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Inplay-Resümee zum 5. Spielabend, Teil II (Dämonen, TS)

Ich bin ratlos, weiß einfach nicht, was wir jetzt noch tun könnten und bin kurz davor zu gehen und Esrael seinem Schicksal zu überlassen – wenn dies nicht zugleich bedeuten würde, mehr Staub aufzuwirbeln, als diese Stadt derzeit vertragen könnte.

Wie aus dem Nichts taucht plötzlich ein seltsamer Mann bei uns auf, der zu wissen scheint, wer wir sind und was geschehen ist. Er redet seltsames Zeug und ich kann einfach nicht greifen, wer oder was er ist oder auch nur, was er von uns will. Helfen will er, angeblich ohne Lohn. Doch wer tut schon etwas ohne Gegenleistung? Uns bleibt ohnehin keine Wahl, und so werden wir schweigend Zeugen, wie er irgendwas an Esrael verändert – und schließlich wird Esrael wieder zu Alexander. Gerade noch rechtzeitig.

Wir müssen weg, also können wir genauso gut der Einladung dieses merkwürdigen Mannes folgen, der sich uns als Charly vorstellt und offenbar etwas aus Esrael übernommen hat. Er meint, die Klinge sei vergiftet gewesen, und er selbst sieht nach dem, was auch immer er da getan hat, sehr angestrengt aus. Nicht nur das: Er wirkt verletzt, er blutet. Doch er sagt kein Wort, bittet nicht um Hilfe und scheint nicht bereit, Erklärungen abzugeben. Nicht hier und jetzt, wie er sagt – also folgen wir ihm nach Hause.

Dort angekommen verkrümelt sich Charly längere Zeit im Bad, Xanatos sieht sich skeptisch um und scheint noch immer in Alarmbereitschaft, während Eriksson und ich uns an einem Whiskey laben und ich die Situation am Lagerhaus fast schon wieder vergessen habe. Ich konzentriere mich lieber auf andere Dinge. Nach ein wenig Smalltalk schaffe ich es, dass aus Mr. Xanatos ein David, aus Professor Eriksson ein Lars und aus mir eine Emma geworden ist. Geht doch!

Ich ignoriere David weitgehend und konzentriere mich lieber auf diesen Lars, so lange ich das Interesse in ihm noch wahrnehmen kann. Er ist nicht dumm. Man sollte meinen, ein Professor sei dies ohnehin nicht, doch ich habe da schon andere Exemplare gesehen. Lars aber scheint durchaus mitzubekommen, was ich hier mache, warum ich ihn in ein Gespräch zu verwickeln versuche und lässt seinerseits wie nebenbei fallen, dass zu Hause seine Freundin auf ihn warte. Das ist nicht weniger eindeutig als das, was ich umgekehrt hier versuche. Es heißt soviel wie: ‚Ich bin vergeben, lass mich in Ruhe.‘ Natürlich bin ich aber weit entfernt davon, auf diesen Hinweis zu hören. Eigentlich macht er die ganze Angelegenheit doch nur interessanter. Und was soll das eigentlich heißen, dieses ‚Ich bin vergeben‘? Warum bezieht sich dieses Einschränken auch auf uns? Aaron hatte auch schon solchen Unfug von sich gegeben mit seiner Frau. Niemand soll sterben, ich will niemandem etwas wegnehmen. Ich will doch nur … ja, was eigentlich? Haben will ich ihn. Nur ein bisschen, nur Minuten, Stunden, vielleicht auch eine Nacht, wenn es sich lohnt.  Danach kann seine Freundin ihn wiederhaben, ist mir ganz gleich. Vielleicht leihe ich ihn zwischendurch mal aus, vielleicht auch nicht. Vielleicht will er danach gar nicht mehr ausgeliehen werden, auch das wäre in Ordnung. Aber ganz ehrlich: Ich bezweifle, dass das der Lauf der Dinge wäre.

Charlys Erklärungen folge ich nur mit halbem Ohr und bekomme daher nur mit, dass er Esraels Verletzungen irgendwie auf sich selbst genommen habe. Wer oder was er ist, wird mir auch jetzt nicht klarer, denn bei mir bleibt nur etwas davon hängen, dass seine Mutter bei seiner Geburt gestorben ist. Das tut mir leid. Allerdings, so wie Charly aussieht, scheint der Tag seiner Geburt schon länger zurück zu liegen, also was sollte ich dazu noch sagen?

