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Solo-Zusammenfassung von Emma/Batoida, Teil I (Dämonen, TS)

Tanzen gehen! Gut, ich nutze die Gelegenheit, um auch möglichen Diskussionen mit meiner Mutter aus dem Weg zu gehen, aber tatsächlich freue ich mich auch darauf, mich mal wieder im Studio blicken zu lassen. Ich war schon seit Wochen nicht mehr dort, tatsächlich sogar erst zwei oder drei Male, seit … es mir wieder gut geht. Aber ich habe beim Tanz im Regen Lust bekommen, wieder hinzugehen, außerdem fehlt es auch schlicht meinem Körper, mich dort auszutoben, immerhin ist er ein Training zwei bis drei Male pro Woche gewohnt.

Ein paar neue Gesichter sind zu sehen, doch an sich kenne ich alle, die dort sind, und keiner wundert sich über mein Fernbleiben oder sagt zumindest nichts dazu. Naja, es kann ja auch immer mal sein, dass man etwas vor hat, und zu guter letzt ist jetzt ohnehin Ferienzeit. Die anderen erzählen mir, dass ein Auftritt zur Tag- und Nachtgleiche am 22. oder 23. September geplant sei, dass aber noch nichts Näheres dazu feststehe, denn es gäbe da noch diverse organisatorische Probleme, um die Frau Mayers sich zu kümmern habe, weshalb weder Musik noch Choreo noch sonst etwas aktuell feststünden. Motiviert, wie ich bin, setze ich mich sogleich daran, einige Stücke herauszusuchen, die ich als passend empfinde und habe etliche Ideen zu möglichen Schritten und Abfolgen. Ich stelle sie den anderen vor und offenbar hat niemand bessere Ideen, sondern eher freuen sich die anderen, dass überhaupt jemand die Initiative ergreift – auch daran zu erkennen, dass sich niemand für das Solo bereit erklärt. Naja, dann mache ich das eben. Wie in alten Zeiten … nur eben anders …

Wir üben mehr als eineinhalb Stunden und es läuft eigentlich gut. Nur ein Mädel, das ich nicht kenne, tanzt quasi aus der Reihe. Sie wirkt motiviert und an Rhythmusgefühl fehlt es ihr auch nicht, aber sie ist schlichtweg zu füllig, als dass sie alle Figuren wirklich umsetzen könnte. Ihre Form ist ihr manchmal einfach im Weg. Ich versuche ihr Tipps zu geben, sie zu unterstützen, doch selbst das bringt nichts.

Nach dem Training spreche ich sie freundlich an und schlage vor, zusammen noch eine Cola trinken zu gehen. Sie wirkt erfreut und stimmt zu. Also begeben wir uns unter die Dusche, wo ich Zeugin werde, dass über die Neue, Sasha heißt sie, gelästert wird. Ich schreite ein und die Lästerschwestern trollen sich schließlich. Weder Sasha noch ich kommentieren den Vorfall. Stattdessen gehen wir gemeinsam in ein Café, wo ich erfahre, dass sie schon im Alter von sieben bis neun Jahren getanzt habe, aber wegen einer Leukämieerkrankung aufhören musste und vor zwei Wochen erst wieder angefangen habe. Ihre Mutter kommt aus Frankreich, was ihren eigenartigen Namen erklärt, und sie ist zeitlich recht eingebunden durch ihre Ausbildung zur Verkäuferin im Discounter. Auch am Samstag muss sie natürlich arbeiten, aber wir verabreden, dass ich sie abhole, wenn sie Feierabend macht, wir zusammen zu mir fahren, zusammen kochen, essen und anschließend das Tanzen üben – denn ich habe ihr vorgeschlagen, das Solo zu tanzen mit einer ganz eigenen Choreo, die auf sie zugeschnitten ist und die sie ins rechte Licht rücken kann im Vergleich zum allgemeinen Programm, wie wir es bislang geplant haben. Sie wirkt skeptisch, traut sich ein Solo offenbar nicht zu, doch sie lässt sich recht schnell überreden. Sie will dieses Solo offenbar tanzen, und was mich betrifft, so bin ich entschlossen, ihr dabei zu helfen.

