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Solo-Zusammenfassung von Emma/Batoidea, Teil II (Dämonen, TS)

Den Sonntag verbringe ich gemütlich, erstelle das Mix-Tape und beschäftige mich mit einigen Feinheiten zur Choreographie. Den Montag verbringe ich gelangweilt in der Uni, schaue noch in der Gruppe vorbei, doch weder in den Vorlesungen noch dort tut sich irgendetwas Spannendes. Also versuche ich mich auf das Training später zu konzentrieren und freue mich auch schon darauf. Ablenkung, Bewegung, yes!

Sasha ist wie vereinbart da, ebenso Frau Mayers, um sich erste Eindrücke zu verschaffen. Sie ist zufrieden, Sasha ist es, ich bin es – super! Ich frage Sasha, ob sie noch Lust habe, wieder was trinken zu gehen, doch sie lehnt ab und meint nur vage, sie habe noch etwas vor. Neugierig, wie ich so bin, folge ich ihr nach dem Training so unauffällig wie möglich, doch als sie in den Bus steigt, gebe ich auf und trete meinerseits den Heimweg an. Sie soll nicht das Gefühl bekommen, dass ich an ihr klebe wie eine Klette. Ich finde es eigenartig, dass die erste Vertrautheit zwischen uns trotz meiner Hilfe und Unterstützung so plötzlich über das Wochenende verschwunden scheint, aber da ich es eh nicht ändern kann, fahre ich nach Hause und gehe frühzeitig schlafen. Schönheitsschlaf … den kann ich vielleicht brauchen für den Dienstag.

An den Vorlesungen des nächsten Tages nehme ich zwar teil, bin jedoch mehr körperlich anwesend als sonstwie. Einigermaßen nervös gehe ich danach zur Gruppe und tatsächlich: Mario ist da! Er macht sich irgendwelche Notizen, was mir zeigt, dass nach wie vor er derjenige ist, der hier überhaupt irgendetwas plant. Da er allein ist, gehe ich zu ihm und frage nach, womit er sich derzeit beschäftigt. Einem Geschäftsmann will er auf den Zahn fühlen, irgendwem, der wohl Dreck am Stecken haben soll, eine Umweltsau oder so. Ich wundere mich, wie er auf diese Idee kommt, zumal er zeitgleich nur einen Nachnamen kennt und die Firma als „… Enterprises“. Wie ist er denn auf die Firma oder diesen Mann aufmerksam geworden, wenn er weder den vollen Namen kennt noch den Namen der Firma? Eigenartiger Start und seltsame Motivation für eine Recherche oder Aktion, finde ich. Ich denke an seine Initiative in Bezug auf die Stasi-Aktion und erstmals frage ich mich, ob diese ganzen Aktionen, Ideen und Ansatzpunkte überhaupt von ihm selbst kommen oder ob es da jemanden gibt, der ihm „Tipps“ gibt, was das angeht. Ich schiebe den Gedanken jedoch rasch wieder beiseite. Stattdessen konzentriere ich mich darauf, einen möglichst interessierten Eindruck zu machen, als Frank plötzlich rein kommt. Er grüßt flüchtig und ich grüße ebenso flüchtig zurück. Panisch sehe ich auf die Uhr an der Wand. Es ist fast genau 13.30 Uhr – und Briggs wollte um diese Zeit vorbei kommen, oh nein!

Hastig verabschiede ich mich und gehe zur Tür, als Briggs auch schon pünktlich wie ein Uhrwerk im Raum steht. Hastig greife ich nach seinem Arm, halte die Begrüßung so distanziert wie möglich und versuche den verwirrten Jonathan aus dem Raum zu bugsieren, was mir so gerade auch gelingt. Als ich die Tür hinter uns schließe, sehe ich Frank, der in sein Buch vertieft scheint und Mario, der mir – oder uns – mit hoch gezogenen Augenbrauen hinterher sieht. Immerhin.

Draußen kläre ich Briggs grob über das „Problem“ mit Frank auf, den ich nicht verletzen will und er nickt zustimmend, auch wenn ich bezweifle, dass er verstehen kann, um was es hier eigentlich geht. Macht nichts.

Auf dem Weg zur Cafeteria frage ich ihn, was er eigentlich beruflich mache, und ob er sich irgendwie mit Firmennamen auskenne oder so. Er erwähnt nochmals, Soldat gewesen zu sein, erzählt aber sogleich weiterhin, nun für eine Sicherheitsfirma tätig zu sein. Also keine Kriegsspiele mehr, gut so. Mit Firmen kennt er sich nicht sonderlich aus, aber als ich ihn nach irgendeiner „Enterprises“ und dem Namen Xanatos frage, gibt er bereitwillig Auskunft. Klar, das sei der Typ, mit dem er zusammen im Auto gefahren sei, als sie beide Melekith und mich auf dem Marktplatz „erwischt“ hatten. Er kenne ihn nur flüchtig, weil er auf dessen Dach gestürzt sei und er ihm geholfen habe, aber der Mann, der sich eigentlich als Mr. Smith vorgestellt habe, heiße eigentlich Xanatos und seine Firma sei Xanatos Enterprises. Briggs kann mir sogar die Adresse und Zimmernummer seines Hotels nennen.  Er fragt, warum ich mich dafür interessiere, doch ich wiegle nur ab und gebe an, da nur mal was aus Interesse nachfragen zu müssen, doch innerlich macht sich nicht nur ein nervöses Flackern breit, sondern vor allem in aller Deutlichkeit ein einzelnes Wort: Scheiße.

