wir starten sofort in die angegebene Richtung, auch wenn mir etwas mulmig dabei zumute ist. Nicht, dass ich irgendwie Manschetten vor den Häutern hätte, nein, aber in eine Falle von Vampiren möchte ich heute Abend eigentlich nicht mehr treten.

Am Hotel angekommen, scheint die Luft jedoch rein zu sein. Zu rein, könnte man sagen, denn es passiert genau gar nichts. Wir verschanzen uns eine gefühlte Ewigkeit in der Umgebung und am Eingangsbereich, doch niemand kommt oder geht. Schließlich entscheiden wir, vorzurücken, will heißen: Daniel und Marie gehen als Paar getarnt hinein, während ich sie auf der Seite der Schatten begleite, um ihnen für den Fall der Fälle Deckung zu geben. Auf diese Weise erreichen wir drei Zimmer 234, während Ciprian und Adriano den Außenbereich weiter im Auge haben. Auf dem Gang ist es mucksmäuschenstill, auch aus dem Zimmer dringen keine Laute an unsere Ohren. Wir müssen also nur noch rein gehen …

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