Nach dem Treffen gehe ich nochmals zurück zum Studio, wo ich auf Frau Mayers treffe, die noch ein wenig von den organisatorischen Problemen berichtet und mir erlaubt, die ausgesuchten CDs bis zum Montag auszuleihen, damit ich mit Sasha das Solo einübe und für den Rest ein Mix-Tape erstelle. Sie übergibt die Verantwortung für den Moment in meine Hände, damit sie sich in Ruhe auf die Absprachen mit der Stadtverwaltung konzentrieren kann – fantastisch!

Am nächsten Tag kaufe ich alles ein für ein gemeinsames Mittagessen und hole Sasha wie vereinbart vom Supermarkt ab. Wir verbringen einen netten Tag miteinander und meine Idee trägt Früchte. Es sieht gut aus, wenn sie tanzt – sie sieht gut aus, wenn sie tanzt. Wir sind beide zufrieden, als wir uns verabschieden. Am Montag wollen wir wieder üben und dann auch Frau Mayers präsentieren, wie es bislang aussieht.

Den Sonntag nutze ich für einen erneuten Anlauf, Briggs im Krankenhaus aufzufinden. Als ich die Stufen zum Haupteingang hinauf laufe, fällt mir auf, dass der Wagen nicht mehr dort steht, wo Aaron und ich ihn gelassen hatten. Ich ignoriere das für den Moment, erkundige mich lieber, wo ich Briggs finden kann und bekomme zu meiner Freude sogar eine Auskunft – ab in die zweite Etage! Oben angekommen, finde ich das Zimmer recht bald, klopfe an und höre Briggs, wie er „Herein!“ ruft.

Als ich ins Zimmer komme, sehe ich Briggs auf dem Bett liegen und bin überrascht, wie fit und gesund er wirkt. Ein wenig lädiert vielleicht, okay, aber kein Vergleich zu dem Briggs, den Aaron und ich hier abgeliefert hatten. Am meisten wundert mich: Er hat zwei Hände, von einem Stumpf oder einer Wunde ist nichts zu sehen. Er trägt eine grüne OP-Hose und einen lockeren Kasack, der an der Seite zugebunden ist und liegt lässig auf dem Bett, begrüßt mich locker und offenbar erfreut, so als kennen wir uns schon ewig und hätten uns nur schon lange nicht mehr gesehen. Naja, vielleicht ist das nicht einmal falsch, wenn man es auf einer anderen Ebene sieht, ich weiß es nicht.

Plötzlich komme ich mir unglaublich blöd vor, hier zu stehen. Entsprechend stammle ich ein bisschen vor mich hin und stehe einigermaßen ratlos im Raum. Ich bin nervös und weiß nicht so recht, warum überhaupt. Was ist denn nur los? Ich fasele allgemeingültigen Kram, frage Briggs, an was er sich noch erinnern kann, frische seine Erinnerung ein bisschen auf und reiche ihm statt Blumen schließlich einen vorbereiteten Zettel mit meiner Adresse und Telefonnummer. Eigentlich will ich ihn so vieles fragen, nach seinem echten Namen, nach seinem bisherigen Erleben und vor allem nach seinen Erinnerungen. Nicht an die Kanalisation, sondern an die Zeit davor, an die Jahrtausende davor. Stattdessen … höre ich mich fragen, wer ihn denn schon so besucht habe und ob er Familie habe.  Was denke ich mir denn nur dabei? Es klingt für mich, als habe er keine Familie hier, was ich aus irgendeinem Grund gut finde, doch seine Telefonnummer gibt er mir im Gegenzug nicht. Komisch. Ich bin enttäuscht.

Wir entschließen uns zu einem Besuch der Cafeteria, und als wir so nebeneinander her laufen, macht sich ein ähnliches Gefühl in mir breit, wie es schon am Bahnhof war. Also der Oberkörper ist es diesmal nicht. Es ist schon sein Körper, definitiv, aber nicht nur, da ist gerade irgendwas anders. Es ist nicht das innig freundschaftliche Gefühl, das ich Frank gegenüber empfinde, aber es ist auch nicht diese schmerzhafte Sehnsucht, die in mir aufsteigt, wenn Mario auf der Bildfläche erscheint. Es ist nicht wie der neugierige Kick, der in mir aufgekommen ist, als Melekith und ich über sexuelle Kontakte sprachen, und es ist auch nicht dasselbe Gefühl neugieriger Leidenschaft, wie ich es in Bezug auf Briggs im Bahnhof und der Kanalisation verspürte. Das Gefühl ist neu, das kenne ich noch nicht. Es ist spannend, aber es sorgt dafür, dass ich mich unsicher fühle und das Gefühl habe, Unsinn zu reden. Was zum Kuckuck …!?

