Hinterlasse einen Kommentar

1. Inplay-Zusammenfassung: „Kultour“ (Deadlands)

Eigentlich war ich mit dem Zug nach Wyatt Town gefahren, um noch ein paar fehlende Dinge zu besorgen, doch als ich die Stadt erreichte, fiel mir sogleich auf, dass es ganz schön voll war für einen ganz normalen Montag. Ich wunderte mich allerdings nur so lange, bis ich die Aushänge entdeckte: Rutherford Ellington Dillenger sucht nach passenden Leuten, um den Wilden Westen mit einem von ihm gebauten Museumszug zu bereits. Ziel des Ganzen: Unsitten und Kulturlücken zu schließen. Nee, ist klar.

Hat mich eigentlich nicht sonderlich interessiert, ich hatte mehr als genug anderes zu tun. Auch die kurze seltsame Rede dieses Dillengers von einem Außenpodium aus riss mich nun nicht gerade vom Hocker – mal abgesehen von dem angekündigten kostenlosen Essen im hiesigen Hotel, in dem man sich für diese Kulturnummer einschreiben konnte. Ich wollte mich lieber wieder um meine eigenen Angelegenheiten kümmern, als ich wiederholt das Gerede der Leute mitbekam, dass man unbedingt versuchen sollte, dabei zu sein, denn Dillenger zahlte offenbar gut. Sehr gut. Verdammt gut.

Ich war noch unschlüssig, als ich mitbekam, dass zwei junge Burschen gerade dabei waren, einen Indianer etwa in meinem Alter blöde von der Seite anzuquatschen. Irgendein Prediger stellte sich schützend vor ihn und begann wohl irgendeine Diskussion über den Kirchgang mit den Burschen, was diese für den ersten Moment ausreichend verwirrte. Ich hingegen eilte zu ihnen hin, griff den Indianer am Ellbogen und zog ihn mit den Worten, Dillenger habe schon nach ihm gefragt, von dem drohenden Ärger weg.

Eigentlich wollte ich ihn zum Hotel schleifen, nachdem er irgendwas davon erzählte, er sei hier, um bei Dillenger Krieger zu werden, wie ihm der Elchgeist verraten hatte – was zum Geier …!? -, als ein weiterer Mann auf den Plan trat. Er schien den Wanderprediger unterstützen zu wollen und sah selbst wie einer aus. Nun ja, fast, denn neben einem Priesterkragen und einem Kreuz trug er gleich mehrere Schießeisen bei sich. Das sah man nicht alle Tage. Und man hörte auch nicht alle Tage, dass jemand wie dieser groß gewachsene Mann mit den grau melierten Locken sich mit einem solch lauten Organ wie dem seinen in die Unterhaltung zwischen einem Prediger und zwei jungen Burschen einmischte. Ich vergaß den Indianer an meiner Seite und beobachtete das Schauspiel interessiert, derweil mein Blick immer wieder mal auf eine Frau fiel, ähnlich gekleidet wie ich, ähnlich amüsiert wie ich. Sie fiel mir wegen ihrer roten Locken auf und deshalb, weil sie die ganze Zeit hindurch einfach da stand, genau beobachtend, zwischendurch lachend, jedoch ohne jeden Hinweis, warum sie dort stand oder besser: warum sie nicht ging.

Da ich mir das versprochene Buffet ohnehin mal ansehen wollte, geleitete ich den Indianer, der sich als Tahatan von den Suni vorstellte, zum Hotel und schärfte ihm ein, in allgemeiner Gesellschaft besser vom Heiligen Geist zu sprechen als von Elchgeist oder sonstigen besonderen Geistern. Naja, und als ich schon mal im Hotel war, dachte ich mir, ich stelle mich einfach auch mal an und schreibe mich ein. Bei der nicht enden wollenden Schlange, durch die ich mich leider nicht weiter nach vorn mogeln konnte, würden sie wohl kaum mich mitnehmen, wenn es um Kultur ging. Andererseits … wenn ich mich so umsah …

Ich verbrachte die Wartezeit bis zum persönlichen Gespräch mit Dillenger im hiesigen Saloon bei einem Bier und ein paar Poker-Runden. Der Indianer begleitete mich bis dorthin, doch die Umgebung der rauchenden und Bier trinkenden Leute schien nicht sein Fall zu sein, und so ging er. Ich traf ihn jedoch in der nächsten Warteschlange vor dem Speisesaal, in dem Dillenger Einzelgespräche mit den Bewerbern führte, wieder – und ebenso die beiden Prediger von zuvor. Irgendwann war ich an der Reihe und begann irgendwas halbwegs zurecht Gelegtes zu erzählen, doch es reichte schon, die Alpaka zu erwähnen. Dillenger wollte unbedingt eines von ihnen für seinen Zug, und so bekam ich erst einmal einen Zimmerschlüssel und damit in die engere Auswahl. Na, da war ich gespannt, ob er nur das Alpaka oder auch mich mitnehmen würde …

Das Abendessen im Speisesaal war üppig und schmackhaft. Ich saß mit den beiden Predigern am Tisch und unterhielt mich ein wenig mit ihnen, bis ein am Tisch sitzender Erfinder das Interesse mit seinem Gerede über Geisterstein auf sich zog und ich schließlich den Indianer an der Seite der Rothaarigen wiederentdeckte. Beide setzten sich schließlich zu uns an den Tisch. Die Rothaarige, Caroline, gab an, Künstlerin zu sein und indianische Zeichen zu malen. Wer’s glaubt … Wäre dieser Tahatan nicht bei ihr gewesen, wäre ich ihr vielleicht auf den Leim gegangen, so jedoch hatte ich eher den Eindruck, der Indianer habe ihr gerade erst gezeigt, wie man ein Stück Kohle über ein Blatt Papier führt. Sah auch nicht so aus, als würde er widersprechen, wenn man ihn danach fragte.

Irgendwann neigte sich der Abend dem Ende zu, wir zogen uns auf unsere Zimmer zurück und ich überlegte, ob ich tatsächlich schon schlafen gehen oder noch etwas unternehmen sollte, als der auffallende Prediger – oder was auch immer er tatsächlich war – an meine Zimmertür klopfte und vorschlug, zusammen etwas zu trinken. Er hatte nicht nur den Whiskey bei sich, über den jedes Zimmer verfügte, sondern darüber hinaus noch eine weitere kleine Flasche. Na dann: Immer rein in die gute Stube!
Charismatischer Typ, umso mehr, desto leerer der Whiskey wurde, und als der letzte Rest den Weg durch unsere Kehlen gefunden hatte, fragte ich mich, wieso der überhaupt hergekommen war, um mit mir zu trinken. Wollte der vielleicht darauf hinaus, dass … mein Zimmer hatte ein Doppelbett, wie ich just in dem Moment feststellte. Eigentlich war der Kerl mir viel zu alt, andererseits begegnete ich nicht so oft Männern, mit denen man trinken und reden konnte, also war ich gar nicht so abgeneigt, neben dem Whiskey noch das Zimmer zu teilen. Doch da schien mehr Priester in ihm zu stecken, als ihm anzumerken war, denn schlussendlich verabschiedete er sich, ohne irgendwelche Anstalten zu machen, mir näher zu kommen.

Vermutlich wäre das ohnehin eine frustrierende Nacht geworden, denn nachdem ich in Ruhe allein zurück blieb, fiel mir auf, dass mindestens zwei oder drei Schlucke Whiskey zu viel für mich gewesen waren. Wie ein Stein fiel ich in meiner Straßenkleidung aufs Bett und blieb einfach liegen. Ich schlief allerdings unruhig, träumte von einer Schießerei und wurde schließlich wach, weil irgendwer neben mir offenbar meinte, Möbel rücken zu müssen. Frechheit. Ich klopfte entrüstet gegen die Wand, drückte mir das Kissen auf die Ohren, drehte mich um und schlief weiter, doch irgendwann realisierte ich, dass die Schüsse und der Kampfeslärm gar nicht Teil meiner Traumwelt waren, sondern zur wirklichen gehörte. Hölle, was war denn los!?

Ich eilte zur Tür und riss sie auf, sah einige Männer im Gang verteilt liegen, roch noch die eben gefallenen Schüsse, sah die Leute, mit denen ich am Abend zusammen am Tisch gesessen hatte. Dillenger lag niedergeschlagen auf dem Boden, der Sheriff und einer seiner Deputys standen ebenfalls im Gang, der Whiskey-Prediger – der sich zwischenzeitlich übrigens als Derrick Dawson vorgestellt hatte – hielt noch zwei Pistolen griffbereit und in den Händen des Indianers lagen zwei kleine Äxte, Tomahawks. Gerade wollte ich fragen, was passiert war, als einer der Ganoven auf Caroline deutete und Stein und Bein schwor, sie habe ihn und seine Kumpanen angestiftet, Dillenger zu überfallen.

Alle Blicke richteten sich auf die Rothaarige, die entsetzt auf den Ganoven starrte. Entsetzen, verraten worden zu sein? Entsetzen, unschuldig in die Scheiße geritten worden zu sein? Ich beäugte sie genau. Ich erkenne Bluffs, wenn ich sie sehe …

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

<span>%d</span> Bloggern gefällt das: