Hinterlasse einen Kommentar

3. Inplay-Zusammenfassung: „Magadon-Zentralrechner“ (Werwolf, TS)

Von den Metalldingern taucht keines auf, und auch von diesen schrägen Leuten, die mit ihren Aktenköfferchen an uns vorbei eilen, riskiert keiner einen Blick. Anders sieht es mit der Frau im weißen Synthetikanzug mit blinkenden blauen Lichtern darauf aus, die auf uns zukommt und unverhohlen bemerkt, wie scheiße wir aussehen würden. Na, die hat Nerven – die hat ja auch nicht die Tour hinter uns, die wir gerade absolviert haben … wer ist das überhaupt?

Sie stellt sich als Denise „Schießt-dich-in-die Sterne“ vor und berichtet ohne weiteres, schon etwa drei Jahre hier zu sein. Drei Jahre!? Ich bin fassungslos und weiß nicht, was ich schlimmer finde: Dass jemand sich hier so lange aufhält, oder dass jemand sich hier so lange aufhält und es auch noch irgendwie toll findet, hier zu sein. Ich würde lieber an einen Galgen springen oder sowas, bevor ich mir das hier alles noch mal gebe. Man muss doch bescheuert sein, auch noch freiwillig hier rumzuturnen?

Irgendwer erwähnt was zu essen und das weckt meine Lebensgeister enorm. Ich hab solchen Hunger und Durst! Bevor es eins von beidem gibt, will Denise mit uns jedoch ernsthaft erst einmal shoppen gehen mit der Begründung, wir würden den Schlipsen oder sonst wem hier noch blöd auffallen, wenn wir in unserem zerschlissenen Aufzug bleiben. Na schön … aber bitte schnell!

Durch eine durchsichtige Glasröhre fahren wir auf einer Plattform zwei Etagen in die Höhe und Denise lotst uns zu so etwas wie einem Laden und erklärt, wie das Ganze funktioniert: Man geht in eine solche Kabine, sucht sich wie bei einem Computerspiel aus, was man haben möchte und … ist auch schon wieder fertig. Mir ist das alles zwar sehr suspekt, trotzdem verschwinde ich als erste in so einer Kabine. Umso schneller wir damit durch sind, desto schneller gibt es was zu trinken und zu essen, also los, denke ich … und drin denke ich mir wenige Minuten später, ich hätte vielleicht doch erst einmal ein paar Fragen mehr gestellt. Die Auswahl der Klamotten gestaltet sich ziemlich cool und ich suche mir einen ähnlichen Anzug aus, wie Denise ihn auch trägt, wenn auch mit pink- und lilafarbenen Streifen statt der blauen. Dann jedoch schießen Greifarme hervor, schälen mir meine jetzige Kleidung vom Körper, saugen sie einfach ein und reinigen mich mit irgendeiner ekligen Schaumlösung, bevor ich wie bestellt im gewünschten Anzug da stehe. Na, toll, soviel dann wohl zu meinen Lieblingsklamotten.

Wieder draußen warne ich die anderen, allen voran natürlich Kat, die selbstverständlich klüger ist als ich. Nicht nur, dass sie ihre Kleidung erst einmal auszieht und in Sicherheit legt, bevor sie eine neue Auswahl trifft, sondern die erkundigt sich auch erst einmal nach den Kosten für dieses … Umstyling, das wir hier machen. Verdammt, daran hab ich gar nicht gedacht in all dem Chaos hier!

