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Inplay-Resümee zum 5. Spielabend, Teil III (Dämonen, TS)

Ein neuer Morgen … und ich fühle mich nicht nur ausgeruht, sondern auch viel sortierter als noch am Abend zuvor. Sooo interessant ist dieser Lars nun auch wieder nicht, und auch wenn ich es nach wie vor richtig finde, zu Hause übernachtet zu haben statt bei Jonathan, tut es mir ein bisschen leid, mich nicht mehr um ihn gekümmert zu haben. Das würde ich nachholen. Ja, ich würde diesen Lars einfach abschütteln wie eine Fliege und mich stattdessen auf den konzentrieren, für den ich mich so eindeutig entschieden hatte. Entscheidungen waren noch nie so wirklich mein Ding gewesen und jetzt, wo ich eine getroffen hatte, war sie offenbar eine gute Entscheidung, an der ich jetzt auch festhalten sollte … festhalten würde. Genau.

Ein erneutes Treffen in Aarons Lagerhaus steht an und dort eingetroffen, kann ich Jonathan nirgends entdecken. Dieses Mal versuche ich, meine Sinne ein wenig offener zu halten als am Vortag. Jonathan hatte mir erzählt, dass er verschiedene Male versucht hatte, mich zu rufen, ich aber zunächst nicht reagiert hätte. Wie auch, so abgelenkt wie ich gewesen war … aber wenn er es heute versuchen würde, würde mir dasselbe nicht noch mal passieren, nehme ich mir vor.

Die anderen schmieden Pläne, konkretisieren ihren Auftrag und wie sie ihn auszuführen gedenken, welche Schritte sie als nächstes gehen wollen … nur Aaron und ich stehen außen vor. Nur der, der in erster Linie die Welt vernichten will und die, die sie noch immer zu retten gedenkt – und zwar mit oder ohne den Morgenstern, ganz egal.

Überrascht bekomme ich auf einmal mit, dass Lars wutentbrannt den Container, in dem wir hier alle stehen und den wir so großzügig als Lagerhaus bezeichnen, verlässt. Ein Blick in die Gesichter der anderen zeigt mir, dass sie auch nicht viel mehr verstehen als ich, und ich selbst habe nur mitbekommen, dass Lars sich sehr darüber ärgerte, dass die anderen vom Altern der Menschen und somit auch unserer menschlichen Wirte sprachen. Wie automatisiert wende ich mich zur Tür um und folge Lars. Warum mache ich das denn jetzt schon wieder?

„Warte! Nu warte doch!“, rufe ich und beeile mich, ihn einzuholen.

Er bleibt tatsächlich stehen und ich sehe keine Wut in seinem Gesicht, sondern nur Schmerz. Reichlich davon. Schmerz und ein Hauch von Verzweiflung. Ich beginne zu verstehen …

„Wir sind Schuld! Wir tragen an all dem die Schuld!“, ruft er aus.

Ich nicke nur, berühre ihn vorsichtig an den Schultern und sage leise:

„Aber wir sind jetzt hier. Wir sind jetzt hier, um das alles wieder in Ordnung zu bringen. Das werden wir doch tun, nicht? Wir bringen alles wieder in Ordnung“, rede ich auf ihn ein – und ich meine es ernst. Das merkt auch Lars offenbar, denn ein bisschen von der Anspannung fällt von ihm ab. Ein wenig noch rede ich beruhigend auf ihn ein, dann bitte ich ihn, sich hinzuhocken und die Hände zu einer größeren Schale zu formen.

Ich lege meine Hände auf seine, konzentriere mich – ein wenig mehr als sonst, denn immerhin ist es auch eine Art konzentrierter Form, die ich hier anstrebe, um in diese Hände zu passen – und werde zu Wasser. Ich liege in seinen Händen und fahre an seinen Handinnenflächen und seinen Fingern vorbei, mogle mich zu seinen Handgelenken vor und umspüle seine Handrücken, um mir mehr Raum zu verschaffen, aber auch um das, was er am letzten Abend offenbar so bewundert hatte, für ihn spürbar zu machen, erfahrbar zu machen.

