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Solo: „Gesprächsbedarf bei Rammstein“ (Werwolf, TS)

Es ist seltsam, neben Kat zu sitzen. Seltsam, weil sie mir zwar nah ist, körperlich nah und auch ihre Antworten, so kurz sie auch ausfallen, sind recht nah, wie ich dem Tonfall entnehme, und doch ist sie gerade irgendwie ziemlich weit weg. Seltsam, weil ich nicht weiß, wie viel sie weiß, ob Paul da irgendwas angesprochen hat oder etwas in dieser Richtung. Seltsam, weil wir hier mitten auf einer Party sind, streng genommen sogar auf einer, die es nur gibt, weil es uns gibt, und wir sitzen hier einfach nur rum und starren Löcher in den Boden. Seltsam, weil es gut ist, nicht allein zu sein, weil ich froh bin, nicht allein zu sein, weil ich eigentlich recht dankbar bin, dass Paul weg ist, und trotzdem fehlen mir hier die anderen. Das ist irgendwie wohl keine Nacht für Zweisamkeiten und auch keine für große Gesellschaften, sondern einfach unsere gemeinsame, und dazu gehören eben nicht nur Kat und ich, sondern auch Adriano, Sven, Taylor und ja, eben auch ein Paul. Das ist halt so und das haben wir ja auch so beschlossen im Grunde. Und weil das alles so seltsam ist und mir auch genau so vorkommt, halte ich es nicht lange aus, hier einfach rumzusitzen. Ich sage Kat Bescheid, dass ich gleich wieder da sei und gehe.

Ich weiß eigentlich gar nicht so genau, wo ich hingehen soll und was ich machen soll, also mache ich den ungezählten Gang Richtung Wildschwein und Bier und laufe dann ein bisschen verloren herum. Irgendwann entdecke ich Chara zwischen den ganzen Tanzenden, die anwesende Philodox meines Stammes, die mit ihren roten Klamotten und den rötlichen langen Haaren kaum zu übersehen ist. Ich bleibe in ihrer Nähe stehen in der Hoffnung, dass sie mich vielleicht irgendwann bemerkt und ich noch einige Worte mit ihr wechseln kann, doch da kann ich offenbar lange warten, denn sie scheint weit davon entfernt zu sein, mich irgendwie am Rand des Ganzen wahrzunehmen. Irgendwer anderes geht irgendwann einfach zu ihr hin und scheint ihr zu sagen, dass ich hier am Rand rumstehe, denn danach blickt Chara herüber und kommt dann auch zu mir.

„Du tanzt gar nicht?“, fragt sie und ich erwidere, dass das nicht gerade meine Musik sei. Sie grinst und meint, es gäbe aber heute nun mal keine andere, also tanze man eben zu Rammstein. Sie erkundigt sich, ob ich aus einem bestimmten Grund auf sie warte und ich erwidere, dass ich nur dachte, ich könnte vielleicht noch mal mit jemandem kurz reden, weil dazu noch nicht soviel Zeit da gewesen sei. Ich frage sie, wie der Abend so weitergeht, also ob wir jetzt wirklich ein Rudel wären und der praktisch offizielle Teil abgeschlossen sei, doch sie schüttelt den Kopf. Dieses Rudelritual folge erst noch, ebenso wie die Schwelgerei später, zu der sie mir nicht viel sagt, sondern nur meint, ich solle mich überraschen lassen. Da wird mir ja wohl auch nichts anderes übrig bleiben. Ist auch gerade nicht so wichtig, denn wichtiger ist die Info mit dem Rudelritual, was mich dazu bringt, Chara zu sagen, dass Paul sich bereits wieder auf den Weg nach Köln gemacht hat, weil er da zu tun habe.

„Was!?“, ruft Chara und lässt mich kurz darauf stehen. Zusammen mit einer anderen Frau verschwindet sie und kehrt nicht allzu lange später zurück. Sie hat den Silberfängen Bescheid gegeben und sie werden sich wohl darum kümmern, dass Paul zurück kommt, damit er Teil des Rudels werden kann. Puh, ich dachte schon, diese Rudelsache fiele wegen Paul noch ins Wasser.

„Wie ist das denn, wenn ich Fragen habe, wenn ich etwas nicht weiß, wenn ich einen Rat brauche? Wir wollen wieder nach Köln und dann … naja, muss ich jetzt jedes Mal nach Österreich, wenn ich da eine Frage habe? Ich meine, ich weiß ja, dass das mit den Mondbrücken jetzt alles nicht mehr so weit ist und so, aber es ist ja trotzdem nicht gerade um die Ecke“, frage ich.