Wir verabschieden uns, kurz nachdem David bereits das Weite suchte, weil ihm Charlys Worte zu uneindeutig waren. Witzig, dass er als erster ging und nicht ich. Liegt daran, dass ich mich nicht langweile, weil ich vollauf mit Lars beschäftigt bin – aber Charly stört dabei, also verabschieden auch wir uns bald nach David und finden uns auf der Straße wieder. Und auch hier habe ich noch und endlich Lars‘ volle Aufmerksamkeit.

„Emma, das mit dem Wasser … das muss sich unglaublich gut anfühlen“, sagt er plötzlich mit einem Blick, der zugleich anerkennend und sehnsüchtig wirkt.

Ich lächle.

„Selbst Wasser zu sein, meinst du? Oder als Wasser in einem anderen Körper zu sein?“

Er wirkt etwas verlegen, als er antwortet:

„Das erste. Beim zweiten würde ich ein um als im bevorzugen.“

Ich kichere innerlich. Natürlich muss er das mit diesem seinem Professorenhintergrund ganz genau nehmen. Aber er hat meine Andeutung verstanden, sonst wäre er jetzt nicht verlegen. Und wenn er verlegen ist, dann fühlt er sich auch angesprochen. Ich setze nach:

 „Wirklich? Aber es ist noch viel unbeschreiblicher, in einem anderen Körper zu sein. Ich hätte schon gedacht, dass dir das Gefühl bekannt ist …? Aber … ja, es fühlt sich toll an.“ Ich grinse breit. „Beides, meine ich.“

Wir holen David ein, der langsam die Straße entlang schlendert, um uns die Möglichkeit zu geben, zu ihm aufzuschließen. Er lenkt Lars ab, denn er antwortet nicht, sondern wirkt plötzlich abwesend und spricht mich erst Minuten später wieder an. Minuten, in denen ich geschwiegen habe, weil ich tatsächlich einmal nicht wusste, was ich sagen sollte. Ich bin es nicht gewohnt, dass man mich links linken lässt. Das hat bislang nur einer gewagt …

„Entschuldigung, mir kam da nur gerade was in den Sinn. Und du weißt schon: Die Hierarchie und den Auftrag darf man nicht aus den Augen lassen. Wo waren wir stehen geblieben?“

Wovon spricht er da? Ich sehe ihn etwas irritiert an.

 „Auftrag? Welcher Auftrag?“

Ich weiß nicht, ob er mir antwortet, denn ich spüre plötzlich ein drängendes Ziehen in meinem Kopf. Briggs … auf einer Liege … in einem … Krankenwagen!

„Vassago! Was ist passiert?“

„Hatte einen Unfall. Nichts Schlimmes. Es geht mir gut.“

Ach!? Warum rufst du mich, wenn alles in Ordnung ist?

„Wo bist du? Ich komme zu dir.“

„Nein, nein, schon in Ordnung. Aber wo können wir uns treffen?“

„Uni“, gebe ich knapp zurück und unterbreche die Verbindung.

„Briggs hatte einen Unfall. Er ist unterwegs zur Uni und trifft uns dort. Ich weiß nicht, wie lange er braucht, um da zu sein.“

David erkundigt sich, was geschehen sei, doch ich zucke nur mit den Schultern und gebe knapp wieder, was ich gesehen habe. Mehr weiß ich ja auch nicht.

David ruft ein Taxi, während ich die Gelegenheit nutze, mich bei Lars für meine Unaufmerksamkeit zu entschuldigen. Etwas schulmeisterlich, doch freundlich sagt er:

„Das war sehr unhöflich. Fast so unhöflich wie ich gerade. Aber zurück zu deiner Frage: Natürlich Xanatos unterstützen den Morgenstern zu finden. Darum bin ich hier. Wurde hergesandt.“

Während des leisen und möglichst unauffälligen Gesprächs im Taxi klingt an, dass auch die anderen hier sind, um den Morgenstern zu finden. Wie schon bei Briggs äußere ich, es sei vielleicht sinnvoller, erst einmal auf der Erde aufzuräumen, wenn auch nicht in Aarons Sinne. Erst einmal alles wieder in den Griff bekommen und die Menschheit wieder ein Stück näher an die Blüte zu führen, für die sie immer gedacht war … und dann den Morgenstern finden und ihm dabei gleich präsentieren zu können, wie eifrig seine Anhänger in seiner Abwesenheit seine Ziele weiterverfolgt haben, wie viel sie in seinem Namen geschafft haben, während er nicht da war. Offenbar klinge ich nicht überzeugend genug, denn Lars scheint wenig Sinn für meine Ausführungen zu haben. Bin ich hier wirklich die einzige, die ihren Sinn nicht allein und nicht einmal vorrangig darin sieht, den Morgenstern zu finden? Die einzige, die in Erwägung zieht, dass er niemals zurückkehren wird und wir auf uns allein gestellt sind? Nicht verlassen, nicht allein – sondern mit all unseren Möglichkeiten, die Welt zu verändern und sie zu einem besseren Ort zu machen, als sie es jemals war, die Menschen zu schützen und zu lenken, ihr Potenzial zu offenbaren und sie Schritt für Schritt in die Seligkeit zu führen?