Denise berichtet, während wir uns Pizzen bestellen und an einem Tisch Platz nehmen, der gleich vor dem Laden auftaucht und nach und nach gedeckt wird, dass es hier keine Währung gibt. Jeder nimmt sich einfach, was er gerne möchte. Außerdem kennt sie Konrad aus Berlin und wir sollen ihn grüßen, wenn wir ihn noch mal sehen und ausrichten, dass bei ihr da oben alles in Ordnung ist. Dass die beiden sich kennen, wäre so ziemlich die letzte Kombination gewesen, auf die ich gekommen wäre, aber gut, ich würde daran zu denken versuchen. Aber davon mal abgesehen: Nicht, dass ich in Wirtschaft je aufgepasst hätte, aber das kann doch nicht sein und nicht funktionieren? Tatsächlich bin ich ehrlich erschrocken, weil: Hey, klar möchte ich auch gern immer irgendwas haben und jeder wünscht sich wohl mal, dass er einfach wie Jeannie mit den Augen zwinkert und – zack – neue Klamotten, neuer Schmuck, neuer Flatscreen oder was auch sonst. Aber der Witz dabei ist doch, dass es eben nicht geht, oder? So hat man immer etwas, worauf man hinarbeiten kann, hat irgendwas, worauf man sich freuen kann, und die Dinge, die man letztlich bekommt, haben einen ganz anderen Wert. Ich zum Beispiel greife zu Nadel und Faden und sehe zu, was ich mit kleinen Macken an meinen Klamotten anstellen kann – andere, nämlich genau die, die es sich leisten können, schmeißen das Zeug dann einfach weg. Geiz ist zwar geil, Konsum aber geiler. Kauf dir mal ne Jeans für einen Zehner und in der Schule oder sonst wo lachen sie dich aus. Und dann organisier dir mal kleine Aufnäher von Boss, Diesel, Dolce & Gabbana, Galliano oder was du halt so besorgen kannst und näh dir diese paar Zentimeter Stoff direkt auf die Arschtasche deiner Billigjeans. Da fällt keinem Menschen auf, dass es dieselbe Jeans mit den Verarbeitungsfehlern ist, schlecht gekettelt oder sonst was, nö, die sehen nur das Schild auf deinem Arsch und plötzlich bist du cool – für nen Zehner. Und … klar passiert sowas nicht und ist auch nicht nötig, wenn sowieso jeder alles haben kann, was er will, aber wer hat dann überhaupt noch irgendwas von Wert? Wozu sich beschäftigen, wozu zeichnen, wozu Sport treiben, wenn doch sowieso nichts überhaupt einen Wert hat? Das ist doch die Kehrseite des Ganzen, oder nicht? Ich finde das schlimm, aber Denise versteht meine Kritik überhaupt nicht, die anderen sind noch mit Kauen beschäftigt und Paul meint nur irgendwas davon, dass ich ihn überrasche … warum hat der eigentlich immer diesen spöttischen Unterton in der Stimme?

Nachdem ich meine eigene Pizza verdrückt und jede Menge getrunken habe, bin ich bereit für neue Schandtaten. Vor allem Paul wohl auch, denn er fragt: „So, Miss Schieß-mich-tot, können wir dann vielleicht gehen?“ Sie kommentiert das nicht weiter, hat es vielleicht nicht richtig mitbekommen, auf jeden Fall nimmt sie uns mit zu ihrer Wohnung, die uns ein wenig seltsam mit einer Stimme begrüßt, aussieht wie geleckt und irgendwie sowas wie ein Eigenleben zu haben scheint. Gruselig. Vom Wert der Dinge sind wir zwischenzeitlich irgendwann bei einer Diskussion über die Simpsons gelandet, die Paul zu unserer Überraschung nicht kennt, und bevor wir die nächsten Stunden damit zubringen, über gelbe Männchen zu diskutieren, verdunkelt sich das Wohnzimmer und ein Projektor präsentiert ein 3D-Intro der Trickserie, damit Paul – und dem Gesicht nach wohl auch Adriano, da bin ich mir nicht ganz so sicher – sich einen Eindruck von der Serie verschaffen kann.

Irgendwann dann haben wir alle möglichen Themen ausreichend erschöpft und kommen wieder zum Wesentlichen: Wir müssen zum Magadon-Rechner. Mir ist nicht ganz wohl dabei, das von Denises Wohnung aus zu machen, doch sie stellt keine größeren Fragen und scheint recht unbesorgt zu sein, obwohl klar ist, dass wir irgendwas „Komisches“ vor haben. Na schön.
Sven bringt uns von Denises Rechner aus mit seiner Freakbox woanders hin. Es ist dort einfach nur dunkel, es ist, als schweben wir im Nichts, und überall verlaufen Bahnen mit blauen und grünen Punkten, so als nehme man ein Video von einer Autobahn von einem Hubschrauber aus auf oder sowas. Die anderen hatten recht schnell den Dreh raus, wie man sich hier bewegt, ich war mal wieder die letzte und ohne Kat würde ich wohl immer noch wie doof an Ort und Stelle schweben und wäre zwischenzeitlich irgendwann, vorherige Pizza hin oder her, längst verhungert.