Wasser reinigt. Das tut es immer. Und so sieht auch Lars‘ deutlich friedlicher und viel mehr wieder bei sich selbst und in seiner eigentlichen Mitte aus, als ich nach den wenigen Sekunden, die das Schauspiel dauert, mir aber – und hoffentlich auch ihm – wie eine viel längere Zeit vorkommt, aus. Schweigend ziehe ich meine zu Boden gefallenen Klamotten wieder an und wende mich ihm dann wieder zu. Jetzt geht es mir nicht darum zu sehen, nicht einmal mehr darum, gesehen zu werden. Manchmal merke selbst ich, wenn andere Dinge wichtiger sind, und wieder einmal denke ich – Morgenstern hin, Morgenstern her -, dass Lars und ich einiges gemeinsam haben. Es ist eigentlich völlig blödsinnig, das so festzuhalten, denn unsere beiden Körper könnten wenig unterschiedlicher sein, sind unterschiedlich groß, schwer, alt … und wie ich nach der letzten Nacht weiß, beschränken sich unsere Unterschiede nicht allein auf unsere Wirte. Er hat Flügel und weiß sie selbst mit einem mehr als kräftigen und großen Engel im Schlepptau verdammt gut zu nutzen. Ich habe nicht mal Flügel. Er ist die Höhe, ich bin die Tiefe.

Aber wir hatten einmal dieselbe Vision und ungeachtet seines „Auftrags“, wie er ihn pflichtbewusst nennt, glaube ich, dass genau diese Vision uns irgendwie noch immer verbindet. Aaron und mich verbindet mit Sicherheit nicht dieselbe Vision, Jonathan und mich verbinden sehr viel weltlichere, menschlichere Dinge als Aufträge und Visionen. Ob mich etwas mit Markus verbindet oder gar mit Alexander oder David kann ich nicht einmal einschätzen, was nicht gerade für verbindende Elemente spricht. Aber hier, in diesem komischen Professor, der so unprofessorenhaft aussieht, sich gibt und genau genommen ja nicht mal mehr einer ist, in dem steckt irgendwie ein Teil von mir, und obwohl ich ihn kaum kenne, weiß ich, dass umgekehrt auch irgendwas von ihm in mir selbst steckt.

Als ich das so denke, bin ich nicht mal amüsiert, obwohl mir die Möglichkeit bewusst ist, das Ganze zweideutig zu sehen. Aber das ist es einfach gerade nicht. Es könnte im Gegenteil nicht eindeutiger sein. Es könnte nicht weiter weg sein von all dem Sexuellen, dem ich auf der Erde hinterher jage wie eine Süchtige, um all diese wunderbaren Möglichkeiten in mich aufzusaugen. Und es könnte nicht näher dran sein, aber auf eine Art, die es nicht mehr gibt, die es aber einmal gab. In einer Zeit, in der ich mir bei aller Phantasie nicht hätte träumen lassen, dass es einmal eine andere geben würde. Das hier ist verloren, und doch nehme ich die Spuren davon noch wahr, konnte sie gerade eben spüren. Als strecke man die Hände aus und fühle an den Fingerspitzen, dass man sein Ziel erreicht hat, nur um Sekunden später zu erkennen, dass es sich schon wieder entfernt hat.

Wir gehen zurück zu den anderen und besprechen die nächsten Schritte. Lars und ich fahren zu Alexander ins Krankenhaus um zu sehen, wie es ihm da so geht und eventuell herauszufinden, ob er Informationen für uns hat, die uns anderen schon einmal weiterhelfen. Jeder bekommt eine Aufgabe. Während der Besprechungen hallen noch immer die Minuten mit Lars vor dem Lagerhaus wieder, doch als wir uns dann auf den Weg machen und er mir freundlich wie bislang die Tür aufhält, denke ich mir: Eigentlich ist das doch gar kein Hindernis, wenn einen was ganz anderes, was früheres, was altes, was gänzlich unsexuelles miteinander verbindet – das könnte man ja ausgleichen, indem man vielleicht doch einfach mal ausprobiert, ob …

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