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Phantasm-Inplay

Lilly ist ein Charakter, den ich vor viiiiiielen Jahren (und zwar etwa zehn) mal für ein Forenrollenspiel „Wraith, the Oblivion“ entwickelt habe. Das 8-jährige Mädchen ist einer der wenigen Charaktere, die mir im Verlauf unheimlich ans Herz gewachsen sind, quasi ein Lieblingscharakter. Die Forenrunde damals lief zwar eine ganze Weile und ich erinnere mich heute noch total gerne daran, beendet wurde sie – wie wohl die meisten Forenrunden – allerdings nicht.

Nachdem ich mich gestern ein Weilchen mit Nin unter anderem über „Wraith, the Oblivion“ unterhielt, hab ich in den Tiefen meiner Datensicherungen gestöbert und dabei tatsächlich ein paar kleine Fetzen aus besagter Forenrunde entdeckt. Einen davon möchte ich aus nostalgischen Gründen einfach mal bloggen. Hintergrund der Szene ist eine Lilly, die sich ganz allein an einem Ort befindet, der für sie zu Lebzeiten voller Geheimnisse steckte. Sie ist begeistert und glücklich, diesen Ort nun quasi ganz „neu“ zu entdecken, aber zugleich verliert sie viel Boden unter den Füßen und versucht zu überspielen, wie allein sie ist, wie hoffnungslos ihre Situation. Es gab im Spiel zwei Szenen, in denen sie sich in einer Mischung aus kindlicher Phantasie, Erinnerungen und Phantasm ähnlich verausgabt hat wie in der nachfolgenden; die andere habe ich bislang leider nicht wiedergefunden.

 

Lilly staunte in den Raum und ließ zunächst ein „Uuuh … ooooh!“ verlauten, recht dicht gefolgt von einem „Wooow!“.

Eilig lief sie in die winzige Kammer und kramte zwischen all den Kleinigkeiten an Requisiten dort, bis sie einen rostigen Zylinder in den Händen hielt, der auf einer Seite von einem Plastikdeckel geschützt wurde. Irgendwann einmal musste das ein Deodorant oder sowas gewesen sein.

Mit dem Zylinder in der Hand lief Lilly wieder zur Bühne, krabbelte mit leichter Mühe hinauf und strahlte in den Saal, den Zylinder ordentlich in der rechten Hand. Langsam führte sie ihn ein Stück zum Mund und begann zu sprechen:

„Sehr verehrte Gäste, ich darf Sie begrüßen in der Premierenvorstellung in unserem Haus. Wie Sie sehen, wurden keine Kosten und Mühen gescheut, Ihnen das beste Inte … Inwen … also die tollsten Sitze überhaupt zu bieten. Wenn Sie einen Blick nach oben werfen, dann sehen Sie ein einmaliges Werk von Mogli, dem berühmten Lampenbaumann aus dem Dschungel, der das weltweit einzige Exemplar dieses Leuchters extra für unser Haus gemacht hat. Ich darf Sie jetzt einladen, sich zurück zu lehnen und die Premiere zu genießen!“

Lilly legte das „Mikrofon“ sorgsam beiseite, rief dem Vorhang zu „Musik an!“, hielt die Arme so, wie man es beim Tanzen tut und lächelte ihren imaginären Tanzpartner an. Im Nu ließ sie sich von ihm über die Bühne wirbeln und als das Lied zu Ende war, knickste sie höflich, Hand in Hand mit ihrem Partner, und ging dann hinter den Vorhang. Dort fischte sie wieder nach dem „Mikrofon“ und trat wieder in die Mitte der Bühne.

„Meine Herrschaften … meine Herrschaften …“ Lilly musste noch einen Augenblick warten, weil die Leute so heftig klatschten und teilweise sogar von ihren Sitzen aufsprangen. „Meine Herrschaften, es freut mich, dass Sie solchen Spaß an unserem Beginnwalzer hatten. Er wurde Ihnen präsentiert von Liliane und Karsten, die allerdings nur noch wenige Vorstellungen geben, bis sie wieder nach Hause fahren und Liliane ein Kind bekommt, fühlen Sie sich also geschmeichelt, diese Darbietung noch gesehen zu haben! Als nächstes präsentieren wir Ihnen den berühmten Magier Daniel Copperfield!“

Lilly setzte sich an den Rand der Bühne und sah zu, wie die Bühne für den Herrn Copperfield angeblich umgebaut wurde. Die Vorstellung begann und Lilly wandte immer wieder den Kopf, um sich wichtig mit einem weiteren imaginären Mitarbeiter über den bisherigen Verlauf und Erfolg der Vorstellung zu unterhalten. Nach einer ganzen Weile stand Lilly wieder auf und nahm das Mikrofon wieder an sich.

„Als nächste Darbietung darf ich Ihnen die Clowns Humpty und Dumpty ankündigen!“

Wieder sah Lilly zu, wie die beiden Clowns ihre Späße trieben und kündigte als nächstes die Prinzessin Monika als Eisverkäuferin an. Bei dieser Vorstellung kicherte Lilly in sich hinein, denn wie die Clowns sie an ihre Cousins erinnerten, so erinnerte die eingebildete Prinzessin stark an ihre Cousine – und die hatte Lilly noch nie sonderlich leiden gemocht.

Danach spielte das gesamte Lehrerkollegium der Grundschule eine Szene aus „Die kleine Hexe“, was aber nicht ganz soviel Anklang fand wie alles andere und schließlich wurde ein großer Ohrensessel auf die Bühne geschoben. Selbst überrascht sah Lilly zu, wie ihr Opa mit kleinen unsicheren Schritten zum Sessel schritt, Platz nahm und ein großes Buch aufschlug. Dann las er mit seiner tiefen und leicht zittrigen Stimme ein Märchen vor mit Drachen, Kobolden und anderen Gestalten und Lilly rollte sich auf der Bühne ein, schmiegte sich an den dicken modrigen Vorhang … und versank in einer Art Schlaf, noch bevor das Märchen zu Ende gelesen war.

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