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5. Inplay, Teil III Vampire, Dark Ages, Tischrunde – “Basarab”

Ein wenig Zeit war noch bis zum Tagesanbruch geblieben, die ich für eine weitere Unterredung mit Victor nutzen wollte, um zumindest schon mal in Bezug auf eine mögliche Strategie für mich vorzufühlen, als Tobias plötzlich aufsprang, sein Schwert zog, Svetlana angriff und schließlich in der Mitte zerteilte. Doch kein Entsetzen machte sich breit, sondern Svetlana begann wollüstig zu stöhnen und forderte in geradezu obszöner Manier mehr von Tobias, forderte ihn ernsthaft auf, weiter zu machen. Als der Koloss sich nicht recht für ein weiteres Vorgehen entscheiden konnte, sprang Jean-Baptiste Svetlana „zur Hilfe“, sprang auf ihren Oberkörper und hüpfte eifrig auf und ab, begleitet und angefeuert von Svetlanas wohligen Seufzern und dem Ruf nach mehr davon, während Tobias in ihren Eingeweiden herumzustochern begann und von Melissa, in deren Augen ein angeregtes Funkeln zu sehen war, erst zurück gehalten wurde, als er überlegte, sein Schwert in Svetlanas Kehle zu versenken. Mich ließ das alles erstaunlich kalt. Ich beobachtete und nahm wahr, aber es erschütterte mich ebenso wenig wie es mir Vergnügen bereitete. Sie würden schon irgendwann aufhören …

Das taten sie auch und wir begaben uns zur Ruhe, um in der nächsten Nacht unsere Reise zu diesem Basarab anzutreten. Svetlana entschied sich dafür, mit mir im Planwagen mitzureisen und auch Jean-Baptiste hielt sich einen Großteil der Zeit darin auf. Dass selbst Tobias sich dann auf meinen Kutschbock begab und sich wiederholt anschickte, von dort ebenfalls in den Wagen zu kommen – ein Unterfangen der Unmöglichkeit aus vielerlei Gründen -, machte mich dann doch stutzig. Erst so viele Einladungen nacheinander, und jetzt wollten sie alle, die doch eigentlich Kutschen gewohnt waren, in meinem schönen und doch schlichten Planwagen mitreisen, begleitet von zwei Menschen und zwei Neugeborenen, umgeben von Tiegeln, Töpfen, Ölen und einem Geruchspotpourie aus vielerlei Ingredenzien? Freiwillig? Um sich auch noch mit mir zu unterhalten? Ich ließ es mir nicht anmerken, doch ich verstand nicht, was hier vor sich ging. Nur Melissa schien es vorzuziehen, allein zu reisen. Nun, Platz genug hatte sie jetzt mit Sicherheit, so allein in ihrer Kutsche …

Unsere Reise wurde einmal unterbrochen, nachdem Svetlana aufgefallen war, dass Jean-Baptiste offenbar verschwunden war und wir ihn suchten. Erst ein Machtwort durch Melissa und Victor brachte uns schließlich dazu, unseren Weg dennoch weiter fortzusetzen, auch wenn uns der Gedanke nicht behagte. Doch die beiden sollten Recht behalten, denn irgendwann war der Malkavianer – oder Nicht-Malkavianer oder Nicht-mehr-Malkavianer? – wieder da. Tatsächlich erreichten wir den Turm des Voivoden davon abgesehen ohne weitere Zwischenfälle – noch etwas, das mich beinahe verwunderte.

Ein Ghul öffnete uns das Tor zur kleinen Burg und bat uns zuvorkommend hinein, hatte uns offenbar bereits erwartet. Beim Brunnen im Innenhof hielten wir kurz inne, weil Svetlana unbedingt einen Eimer Wasser zu bekommen wünschte, bevor wir unserem Gastgeber begegneten. Als sie ihn bekam, verstand ich: Sie beschwor Elementare aus dem Wasser herauf. Ich war fasziniert von diesen Kreaturen, und doch erschien es mir trotz oder gerade wegen meiner Ehrfurcht vor dieser Beschwörung irgendwie falsch, was sie tat und ich sah. Elementare beschwören? Ich glaube nicht, dass dies die Aufgabe von Kainiten sein sollte, mit solchen … Wesen zu hantieren.

Basarab selbst begrüßte uns einigermaßen freundlich, in jedem Fall höflich, und auch er schien uns bereits erwartet zu haben, denn es waren Stühle für uns alle vorbereitet worden. Und doch wirkte irgendetwas an ihm seltsam und abwesend, das fiel mir sogleich auf. Als er dann seine Unterhaltung mit uns ganz offen damit begann, dass er seinen Ur-Ur-Großvater diableriert hatte, war ich mir sicher, dass etwas mit seinem Geisteszustand nicht in Ordnung war. Es galt also, auf der Hut zu sein … und doch: Wir waren aus einem bestimmten Grund hier und es war jetzt nicht die Zeit, die falschen Fragen oder Aussagen in den Raum zu stellen.

Er bot uns ein Schauspiel an, dem wir uns als Gäste schlecht widersetzen konnten, also beobachteten wir als Zuschauer, wie er seinem Ghul die Rolle seines Vorfahren gab, während er sich offenbar selbst spielte. Im Nu riss er dem Ghul die Kehle auf und tötete ihn – er wollte der Geschichte mit seinem Ur-Ur-Großvater damit offenbar ein noch etwas plastischeres Gesicht geben. Abschließend fragte er, ob Wahrheit in seinem Schauspiel gelegen habe … was soll man darauf antworten? Ich empfahl ihm, die Handlung zukünftig vielleicht etwas nachvollziehbarer für sein Publikum zu gestalten, doch meine Rückmeldung schien ihn wenig zu interessieren. Überhaupt schien es sich wohl eher um eine rhetorische Frage gehandelt zu haben, denn weder das Lob des einen noch die Kritik des anderen hinterließen bei ihm eine sichtbare Wirkung.

Wir erhielten die Erlaubnis, die Glyphen am Turm anzubringen, und kaum hatte Svetlana sie in den Stein geritzt, endeten Blitz, Donnerschlag und der bislang scheinbar ewig dauernde Regen. Das war es also schon gewesen. Und dafür all dieser Aufstand und das wochenlange Gemale von Isabella und Svetlana.

Basarab bot uns noch an, als seine Gäste bei ihm zu übertagen und uns neue Kleidung zur Verfügung zu stellen, doch bis auf Jean-Baptiste und Melissa lehnten wir alle dankend ab und tagten stattdessen in meinem Planwagen, bevor wir unseren Rückweg zur ehemaligen Tremere-Kapelle und damit zu Goratrix antraten. Unterwegs ereilte Jean-Baptiste wohl eine seiner Visionen, denn ernsthaft verängstigt berichtete er mir, wir müssten sogleich zu Goratrix zurück, denn Nova Arpad und seine Herrin suchten ihn, suchten uns, um uns zu vernichten. Er beruhigte sich, als ich ihn daran erinnerte, dass wir uns auf genau diesem Weg bereits befanden und daher auch sicherlich bislang keine Zeit verloren hatten. Der arme Kerl … manchmal tat er mir wirklich leid.

Auch die Kapelle erreichten wir ohne Zwischenfälle und bei deutlich besseren Wetterverhältnissen als in den ganzen Wochen zuvor. Der Dämon schien tatsächlich gebannt, zumindest für den Moment, wie mir schien.

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