„Du bist natürlich jederzeit bei uns willkommen, aber was meinst du mit den Fragen und dem Wissen?“, erkundigt sie sich.

Ich versuche zu erklären, dass das alles in letzter Zeit verdammt viel auf einmal war, dass ich mir echt richtig Mühe gebe, mir alles einzuprägen und zu merken und abrufbar zu haben und all sowas, aber dass ich trotzdem viele Dinge einfach nicht weiß oder noch nicht einschätzen kann. Irgendwas im Blut zu haben ist die eine Sache, alles richtig zu machen, ist halt noch mal eine ganz andere.

„Ich meine, zum Beispiel das mit den Regeln, die wir ja heute auch noch mal gehört und gesagt haben … was ist, wenn man sich da verhaut? Also wenn man da irgendwas macht, das man nicht darf? Was würde dann passieren? So ganz generell, meine ich.“

„Naja, einige von denen sind naturgegeben. Du merkst, wenn du gegen sie verstößt, weil es sich dann nicht richtig anfühlt. Andere sind von Garou gemachte Gesetze, wie die Gesetze der Menschen, die dazu dienen, das Dasein in Bahnen zu lenken“, antwortet Chara. Sie erklärt, dass es bei Verstößen immer zuerst am Rudel liegt, das zu regeln und zu bestrafen. Handelt das Rudel nicht, muss jemand anderes diese Aufgabe übernehmen. Und es gäbe ganz unterschiedliche Strafen, teils ganz weltliche, teils Rituale, die einen von einem Verstoß reinigen und all sowas.

Mich stimmt ihre Erklärung nachdenklich, also schwenke ich das Thema herum zu den Dingen, die uns zukünftig zu erwarten werden. Ich sage ihr, dass es mir so vorkommt, als trennten sich die meisten einfach von ihrem bisherigen Leben, aber dass das so einfach nun mal nicht ginge. Man sei irgendwie ja auch noch Mensch und müsse irgendwie leben und irgendwo von leben, und man könne sich nicht einfach einen Rucksack umschnallen und in den Wald gehen oder so etwas.

„Nun, das ist eigentlich genau das, was die meisten von uns tun“, antwortet Chara und ich ziehe verblüfft die Augenbrauen hoch. „Nur wenige bleiben im Stadtgebiet, meist nur die Glaswandler und die Knochenbeißer, alle anderen zieht es früher oder später weg von der Zivilisation.“

Sie erklärt, dass es gar nicht mal nur darum ginge, sich abzugrenzen, sondern dass es auch schlicht zu gefährlich sei, einfach so weiter zu machen wie bisher.
„Stell dir mal vor, du streitest dich zu Hause mit deiner Mutter wegen der Waschmaschine und rastest aus, verwandelst dich und … naja, sowas kann passieren.“

Mich mit meiner Mutter wegen etwas wie einer Waschmaschine zu streiten, ist ein nicht sehr abwegiges Beispiel, und automatisch denke ich an Kat und ihren Vater. Ich war bislang davon ausgegangen, dass das nur an ihrer ersten Verwandlung lag, dass ihr das passiert ist, aber wie es jetzt klingt, könnte mir das genauso passieren, jedem von uns. So ganz glauben kann ich das nicht, denn immerhin habe ich Paul bislang nicht zerfetzt, dann werde ich wohl kaum meine eigene Familie angreifen, aber ich bin mir nicht sicher genug, als dass mich Charas Beispiel nicht erschrecken würde.

Dass sie mir danach noch erklärt, dass Verbindungen der Garou am besten mit Blutsgeschwistern funktionieren, gibt mir erst mal den Rest. Sie meint ganz offenbar nicht nur irgendwelche Unterhaltungen, sondern sie meint auch Beziehungen und alles damit Zusammenhängende. Ich will mir aber niemanden suchen, und ich will mich schon auf gar keinen Fall auch noch vermehren, selbst dann nicht, wenn es nur noch zehn Garou auf der ganzen Welt gibt. Das können dann ja die anderen neun machen oder, was meine persönlichen Dinge betrifft, eben lieber noch die anderen acht, falls Kat eine von den neun übrigen ist.