Unterwegs frage ich ihn nach seiner Telefonnummer und er druckst herum, dass das wohl keine gute Idee sei. Plötzlich ist die Rede von einer Verlobten, die es wohl nicht so gut finden würde, wenn irgendeine unbekannte Frau plötzlich bei ihm anruft. Gedankenblitze zucken durch meinen Kopf, und auch die kenne ich so nicht. Das Bauchgefühl ist ähnlich wie das, das ich habe, wenn ich Mario mit Jessica zusammen sehe, aber es ist irgendwie intensiver. Bei Mario ist es mehr ein ganz leichter Magendruck, so als wenn man zusieht, wenn andere etwas erleben, man selbst aber nicht. Sowas wie ein Sturz aus gr0ßer Höhe, den man nur im TV mitverfolgt, während man selbst gemütlich auf der Couch sitzt. Aber das jetzt ist ein heißes Gefühl, von dem ich kurz glaube, dass es meine Magensäure zum Kochen bringen könnte. Das ist unmittelbarer, echter, und der größte Unterschied ist, dass das hier definitiv mein Gefühl ist, nicht Emmas.

Ich bin verdutzt, verwirrt und irgendwie verletzt. Es ist ein Gefühl, dem ich mich gerne ein Stück weit ergeben würde, weil es mir suggeriert, es würde mir helfen, zugleich finde ich es störend. Ich verstehe jetzt in genau diesem Moment erstmals so wirklich, was Emma Mario gegenüber gefühlt hat, aber … ich will das gar nicht so genau verstehen. Nein, ich möchte dann doch lieber unwissend sein. Glaube ich. Ich bin nicht sicher.

Mit aller Mühe versuche ich, mich zusammenzureißen und einfach „cool“ zu bleiben, aber so ganz scheint das nicht zu gelingen, jedenfalls entschließt sich Briggs schließlich doch dazu, mir seine Nummer zu geben – auch wenn ich dort nicht anrufen soll. Seltsame Entscheidung. Wir verabreden uns für den Dienstag erneut. Er wird dann wohl entlassen und will mich dann in unserem Gruppenraum abholen. Ich hatte ihm erklärt, dass es darum ginge, jemanden eifersüchtig machen zu wollen, und dass er nach Möglichkeit so tun solle, als seien er und ich sehr vertraut miteinander. Noch während ich ihm das Ganze zu erklären versuche, finde ich diese Idee plötzlich völlig absurd. Einen Rückzieher mache ich nicht, aber ich bin mir nicht mehr sicher, warum ich überhaupt an dem Gedanken festhalte. Er scheint die Idee recht amüsant zu finden und kein Problem damit zu haben, immerhin.

Noch immer frage ich nicht sonderlich nach seiner Person, nach seinen Erinnerungen, nicht einmal nach seinem wirklichen Namen. Stattdessen springe ich plötzlich auf, verabschiede mich, drücke ihm schneller, als ich selbst es realisieren kann, einen flüchtigen Kuss auf die Lippen, drehe mich um und gehe, ohne mich noch mal umzudrehen. Die Hitze, die sich vorhin in meinem Magen breit gemacht hat, ist mir jetzt zu Kopf gestiegen und ich bekomme mit, dass ich knallrot anlaufe, weshalb ich es strikt vermeide, mich noch mal umzudrehen. Ich ärgere mich maßlos über diese Reaktion, zumal ich sie nicht beeinflussen kann. Sie gehört zu mir, zu diesem Körper und zu mir, aber ich habe keine Kontrolle darüber, und damit kann ich nichts anfangen. Was soll denn dieser ganze Quatsch nur?

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