An der Uni müssen wir eine Weile warten, bis Briggs auftaucht. Er ist verletzt und hat sich so hierher geschleppt, anstatt sich zunächst um seine Wunden zu kümmern. Als er mich sieht, leuchten seine Augen auf – und mir wird kalt. Sein Blick lässt mich schmelzen, seine Wunden tun auch mir weh, und doch ist da ein Ziehen wie von Ketten, kaltem Metall, das sich um meine Brust legt und mir die Luft nimmt. Es ist viel unangenehmer als das Ziehen im Kopf, wenn einer von uns einen anderen ruft, es ist drängender. Ich will zu Briggs laufen, ihn umarmen und umsorgen, ihn an mich drücken und ihn küssen … und ich will einige Schritte rückwärts gehen, will ihn von mir weisen, will ihm sagen, dass er stört, genau jetzt, wo ich noch nicht erreicht habe, was ich will. Und genau jetzt ist nicht er derjenige, den ich will – obwohl er im gleichen Augenblick noch immer der ist, den ich liebe. Verrückt.

Es kostet mich einiges an Kraft und Konzentration, ihm möglichst so entgegen zu treten, wie er es von mir erwartet und zugleich möglichst nicht offensichtlich sein zu lassen, dass Briggs und mich mehr verbindet als die anderen der Anwesenden. David verabschiedet sich zeitnah und Lars bietet an, uns in seinem Bus nach Hause zu fahren.

Artig setze ich mich zu Briggs nach hinten auf die Rückbank, während ich etwa zeitgleich den Weg zu Briggs‘ Wohnung angebe und mich im Bus umsehe. Ui, was liegt hier viel Zeug herum. Nicht das, was die Leute üblicherweise so in ihren Autos haben, sondern hier sieht es mehr aus wie … wie bei einer … Expedition oder etwas in der Art? Schrullig irgendwie, aber auch unkonventionell. Lars wird mir ein weiteres Stück sympathischer.

Als wir Jonathans Wohnung erreichen, beginnt für mich die Gratwanderung des Abends. Ich helfe ihm aus dem Bus, umarme ihn vorsichtig und erkundige mich ein weiteres Mal, ob er allein zurecht kommt, dann erkläre ich ihm leise, dass es schon spät sei und ich die Nacht lieber zu Hause verbringe, bevor meine Mutter sich wieder Sorgen macht, wir uns am folgenden Tag wiedersehen würden. Briggs zeigt keinen Argwohn, sondern scheint dankbar für das, was ich für ihn tue … genau genommen im Moment … nichts.

Nachdem ich ihn zur Tür bugsiert habe, atme ich kurz durch und hüpfe dann auf den Beifahrersitz des Busses. Ich brauche etwa zwei Minuten, um Jonathan für den Moment aus meinem Kopf zu verbannen und mich wieder ganz auf Lars einzuschießen, den ich – wenn auch wegen der Fahrt in gemäßigter Form – erneut einzuwickeln versuche. Es dauert zum Glück eine Weile, bis wir bei mir angekommen sind, und Lars hält mir nicht nur die Autotür auf, um mir beim Aussteigen behilflich zu sein, sondern geleitet mich sogar noch bis zur Haustür. Ich wünschte, ich wohnte anderswo, irgendwo allein und auf mich gestellt. Eine bessere Gelegenheit als diese hier werde ich nie mehr bekommen. Ich müsste ihn nur reinbitten und an seine Höflichkeit appellieren, und wenn er erst einmal zugestimmt hätte, wäre alles andere viel einfacher … aber ich wohne nun mal, wo ich wohne, und so bleibt mir nichts anderes übrig, als mich mit einem strahlenden Lächeln und einem Dankeschön zu verabschieden bis zum nächsten Tag, an dem ein weiteres Treffen an Aarons Lagerhaus ansteht. Nicht einmal diesen klassischen Abschiedskuss kann ich mir erlauben an dieser Stelle und morgen wird Jonathan wieder bei uns sein und alles wird so viel schwieriger als jetzt im Moment. Verdammt.

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