Mir schwirrt der Kopf und ich lasse mich mit einem Seufzer, den man auf Grund der Lautstärke hier höchstens sehen, aber nicht hören kann, auf den Boden plumpsen. Diese Sache mit dem Verbot, was mit anderen Garou zu haben, macht mich echt fertig. Ich verstoße dagegen ja nicht wirklich, aber zum Henker, ich schleppe das jetzt länger als ein Jahr mit mir rum, also für mich alleine, und es ist auch ohne Werwölfe sein schon ziemlich ätzend, das so lange einfach auszuhalten. Ich hab so oft versucht, mir das abzugewöhnen, aber das geht nun mal nicht. Man kann sich Gefühle nicht abgewöhnen, man kann sie nur über einen begrenzten Zeitraum hinweg immer wieder ignorieren, man kann keinen Knopf drücken. Was soll ich denn dagegen machen, bitte sehr? Diese Frage stelle ich natürlich nicht. Einmal, weil ich mich dazu gar nicht irgendwie offenbaren will und dann, weil ich fürchte, dass Chara dazu eine Antwort für mich hätte. Und ganz ehrlich gesagt … ich will gar keine, und ich will das auch nicht irgendwie „regeln“.

Und dann in den Wald gehen … die haben echt Nerven. Ich mache mir Gedanken, wie ich das mit der bekloppten Pommesbude auf die Reihe kriege und rufe täglich meine Mutter an, um sie wegen eines kaputten Autos in Kenntnis zu setzen, das es nicht gibt, tröste meinen Bruder, der es überhaupt nicht gewöhnt ist, dass ich länger nicht da bin – und ich auch nicht -, und Chara erzählt mir was davon, das alles irgendwie zurück zu lassen. Als wenn das einfach so ginge. Und als wenn ich das überhaupt wollte. Ich will nach Köln, und Köln hat nicht viele Wälder. Ein Häuschen im Wald oder sowas, das wäre schon cool, kauft und erhält sich aber auch nicht von alleine, und man zahlt nun mal mit Geld und nicht mit Wildschwein, Reh oder Kaninchen oder sonst was.

Und was soll ich mit Michael machen? Soll ich meiner Mutter sagen, dass ich meinen Bruder einfach mal in den Wald verschleppe und tschüss? Nein, Chara ist im Gegenteil offenbar eher der Meinung, dass es nicht gut ist, ihnen dauerhaft zu nah zu sein oder ihnen zu viel zu erzählen, weil man Blutsgeschwister dadurch gefährdet, weil sie dadurch eher gefunden werden und vielleicht gefoltert werden oder Schlimmeres. Ich hab ja schon gesehen, wie sowas enden kann und mir dreht sich der Magen um, wenn ich mir vorstelle, dass mein Bruder … woa, nee. Aber mir dreht sich auch der Magen dabei um, wenn ich mir vorstelle, ihn irgendwie alleine zu lassen oder auch nur ein bisschen mehr allein zu lassen. Das ist jetzt in den letzten Tagen schon schwer genug, da kann ich nicht noch einen drauf setzen.

Chara setzt sich kurz neben mich und legt mir einen Arm um die Schultern.

„Alles in Ordnung? Du siehst plötzlich so bedrückt aus. Willst du irgendwas bereden?“, fragt sie, doch ich schüttle nur den Kopf und schweige einen Moment, bevor ich ihr erkläre, dass ich das alles nur erst mal wieder sacken lassen müsse. Chara wartet einen Moment ab, steht dann jedoch mit einem Nicken wieder auf und lässt mich allein dort sitzen.

Viel Zeit zum Grübeln habe ich nicht, denn plötzlich steht irgendein Typ vor mir mit ausgestreckter Hand, der mich offenbar wieder auf die Füße ziehen will. Meine Fresse, warum sind immer irgendwo irgendwelche Typen, die meinen, sie könnten einfach mal herkommen und irgendwas fordern, und wenn es nur sowas wie aufzustehen ist? Ich bin trotzdem irgendwie dankbar für die Ablenkung,  ergreife seine Hand und lasse mich hochziehen.

„Was ist denn mit dir los, sag mal?“, ruft er mir zu.

„Nicht meine Musik“, gebe ich etwas wortkarg zurück.

