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21. Inplay-Zusammenfassung: „Parapolitik“ (Werwolf, TS)

Donnerstag 9. Juni, Dreiviertelmond

Auf dem Rückweg zur WG denke ich viel über die Dinge nach, von denen Lyne gesprochen hat, an die sie offenbar sehr ernsthaft glaubt und für die sie ihr Leben riskiert. Naja, insofern man jemandem wie ihr davon sprechen kann, dass sie ihr Leben riskiert, meine ich natürlich. Zurück bei den anderen bin ich mit meinen Gedanken auf jeden Fall so weit, dass ich mich dafür einsetze, diese Feen da redlich zu unterstützen. Dass wir mit denen ein Abkommen schließen, Allianz nennen sie das, ist recht schnell klar, also schwören wir alle etwas, das uns eine mittlere Allianz bringt. Ja, richtig, es hätte noch eine kleine und eine große Allianz gegeben, aber whatever, wir haben uns auf die mittlere geeinigt. Was mich ein bisschen wurmt dabei ist, dass ich ein bisschen außen vor bin. Ich hab ja schon einen Vertrag mit Darzel abgeschlossen, darum gilt der hier mit den WG- Leuten quasi nur zur Hälfte sozusagen. Wer denkt sich eigentlich so ein kompliziertes Zeug aus? Da ist ganz viel „wenn das, dann dies“-Zeug drin, was mich unweigerlich an die Informatik-AG in der Neunten erinnert, aus der ich nach drei Wochen rausgeflogen bin, weil ich jedes Mal eingepennt bin. Ich weiß sowieso nicht, wieso ich ausgerechnet da teilnehmen sollte. Gemeldet hatte ich mich für die Hauswirtschafts- und die Teich-AG, gelandet bin ich im Nerd-Nirvana. Hauswirtschaft war schon voll, weil alle möglichen Mütter ihre Töchter da angemeldet hatten, als gäbe es was umsonst, und bei der Teich-AG war mein Bio-Lehrer dagegen. Er meinte, ich solle erst mal den normalen Unterricht auf die Reihe kriegen, dann könnte man noch mal drüber reden im nächsten Jahr, aber er sehe da nicht, welchen Wert meine Teilnahme an der AG für mich oder die AG haben sollte. Arschloch. Naja, dank Informatik hatte ich dann drei Wochen später Freistunden, war nicht das Schlechteste. Hab da zwar ziemlich alleine in der Schule rumhängen müssen, aber hätte schlimmer kommen können.

Schlimmer geht immer, das zeigt auch das Gespräch mit den Leuten hier. So halbwegs kapiere ich dieses Konzept mit den Steinen und diesem Glanz ja mittlerweile, aber der Sinn und Zweck der Übung bleibt mir noch so halb verborgen. Ich meine, wäre das anders nicht irgendwie einfacher?

Auf jeden Fall einigen wir uns darauf, mal ein Wort mit der Chefin von den ganzen Feen zu reden, mit dieser Pantha. Daniela, Martina und die Flüstertüte Egon gehen davon aus, dass diese Stressbacke, die sie als Rotkappe bezeichnen, sowieso bald wieder auf der Matte steht, um die Steuern einzutreiben, und den wollen wir uns dann mal schnappen und gucken, dass der uns zu so einer Audienz verhilft.

Unser Plan klappt auch, zumindest beinahe. Der Typ kommt tatsächlich, ist aber erst mal alles andere als begeistert von der Idee, uns zu Pantha zu bringen. Es braucht ein paar harschere Worte, Drohungen und die Erwähnung von Darzel mitsamt noch eines Schwurs – auf die scheinen diese Glanzleute echt abzugehen -, bis er sich endlich in Bewegung setzt. Er schleift uns durch einen Wald zu einem Campingplatz und einer der Wagen gehört dieser Pantha. Sie setzt sich auf einen Campingstuhl, angemessen in einen Jogger gekleidet und tut so, als wäre sie eine ganz Große. An sich würde ich die mitsamt ihres Anzugsbodyguards für bekloppt erklären, wenn ich nicht durch Darzel schon so einiges mitbekommen hätte. Ist nicht immer alles so, wie es aussieht, also frage ich sicherheitshalber nach so einem Zauberkeks, der vielleicht aus dem klapprigen Stuhl einen echten Thron macht oder so, so wie letztens aus dem Auto eine Schneekutsche und aus den Reifen Kufen geworden sind und so, aber natürlich gibt es keine Kekse und wir müssen unsere Phantasie bemühen, um die Nummer hier ernst zu nehmen, was mir reichlich schwer fällt.

Ciprian hingegen ist irgendwie sofort Feuer und Flamme für diese Sache mit der Audienz und dem höfischen Hickhack, also lassen wir ihn machen. Und entweder hat er da echt den Dreh total raus oder wir einen verdammt guten Moment erwischt oder so, jedenfalls hört diese Pantha ihm da kurz zu, stimmt dann den reduzierten Steuern zu, obwohl Ciprian sogar noch um mehr beziehungsweise weniger verhandelt hat, als wir vorher abgesprochen hatten, steht auf und geht genauso schlecht gelaunt, wie sie gekommen ist. Voll gut!

Freitag 10.06, Halbmond

Nachdem das ganze Lamentieren und diese Audienz hinter uns liegen, hab ich endlich genug Zeit und Ruhe, mich auf Ciprians Anzug und mein Kleid zu konzentrieren. Den Anzug hab ich unterschätzt. Der ist zwar totschick geworden, hat mich aber um Längen mehr Zeit gekostet, als ich gedacht hatte, so dass das mit meinem Kleid recht knapp geworden ist. Wie auch immer schaffe ich beides rechtzeitig und wir dackeln demnach abends pünktlich zum Treffen mit Fenrick.

Mir ist ganz schön mulmig, als wir in der Firma ankommen und unweigerlich denke ich an unseren letzten Aufenthalt hier – und an Paul. Adriano scheint es nicht viel anders zu gehen, denn auch er ist schweigsam und Maries Neckereien gegenüber nicht so aufgeschlossen wie sonst.

Bei Fenrick selbst bin ich dann ganz froh, dass ich mich gesetzt habe, obwohl ich erst stehen bleiben wollte, denn der Grund, warum wir hier sind: Paul hat uns Sachen hinterlassen. Ach was, Sachen! Er hat uns sein Haus hinterlassen, sein Restaurant und einen Megahaufen Kohle! Ich würd mich gern freuen, denn das schafft etliche Probleme, die wir gerade so nebenbei haben, so ohne Morde und Häuter und Geister und all den Kram, mal eben so aus der Welt, aber es macht mich eher traurig. Und es macht mich auch ein bisschen fassungslos, weil ich mir eingestehen muss, dass ich Paul sowas gar nicht zugetraut hätte. Einmal mehr wird uns zudem bewusst gemacht, dass Adriano und ich die letzten unseres ursprünglichen Rudels sind, denn an die Rudelmitglieder richtet sich Pauls Vermächtnis. Dass wir da noch einiges an Bürokratiekram zu erledigen haben, damit die anderen, also Ciprian, Daniel und Marie, gleichermaßen auf alles Zugriff haben, speichere ich am Rande ab. Ich hab nicht vor, das auf die lange Bank zu schieben, aber im Moment bin ich erst mal geplättet und fühle mich erschlagen von all dem.

Als wäre das noch nicht genug, eröffnet Fenrick uns dann noch, dass da ein paar Gäste wären, die uns sprechen wollten. Und noch, bevor er sie hinein lässt, bittet er uns, von impulsivem Verhalten Abstand zu nehmen. So oder ähnlich drückt er sich aus, zu gut deutsch: Nicht ausrasten! Ich frage mich ernsthaft, was das für Leute sein sollen, dass wir so einen Hinweis vorweg kriegen, als die Antwort auch schon eintritt. Es sind drei Vampire. In echt! Sie haben Bodyguards bei sich, die sich aber gepflegt im Hintergrund halten, derweil schließlich eine Vampirin nach vorn tritt, um das Gespräch mit uns zu eröffnen. Sie spricht davon, dass die Unruhen durch die Werwölfe – sie meint offenbar nicht oder zumindest nicht allein uns – den Vampiren nicht gefallen, so dass sie ihre Hilfe anbieten wollen, damit wieder Ruhe einkehren kann. Und so ganz nebenbei wolle man ja natürlich keinen Streit, weshalb wir in den Clubs so ungefähr von zwei Dritteln der Stadt besser mal nicht auftauchen sollten. Aber um Missverständnisse und sowas zu vermeiden: Es gäbe da so ein Tatoo-Studio, und wenn wir da Leute, die uns besonders wichtig sind, mit einem bestimmten Tatoo verzieren ließen, dann wären die selbstredend geschützt.

Ich koche innerlich vor Wut. Es kostet mich enorme Nerven, einfach da stehen zu bleiben, wo ich gerade bin und ich vermeide es tunlichst, das Wort zu erheben, sondern überlasse wie die anderen auch Adriano das Wort. Einmal möchte ich denen per se an die Gurgel gehen, und dann nervt mich, was sie da von sich geben. Das mit den Clubs nervt mich vor allem, diese Arroganz nervt mich, und die stinken, da können sie sich noch so rausgeputzt haben. Und was mich auch ankotzt: Wieso sind die in Pauls Firma? Wieso hat Fenrick zu denen Kontakt? Wieso weiß der, wer die sind und arrangiert für die auch noch ein Treffen mit uns? Paul hatte mal was erwähnt mit einem Kampf gegen einen Vampir, aber ich kann mich nicht daran erinnern, dass er mit denen der Geschäfte wegen gemeinsame Sache gemacht hätte. Und nach der Eröffnung vorhin und den Hinterlassenschaften, überhaupt nach den ganzen Umständen seines Todes und so, da kann ich mir einfach nicht vorstellen, dass Paul mit Vampiren zusammengearbeitet hat oder ihnen zumindest günstig gestimmt war oder so. Wie kommt also dieser Fenrick dazu … naja, ist offenbar sowieso egal, denn ändern können wir es sowieso nicht und Adriano lässt sich im Grunde auf einen Handel mit denen ein. Gefällt mir nicht, gefällt mir ganz und gar nicht. Aber er hat es entschieden, er hat die Entscheidungsgewalt und außerdem, auch wenn ich Null Bock habe, das auch nur ansatzweise zuzugeben, dann ist es zumindest nicht schlecht, wenn wir endlich an diese Häuter kommen.

Trotzdem hält die Wut mich ziemlich lange gefangen. Als wir fertig sind und gehen, gebe ich ziemlich Gas und bin mehr als froh, als ich wieder an der frischen Luft bin. Entweder merken die anderen das, es geht ihnen ähnlich oder beides, jedenfalls gehen wir schließlich noch gemeinsam joggen und schließlich jagen. Danach geht es mir wieder besser. Ein bisschen.

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