Wir holen uns was zu trinken und setzen uns an einen freien Tisch in der Cafeteria, reden weitgehend belangloses Zeug, zumal mir einfach nichts Sinnvolles einfällt und Briggs eher der Pragmatische zu sein scheint statt eines Wortkünstlers, doch das stört mich nicht. Plötzlich jedoch wirft er einen Blick zum Eingang und raunt mir zu: „Ist er das nicht?“ Ich werfe einen Blick dorthin und sehe Mario. Rasch wende ich den Blick ab und Briggs wieder zu, murmle ein „mhmhm“ und sehe ihn erwartungsvoll an. Er legt den Arm um mich und drückt mir einen Kuss auf die Wange. Auf die Wange! Unwillkürlich muss ich an meine Mutter denken und zische ihm zu: „Also so pseudo geht mal gar nicht!“ Als er mich daraufhin irritiert ansieht, übernehme ich die Initiative und küsse ihn leidenschaftlich. Er wirkt überrascht und braucht einen Moment, erwidert dann aber meinen Kuss und scheint ihn zu genießen. Für einen Moment sind mir alle Marios dieser Welt egal, denn so habe ich noch nie geküsst. Darin liegen nicht Franks Vorsicht und auch nicht Marios unterdrückte Gier, darin liegt Leidenschaft verborgen, auch wenn ich nicht einmal sagen kann, ob es seine, meine oder unsere ist. Ist mir auch völlig egal. Ich will gehen, denn plötzlich sind mir hier zu viele Menschen. Ich muss mich bewegen, muss gehen, laufen, will eigentlich rennen.

Wieder lässt sich Jonathan von mir leiten und folgt mir auf den Campus, wo wir eine Weile laufen und er mir schließlich seine Handynummer gibt. Das sei sein Diensthandy, auf dem ich ihn eigentlich immer erreichen könne, sagt er. Lächelnd und doch spitz mache ich einige Bemerkungen, ob es da nicht dennoch gelte, irgendwelche Dienstzeiten zu beachten, ob nun seine oder die seiner Verlobten, oder ob es Zeiten gäbe, zu denen es besonders „genehm“ oder unangenehm sei. Er versteht sie aber nicht – oder will sie nicht verstehen – und gibt nur trocken zurück, dass es mitten in der Nacht natürlich nicht so günstig sei. Ich erfahre, dass seine Verlobte und er natürlich zusammen wohnen und ich darum natürlich auch nicht zu Besuch kommen könne oder so. Wieder spüre ich diese Hitze im Magen, die plötzlich zu brodeln beginnt. Ich will sie löschen – und küsse ihn erneut. Ich will damit nicht mehr aufhören, will irgendwo mit ihm alleine sein. Wieder etwas, das ich nicht verstehe. Privatsphäre wird völlig überbewertet, finde ich, und doch wünsche ich mir gerade genau die. Wie spießig, wie … menschlich! Ich habe plötzlich Melekiths Stimme im Ohr. „Sie sind nichts wert. Sie können nichts, sie verderben alles nur, sie zerstören, was wir für sie aufgebaut haben. Sie sollten vom Anlitz der Erde verschwinden und die Natur sich selbst überlassen, ihr einfach ihren Lauf lassen.“ Ich weiß, warum ich mich ausgerechnet an diesen Teil des Gesprächs erinnere, so wie ich auch an meine Theorie der Wissenden, Unwissenden und Ratlosen denken muss, während Briggs und ich an einen Baum gelehnt stehen und uns küssen. Ich kann damit nicht umgehen. Die Hitze dehnt sich weiter in mir aus und ich würde am liebsten aus der Haut schlüpfen, um dieses Gefühl loszuwerden. Doch selbst, wenn ich es könnte, weiß ich zugleich, dass es mir nicht helfen würde. Ich bemerke die Kontrolle, die von innen an meine Haut klopft und mich bittet, sie gehen zu lassen. Nein. Ich kann nicht. Ich will das auch nicht. Ich hab gesehen, was es mit einem Menschen anrichten kann, habe gefühlt, wie sehr es einen verletzen kann. Das lasse ich nicht zu. Dazu bin ich nicht gemacht und dazu bin ich nicht da.

Schweren Herzens eise ich mich von Jonathan los und verabschiede mich wieder recht abrupt. „Rufst du mich an und sagst mir, ob die Aktion was gebracht hat?„, fragt er noch. Ich nicke – und gehe. Wen interessiert eigentlich, ob das Ganze was gebracht hat? Im Augenblick ist mir das völlig egal, ist das völlig bedeutungslos für mich. Ich weiß, dass sich das später wieder ändern wird. Das will ich auch so, denn das muss es einfach. Jetzt aber will ich einfach nur meine Ruhe haben. Auf dem Heimweg kaufe ich mir am Kiosk ein „Julia“-Heft und denke noch an der Kasse: Ich hab sie ja nicht mehr alle beisammen.

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