„Meine auch nicht. Aber andere läuft hier heute eben nicht. Morgen sitze ich auch wieder im Anzug von acht bis siebzehn Uhr irgendwo rum, aber heute wird gefeiert!“,  ruft er mir zu und tanzt einfach los. Was man so tanzen kann. Rammstein, echt mal … aber ich beuge mich der Masse, der Musik und der allgemeinen Stimmung und versuche auch sowas ähnliches wie tanzen. Die Idee von dem Typen war gar nicht die schlechteste, denn ob Rammstein oder nicht, die Musik und das Bewegen lenken ab, und es ist echt besser, mitten in der Menge zu sein als abseits von ihr. Etwas, das ich Kat unbedingt noch mal erklären oder zeigen muss bei Gelegenheit.

Das Beste an der Idee des Typen ist aber, mich zwar in die Menge zu ziehen, mich da dann aber schnell wieder mir selbst zu überlassen. So ein Verbot, dass Garou sich nicht aneinander ranmachen sollen, hat ganz offensichtlich auch Vorteile, denn blöde Anbaggereien bleiben einem so erspart. Naja, vielleicht nicht ganz, denn etwas entfernt sehe ich Sven mit einem Mädel im Gothic-Style tanzen und hab nicht den Eindruck, dass man sich so angucken sollte, wenn man auf so einer Veranstaltung ist wie dieser hier. Zumindest dann nicht, wenn man Teil des Ganzen ist. Ich beobachte nebenher die Umgebung, doch keiner scheint daran Anstoß zu nehmen, auch nicht, als die beiden irgendwann irgendwohin verschwinden.

Ich wundere mich, dass Sven einfach so mit jemandem in die Büsche verschwindet, aber ich wundere mich noch mehr darüber, dass hier echt jeder zu so einer Musik feiert. Und dann kommt mir auf einmal wieder dieses Waschmaschinenbeispiel von Chara in den Sinn. Entsetzt wird mir klar, dass es damit schwierig werden kann, die Wochenenden in der Disco zu verbringen. Himmel, wie oft ich mich da schon mit irgendwelchen Idioten und dummen Tussen in die Haare bekommen habe, und wenn ich da an meine erste Verwandlung denke … scheiße – keine Disco mehr!? Bevor sich der Gedanke in Panik wandelt, erinnere ich mich daran, dass ich Allen beim letzten Mal in der Disco gesehen habe, also ist es kein Komplett-No-Go oder so. Aber Allen hat sich irgendwie auch im Griff, glaub ich, jedenfalls wohl besser als ich. Also muss ich erst ein besserer Mensch werden, bevor ich ein sozialverträglicher Werwolf sein kann oder was? Woa, wo ich mich doch immer schon so leicht aufrege …

Prompt entdecke ich Allen etwas am Rand des gesamten Getümmels hier und gehe zu ihm rüber. Er steht dort wieder zusammen mit dieser Frau, mit der ich ihn zuvor schon mal sah – als ich beobachtete, dass sie sich in einen Gepard verwandelte und mit Allen zusammen verschwand.

Jemand legt mir die Hand auf die Schulter und als ich mich umdrehe, steht da ein großer kräftiger Typ, der aussieht, als wenn er gerade einem Film mit Omar Sharif entsprungen wäre oder zu oft Aladin geguckt habe oder so. Er nimmt meine Hand, begrüßt mich mit einem Handkuss, was ich mit einem Stirnrunzeln zur Kenntnis nehme, und stellt sich dann als Shadar Zwielichtkralle vor. Er und seine Gruppe hier sind sozusagen Spezialgäste, wie ich erfahre, denn eigentlich sind Leute wie er hier unerwünscht und es scheint sowas wie ein Krieg zwischen den Garou und denen zu herrschen oder etwas in der Art. Ich verstehe wieder mal nur Bahnhof, aber als er erklärt, dass er und zwei von den anderen Simba seien, eine Bagheera und diese Allen-Frau noch irgendwas anderes, kapiere ich so halbwegs. Löwen, Panther und Gepard also, soweit komme ich mit. Ich habe zwar keine Ahnung, wieso es da Krieg geben sollte, aber im Zweifelsfall kommen Hunde und Katzen ganz platt gesagt wahrscheinlich von Hause aus nicht sonderlich gut miteinander aus. Ist vermutlich auch relativ egal, denn die sind alle mal eben so von Afrika rüber gekommen zu Besuch, also eher unwahrscheinlich, dass ich mich mit Simbas und so auch noch auseinandersetzen muss. Zumindest in nächster Zeit bin ich froh, wenn ich überhaupt mal wieder in Köln bin, da denk ich ganz sicher nicht über Afrika nach.

Wir unterhalten uns kurz und dann zieht Allen mich beiseite, damit wir eben mal in Ruhe miteinander reden können. Zum Abschluss meint Shadar, vielleicht erinnere ich mich ja irgendwann mal an diesen Abend, wenn man sich noch mal begegne. Ja, davon kann er wohl mal ausgehen. Er meint das anders, aber dazu kann ich wenig sagen. Zu wenig Ahnung von allem, also nicke ich nur und verabschiede mich freundlich.

Allen meint, dass ihre Anwesenheit hier eine Ausnahme sei, die in erster Linie mit den Stillen Wanderern zu tun habe, also mit ihm, seinem Rudel und letztlich eben auch mit Adriano im Grunde. Ich meine, dass Allen oder die Wanderer oder wie auch immer offenbar generell sehr viele Freunde und Verbündete zu haben scheinen, denn sein Bezug zu den Furien scheint ja auch nicht so üblich zu sein, wie er mir mal erzählt hatte. Er berichtet, dass die Wanderer ihr Land trotz ihrer Verbündeten verloren hätten und es sich einfach nicht mehr leisten könnten, sich irgendwo Feinde zu machen, sondern im Gegenteil all ihre Verbündeten bräuchten, wenn sie je ihr Land zurück erobern wollten.  Das klingt alles ziemlich spannend, aber wenn ich da jetzt noch nach Details frage, platzt mein Kopf wahrscheinlich doch noch, deshalb nicke ich nur und lasse das so stehen, bevor ich ihn wegen dieses Klamottenrituals anspreche. Ich sage ihm, wie gern ich das lernen würde, und dass ich mich gefragt habe, ob er mir das vielleicht beibringen könne. Ja, das kann er und das mag er auch machen, allerdings erklärt er mir, dass das nicht ‚mal eben so‘ zu machen sei und wir das darum am besten nach der Rückkehr nach Köln machen würden.

Köln ist natürlich mein Stichwort und ich frage ihn, ob er in letzter Zeit dort war und ob es etwas Neues gibt. Eigentlich interessiert mich vor allem, ob er wie von Solarienne angenommen wirklich mal nach meiner Familie geguckt hat zwischendurch, doch zunächst bekommt diese Hoffnung einen Dämpfer, als er mir erzählt, dass er bei seiner Freundin in Österreich gewesen sei in der letzten Zeit. Stimmt, das hatte Solarienne ja auch erwähnt … wieso hab ich das vergessen? Kurz darauf erwähnt Allen aber, dennoch einmal zwischendurch kurz in Köln gewesen zu sein und von sich aus auch, dass er durchaus mal nach dem Rechten auch bei meinen Leuten geschaut habe, was mich sogleich beruhigt.

Irgendwie kommen wir auf das Thema laufen zu sprechen, als wir auch über unsere anstehende Rückkehr nach Köln reden, die auch Allens Rudel am Folgemorgen antreten will und Allen meint, die Wanderer trügen ja nicht umsonst ihren Namen und wären nun mal die Schnellsten. Das kann ich so nicht stehen lassen und werte das als Herausforderung, woraufhin wir ein Wettrennen machen, bei dem ich mich ordentlich anstrenge, um ihn möglichst abzuhängen. Fast wären wir letztlich nicht zugleich am Ziel – wir sind nur zwischen ein paar Buschgruppen einmal hin und zurück gelaufen – angekommen, denn auf dem letzten Stück verwirrt mich sowas wie ein Schatten, der quasi wortwörtlich in Windeseile zwei Male an uns vorbei huscht, bis an der Ziellinie als Erste diese Gepardenfrau steht und grinst. Sie stemmt die Hände in die Hüften und will irgendwas sagen, als Allen ihr ins noch nicht ausgesprochene Wort fällt und meint, mogeln sei unfair und gelte nicht. Die beiden fangen einmal mehr wieder damit an sich zu kabbeln und das ist für mich das Signal, die beiden mal wieder allein zu lassen und mich kurz zu verabschieden.

Ich laufe noch ein bisschen durch die Menge, bis mein Blick dann auf Kat fällt, die noch immer allein am selben Fleck sitzt, als habe sie sich kein Stück bewegt. Ich seufze, gehe zurück zu ihr und setze mich wieder neben sie.

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