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Präludium, Teil III (Werwolf, TS)

Freitag, 6. Mai 2011

Es ist soweit: Ich drehe durch. War ja klar, dass das irgendwann so kommen würde, oder? In Pädagogik hatten wir in der Schule total viel über Sozialkontakte, Sozialisierung und den ganzen Kram gesprochen, daran kann ich mich noch super erinnern, weil ich den Mist gleich drei Jahre hintereinander gehört habe. Ist vielleicht gar kein Mist, vielleicht fand ich das nur so doof, weil mir das unangenehm war. Weil ich irgendwie immer schon alleine da stand und Freundschaften schon immer etwas waren, das andere hatten.

Naja, bis ich Katia kennen gelernt hatte zumindest. Allein aus dem Grund hatte sich die ganze Schulscheiße gelohnt, dachte ich zumindest bislang. Aber jetzt … ich glaube, sie hat mich satt. Ich habe keine Ahnung, was ich falsch gemacht habe und ich werde nicht fragen. Zumindest das bisschen Stolz will ich behalten. Vielleicht ist genau das der Punkt. Vielleicht hätte ich sie besser stehen lassen in der Disco und so tun sollen, als wenn ich mich bestens amüsiere und vergessen habe, dass sie überhaupt da ist. Vielleicht hätte ich an dem Abend nach Hause laufen sollen oder von ihr aus mit der Bahn fahren oder so. Geht ja sonst auch. Vielleicht hätte ich im Bad nicht so schnell an ihrer Seite sein sollen. Und ganz sicher hätte ich ihr nicht wie ein Hund hinterher laufen sollen auf die Terrasse. Mich da in Slip und Shirt erst mal auf den Boden setzen – wie banane kann man bitte sein? Kat kann immer alles haben, und genau das ödet sie an, macht all das so uninteressant wie den ganzen Schmuck in ihrem Zimmer. Sieht so aus, als hätte ich es versaut. Das erste Mal in meinem Leben, dass sich wirklich mal jemand für mich interessiert hat, mich mochte und Bock hat, Zeit mit mir zu verbringen. Und ich verderb alles. War so klar.

Und letzte Nacht hab ich auch noch Stimmen gehört. Ich sag es ja: Ich drehe jetzt durch. Puff, Licht aus, Charly sabbernd in der Klapse oder so. Das Schlimmste daran ist, dass ich mir sicher bin, dass ich diese Stimmen – eigentlich nur eine – gehört und mir nicht eingebildet habe. Die war wirklich da, irgendwo in Andreas‘ und Michaels‘ Zimmer, mitten in der Nacht, und obwohl sie geflüstert hat, von Verzweiflung, von fehlendem Antrieb und davon, Michaels Kraft aufzusaugen, hab ich sie bis in mein Zimmer gehört. Woran man natürlich wieder sieht, dass das totaler Schwachsinn ist, sein muss. Wer flüstert schon so laut, dass man es durch Wände und Türen hindurch hört? Ich war drüben, hab nach der Quelle gesucht, nach nem Radio oder sonstwas, hab geguckt, ob der PC vielleicht noch eingeschaltet war, aber da war nichts. Und die beiden haben friedlich geschlafen. Aber da WAR etwas, ich hab da ECHT was gehört, verdammt! Sagt man nicht, dass es so anfängt? Dass der Trick bei den Irren der ist, dass sie das glauben, was sie sehen oder hören?

Vielleicht hatte der Typ letzten Samstag gar nicht so unrecht, mit dem ich mich da in die Haare gekriegt hab. Der war so aufdringlich, dass ich ein bisschen ätzend geworden bin. Ging halt nicht anders. Die sind oft so, vor allem, wenn sie getrunken haben. Ich weiß nicht mehr, was ich alles gesagt habe, aber ich weiß noch, was er gesagt hat, kurz bevor er sich endlich verpisst hat, weil ich ihm an die Gurgel wollte und ihm das wohl doch ne Nummer zu hardcore war oder, was wahrscheinlicher war, weil er so ne Nummer fuhr wie „Frauen schlägt man nicht“ oder so. Aber mir sagen, ich solle mich mal anständig durchvögeln lassen, um mal klar zu kommen und nicht so aggro zu sein, das konnte er. Chauvi-Arschloch. Trotzdem: Vielleicht sollte ich das echt mal machen? – Bah. Nee. Geht gar nicht. Ich krieg schon das Schütteln, wenn ich nur darüber nachdenke.

Heute morgen hatte ich so ein Lego-Dings in der Stadt gekauft und Michael mitgebracht, nachdem ich Andreas gesagt habe, dass ich das mit den Shootern für nen Achtjährigen eh schon nen Tacken zu heavy finde, aber dass er dem Lütten wenigstens keine Horrorhörspiele oder sowas geben soll. Andreas hat mich auch angeguckt, als wenn ich nicht mehr alle Tassen im Schrank hätte. Wahrscheinlich hat er Recht damit, aber … irgendwo muss diese Stimme doch her gekommen sein? Als ich mit Michael spielen wollte, war der total lustlos gewesen und was ich sonst so vorgeschlagen habe, passte ihm auch alles nicht. Der ist sonst nicht so quengelig und ich weiß genau, dass die Stimme davon sprach, ihm die Kraft zu nehmen. Und das passt doch, ist doch ein Beweis dafür, dass es diese Stimme wirklich gibt, oder nicht?

Egal, gleich gehe ich erst mal tanzen. Mit Katia. Es ist sogar ihre Idee gewesen, was echt ungewöhnlich ist. Vielleicht ist ja doch noch nicht alles im Arsch und auch das hab ich mir nur eingebildet. Wir treffen uns um Neun an der Haltestelle und ich sollte mal langsam los.

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