Sven lotst uns durch dieses Gewusel, bei dem ich mir vorkomme, als schwebte ich gerade im bis zur Exstase gemoddeten Rechner meines Bruders, bis wir an so einem … Ding ankommen, das wie von Öl übergossen aussieht und Sven meint, das sei der Magadon-Rechner, zu dem wir wollen. Was immer er sagt … und kurz darauf stehen wir im Flur einer … Getränkefabrik?
Nicht so ganz sicher, wonach wir jetzt genau suchen sollen, beginnen wir beim Stockwerk an Ort und Stelle, uns den Laden hier mal genauer anzusehen. Ein Typ, der so aussieht, als wenn er ein bisschen oft Filme wie „Men in Black“ oder „Matrix“ geguckt hätte, öffnet uns die Tür und begrüßt uns namentlich, als er uns einlässt. Wieso weiß der, wie wir heißen? Liest der irgendwie diese Karten, die Itidal für uns gemacht hat? Und heißt das, dass jetzt jeder weiß, dass wir hier rumlaufen oder wie? Das wäre ja super, da hätten wir diesen ganzen Cyberkram auch gleich links liegen lassen können, wären mit Perso, Reisepass und Impfausweis zu dieser Firma gegangen und hätten einfach gesagt:

„Hallo, wir sind übrigens die neuen Garou und haben gehört, Sie bauen nur Scheiße und machen irgendwas Fieses mit Blutsgeschwistern. Nun seien Sie mal nicht so und rücken Sie schon raus – hier, Daten und Impfausweis haben wir dabei und wenn Sie wollen, schreiben wir Ihnen noch flott einen tabellarischen Lebenslauf und hängen ne Kopie vom Abschlusszeugnis dran – außer Kat, die hat nämlich keins, die macht noch Abitur. Deal?“

Naja, für so eine Erkenntnis ist es jetzt sowieso zu spät, also können wir genauso gut die Stockwerke hier durchkämmen und Flaschen gucken. Alles ist etikettiert mit Magadon-Aufklebern, aber natürlich steht nirgendwo etwas drauf und es gibt auch kein Hinweisschild, auf dem steht: „Achtung, zur Genanalyse im Projekt Blutsgeschwister bitte rechts entlang!“ Ein wenig hilflos gucke ich mir alles an, was wir so an Flaschen, Förderbändern und sonstigem zu sehen kriegen und warte eigentlich nur darauf, dass vielleicht doch irgendwas auf einem Silbertablett erscheint oder irgendwer von den anderen so etwas wie eine schlaue Eingebung hat oder so.

Irgendwann dann folgen wir Sven in einen Raum, an dessen Wänden Regale voller Flaschen stehen – was auch sonst -, doch hier gibt es im Vergleich zu den anderen Etagen gar nicht so viele Förderbänder und so etwas, sondern vor allem irgendwas in der Mitte und zwar … folge ich stattdessen Svens Blick und sehe wie die anderen auf die Großleinwand an der einen Wand, die Menschen zeigt. Okay, das ist neu, das gab es jetzt auf den anderen Etagen nicht. Wir starren auf die Bilder, als einige von ihnen hervorgehoben werden. Ich sehe Michael und Tante Helga, nebenbei bemerke ich auch ein Bild von Kats Mutter. Heißt das …? Ich komme nicht dazu, lange darüber nachzudenken, denn mein Blick fällt auf eine Frau in einem Bett und überall ist es rot. Blut. Die Frau ist tot. Das ist widerlich – und fast zu spät sehe ich Sven, dessen Gesicht jede Farbe verliert und dessen Augen sich mit Tränen füllen, bevor er sich in eine reißende Bestie verwandelt. Mehr aus Selbstschutz mache ich es ihm nach, doch nachdem ich mich verwandelt habe, ist denken nicht mehr so mein Ding. Geblieben ist nur der Zorn, und wie Sven stürze ich mich auf die nächstbesten Wandregale und räume sie aus, werfe die Flaschen darin mit Wucht zu Boden, damit sie zerschellen. Nachdem ich mit dem Regal fertig bin, stürme ich zur gegenüber liegenden Wand und sehe Kat mitten im Raum stehen, ratlos, tatenlos. Nur mit Mühe kann ich verhindern, auf sie loszugehen statt auf das gegenüber liegende Regal. Ich knurre sie an und zwinge mich dann, meinen Weg fortzusetzen. Als ich mit dem nächsten Regal fast durch bin, verfliegt mein Zorn und ich bin einfach wieder die Charly, die ich zuvor auch war. Ich drehe mich um und sehe Kat noch immer am selben Fleck stehen. Ich stampfe auf sie zu und brülle sie an:

„Was zur Hölle ist nicht in Ordnung mit dir, sag mal? Hast du irgendwas gegen meine Familie?“

Sie schüttelt nur den Kopf und stammelt irgendwas Entschuldigendes, doch ich höre ihr gar nicht zu, bin viel zu wütend. Schon im Zimmer meiner Brüder war sie mehr auf Seiten dieses … Viechs im Schrank als auf der meines kleinen Bruders, und jetzt steht sie hier, sieht lebende und tote Menschen auf diesen Monitoren und mit all ihrer überragenden Intelligenz und ihrer Kombinationsgabe zieht sie daraus den Schluss, nichts zu tun!?

„Das da ist mein Bruder, Kat. Mein Bruder! Was du von deinen Eltern hälst, weiß ich ja mittlerweile, aber das gilt nicht für mich!“, schreie ich sie an, aber ich komme nicht dazu, weiter mit ihr zu diskutieren beziehungsweise sie anzubrüllen, denn wie aus dem Nichts tauchen fünf Figuren im Raum auf, schwarze Figuren mit roten Streifen, die Helme tragen und mit Schlagstöcken und Frisbees bewaffnet sind.

Ich warne Kat und bewege mich rückwärts zu den anderen. Paul konzentriert sich geistesgegenwärtig auf Sven und versucht, ihn zur Vernunft zu bringen. Sven hat diese beschissene Freakbox und ist der einzige, der uns hier raus bringen kann, doch Paul hat einige Schwierigkeiten, ihn zur Räson zu bringen und droht von Sven angegriffen zu werden. Ich springe Sven in den Rücken, mache es damit eher schlimmer als besser und dann … greifen diese Wächter mit ihren Frisbees an. Ich sehe Adriano, der in die Luft springt, einen Frisbee fängt und zu dem Wächter zurückwirft. Es funktioniert – der Frisbee landet in dessen Bauchraum und ohne Zweifel ist das dumme Ding verletzt. Und dann … sehe ich einen Frisbee sowohl auf mich als auch auf Kat zufliegen, und da die Dinger nicht wie die Plastikscheiben, mit denen man im Stadtpark rumspringt, fliegen, sondern durchaus sowas wie eine Korrekturoption zu haben scheinen, muss ich mich entscheiden.

Ich entscheide mich natürlich für Kat, springe schützend vor sie, während ich sie zugleich zu Boden werfe und springe dann in die Luft, um den auf sie zielenden Diskus aus der Luft zu pflücken. Es gelingt mir auch, ihn zu erwischen, doch gleich, nachdem ich ihn zurückgeworfen habe, spüre ich den Schmerz, als der zweite Frisbee sein Ziel erreicht: mich. Der sengende Schmerz im Oberschenkel lässt mich einknicken, aber da sehe ich schon die nächste Salve Frisbees auf uns zukommen, beiße die Zähne zusammen und versuche erneut, einen von ihnen zu erwischen und zurück zu schleudern. Adriano und ich haben dasselbe Ziel und sind recht erfolgreich. Als dieser Wächter uns schließlich erreicht, ist er bereits schwer verletzt.

Paul ist es endlich gelungen, Sven unter Kontrolle zu bringen und der versucht nun, uns mit Hilfe der Freakbox hier raus zu bringen, doch es dauert noch, bis es soweit ist. Scheiße. Paul springt zu uns und greift in den Kampf ein, doch noch bevor einer von uns einen Angriff starten kann, erwischt mich der Schlagstock des Mistdings am linken Arm und der Seite, schneidet in mich rein, als wäre ich ein weiches Stück Butter. Da schiebt sich Kat plötzlich an mir vorbei, um anzugreifen. Trotz meiner Schmerzen packt mich das Entsetzen. Nicht, Kat, so hab ich das nicht gemeint! Sprechen ist gerade nicht so mein Ding, und so kann ich nur mit Schmerz verzerrtem Gesicht beobachten, wie sie ein Stück aus dem Anzug des Angreifers beißt, bevor es mir mit letzter Kraft gelingt, sie wieder ein Stück zurück zu schieben. Körperliche Auseinandersetzungen waren noch Kats Ding, und wie man an dem Duell gegen den Fenris gesehen hat, hat auch ihre Verwandlung daran nichts geändert. Wenn hier also jemand drauf geht, bin ich das – viel fehlt ohnehin nicht mehr.

Sven brüllt etwas davon, dass es jetzt soweit sei, und noch bevor ich die Worte im Kopf umgesetzt habe, werden wir von Lichtkugeln umschlossen und irgendwo hin katapultiert. Das letzte, das ich sehe ist Denise, die vor mir steht. Ihre Wohnung also, aha. Und dann verliere ich das Bewusstsein.

Als ich wieder zu mir komme, fühle ich mich, als hätte mich ein LKW überfahren. Kaum beginne ich mich zu rühren, höre ich Kats Stimme, die „Charly!“ brüllt und mich stürmisch in die Arme schließt. Leicht panisch komme ich noch zu einem „Vorsicht … pass auf!“, dann tausche ich gegen ein „Aua, aua, aua!“, bevor Kat realisiert, dass ich zwar wach, aber noch immer mehr als nur lädiert bin und ihre Freude ein wenig zügelt. Wie dumm von mir. Hätte mir doch einfach auf die Zunge beißen können. Schade.
Ich erinnere mich plötzlich wieder daran, sie zu angeschrien zu haben und an die Folgen, die das nach sich zog.

 „Kat, es tut mir so leid, echt so leid, so leid! Ich hab das nicht so gemeint!“

Sie ist nicht böse auf mich, lächelt mich nur an. Und in dem Lächeln liegt auch ihr Wissen, dass ich in dem Moment sehr wohl genau gemeint hatte, was ich sagte.

„Mach das nie wieder, Kat. Ich wollte nicht, dass du dich so in Gefahr bringst, ehrlich nicht. Das war so dumm von mir.“

Sie lächelt noch immer, schüttelt nur den Kopf und drückt mich erneut an sich. Diesmal bin ich schlauer und beiße mir nach dem ersten Kiekse tatsächlich sofort auf die Zunge.

„Ach, Charly …“, sagt sie nur und damit gibt es für den Moment nichts mehr zu reden. Wenn der Weg, so von ihr angesehen und umarmt zu werden, der ist, den wir gerade hinter uns gebracht haben, werde ich wohl nicht allzu alt werden und kann das mit der Altersvorsorge knicken, fürchte ich.

Nach und nach sehe ich mich in der Wohnung um, die aussieht, wie ein Schlachtfeld. Ich erfahre von den anderen, dass die übrigen Wächter uns gefolgt sind bis zu Denise – verdammt! -, und dass sie zwar besiegt werden konnten, von der Wohnung aber eben nicht viel übrig geblieben ist. Nachdem ich mich wieder einigermaßen in Ordnung fühle, will ich wie Adriano gleich loslegen, die Wohnung zumindest ein bisschen wieder in Ordnung zu bringen, aber Denise lacht uns nur aus und meint, wir hätten das irgendwie immer noch nicht begriffen. Nö, wohl nicht. Was denn?

Denise kennt eine Abkürzung, die uns praktisch auf direktem Weg wieder zurück in die gescheite Welt bringt. Sie formuliert es natürlich anders, aber für mich ist das der Sinn ihrer Worte. Paul ist für diesen Vorschlag sehr zu haben und auch ich wünsche mir wenig mehr, als nur möglichst schnell von hier weg zu kommen. Aber unten, viele Kletterstunden von hier entfernt, leben ein paar Cyberwölfe, die uns den Arsch gerettet haben, als wir planlos durch Staub und Metall geirrt sind. Ohne sie wären wir gar nicht bis hierher gekommen. Und die würden doch so gerne mal wieder was anderes essen als Itidals Pfannkuchen, haben sie gesagt …

Paul ist der Ansicht, dass uns das gänzlich egal sein kann, schließlich seien wir keinen Vertrag oder so etwas mit denen eingegangen, während Sven eher dafür ist, wieder den Weg nach unten anzutreten, um auch seine Freakbox wieder abzugeben. Adriano erkundigt sich, ob wir denen da unten etwas versprochen hätten und an dem Punkt muss ich Paul zustimmen: Nein, wir haben gar nichts versprochen und können einfach eine Abkürzung nehmen, wenn wir wollen. Aber ich will nicht. Jetzt eine Abkürzung zu nehmen, selbst nach dem ganzen Scheiß, den wir gerade erlebt haben, ist einfach eine arschige Aktion und da werde ich nicht mitmachen. Und wenn ich mich alleine auf die Socken machen muss: Ich werde einkaufen und denen da unten was Ordentliches zu futtern holen.

Die Diskussion nimmt etwas hitzige Formen an, doch nach dem vorangegangenen Kampf sind ausgerechnet die gegensätzlichsten Pole des Ganzen – Paul und ich – am meisten in Mitleidenschaft gezogen, was ihren Zustand angeht, und so beschließen wir, die Diskussion auf später zu vertagen und uns erst einmal auszuruhen, während Denises Wohnung sich, nun ja, selbst aufräumt.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: