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Inplay-Zusammenfassung Aaron/Emma (Dämonen, TS)

Kurzerhand suche ich in Briggs‘ Hosentaschen nach dem Autoschlüssel und werde sogar fündig. Aaron schiebt Briggs auf die Rückbank und ich drücke mich von der anderen Seite auf selbige, um Briggs im Auge zu behalten. Der Arm sieht in meinen Augen schlimm aus und ich hoffe, das Ganze wird gut ausgehen. In dem Moment fällt mir auf, dass wir nicht mal dazu gekommen sind, uns einander vorzustellen, also so wirklich. Ich hoffe, die Gelegenheit wird sich später noch bieten.

Aaron lässt sich von mir zur Klinik lotsen, wo wir Briggs gemeinsam aus dem Wagen ziehen, während auch schon ein paar Angestellte auf uns zukommen. Wir murmeln etwas von einem tollwütigen Hund oder so und machen, dass wir wieder ins Auto kommen. Zum Glück interessieren sich die Leute in dem Moment sehr viel mehr für den bewusstlosen Mann mit dem blutigen Arm als für irgendwelche Angehörigen, so dass wir längst weg sind, bevor jemand auf die Idee kommen kann, nach unseren oder Briggs‘ Personalien oder sonst etwas zu fragen. Aaron fährt ohne Ziel los und nach einigen Minuten beschließen wir umzukehren. Ich will unbedingt wissen, was sie jetzt mit Briggs machen, was nun passiert und wie es weitergehen wird. Aaron ist leicht genervt von meinem Interesse, dreht aber um und will erneut in der Liegendanfahrt halten. Es braucht eine Weile, bis ich ihn davon überzeugen kann, sinnvollerweise eine der Parkbuchten zu nutzen.

Nach dem Einparken stürze ich regelrecht ins Krankenhaus, wobei Aaron es deutlich gemächlicher angehen lässt. Ich ziehe ihn förmlich hinter mir her in die Notaufnahme, wo eine dickliche Mittvierzigerin hinter einem Tresen sitzt und einen mehr als gelangweilten Eindruck macht. Ich frage nach Briggs, doch sie scheint nicht einmal zu wissen, von wem ich rede und faselt die ganze Zeit nur etwas von Angehörigen, Personalien, fehlendem Auskunftsrecht und anderem Kram, den ich nicht verstehe, und der mich auch verdammt noch mal nicht interessiert. Ich bin ziemlich genervt, und dass aus dem Hintergrund dann noch Aarons Fragen kommen wie „Möchtest du hier auch so ein Getränk? Auf dem Automaten steht, sie haben hier …“ hebt meine Laune nicht sonderlich. Schließlich gebe ich auf und muss Aaron ebenso regelrecht hinter mir her schleifen wie auf dem Weg hinein.

Wir beschließen, den Wagen stehen zu lassen, immerhin ist es nicht unserer. Zu Fuß laufen wir zunächst zurück in Richtung Bahnhof, bis ich auf die Idee komme, ihn mit zu mir zu nehmen. Bestimmt finde ich irgendwelche alten Sachen meines Vaters in seinem Schrank, die ich Aaron geben kann, der sich wohl ein paar Gedanken um die Reaktion seiner Frau macht, wenn er mit nassen und nicht gerade wohlriechender Kleidung nach Hause kommt. Wir sind eine gute Dreiviertelstunde zu Fuß unterwegs, und nach den ersten schweigenden Minuten kommen wir richtig miteinander ins Gespräch.

Aaron – eigentlich Melekith – berichtet mir davon, dass seine Frau schwanger sei und er damit nicht gut umgehen könne. Überhaupt ist er derjenige, der in diesem Ehekonstrukt lebt, mit dem ich nichts anfangen kann, der aber zugleich mit der Beziehung an sich nicht zurecht kommt, die ich gern erleben würde. Er berichtet mir von diesem „Schaffungsprozess“ eines Kindes und begegnet dem Wunsch seiner Frau, sich weiterhin körperlich nahe zu sein, obwohl doch nun schon ein Kind unterwegs sei und die Funktion des Ganzen damit als erfüllt anzusehen wäre, mit absolutem Unverständnis. Ich amüsiere mich köstlich dabei, ihm zuzuhören. Sexueller Kontakt sei reine Zeitverschwendung, außerhalb der Vermehrungsabsicht gänzlich ineffektiv und sinnlos und überhaupt sei es schon schlimm genug, dass sein Wirt die Verantwortung dafür trage, dass noch ein Mensch mehr zur Welt käme. Sein Groll gegen die Menschen stößt bei mir ebenso wenig auf fruchtbaren Boden wie meine Meinung, unter der richtigen Führung könne man noch so vieles erreichen, ausbügeln und neu erschaffen, bei ihm.

Kurz schweifen wir in Erinnerungen ab, in unsere eigenen, wirklichen Erinnerungen. Melekith liebt die Natur nicht nur so, wie Emma sie liebt, sondern auf ganz andere Weise. Vor allem will er sie unberührt sehen. Und was ihn dabei stört, wie er nicht müde zu erwähnen wird, seien die Menschen. Seiner Ansicht nach haben sie alles verdorben, ihr Potenzial nicht nur nicht genutzt, sondern es auch noch in destruktiver Absicht eingesetzt. Mir ist das alles zu schwermütig und ich versuche wiederholt einzulenken und ihm klar zu machen, wie vieles sich einfach ändern und korrigieren ließe, wenn wir nur die Macht der Inspiration nutzen würden, wenn wir die Menschen eben lehren würden, wie wir es einst schon mal getan haben – nur dass wir sie vielleicht eben nicht sich selbst überlassen dürfen, nachdem dies ja nun mal mehr als schief gelaufen sei, sondern dass wir sie eben lenken und führen müssten. Eine Art Rollentausch im Vergleich zu dem, wie wir es früher mal angegangen sind. Doch Melekith scheint nicht sonderlich offen für diese Idee zu sein. Naja, kann ja noch werden.

Erneut kommen wir auf seine Ehe und seine Probleme mit körperlicher Nähe zu sprechen. Diesmal bin ich die Pragmatische von uns und schlage ihm vor, es einfach mal mit anderen Menschen zu versuchen und dadurch herauszufinden, ob er dem Ganzen nicht doch etwas abgewinnen kann. Er ist beinahe entsetzt von meinem Vorschlag und erklärt mir, dass das jawohl nicht ginge, er sei schließlich verheiratet. Ich lache über diese kleingeistige Ansicht, die er eindeutig von Aaron übernommen hat und versuche, ihn vom Gegenteil zu überzeugen. Ich berichte ihm von meinen bisherigen Erfahrungen dazu und teile ihm mit, wie wenig ich seine Ablehnung verstehen kann. Ich genieße jede Berührung anderer Menschen und bin jedes Mal wieder überrascht, wie unterschiedlich eine ähnliche Berührung von unterschiedlichen Menschen wirkt. Ein zufälliges Streifen des Unterarms kann viel mehr auslösen als ein bewusstes Streicheln desselben, und dass überhaupt etwas ausgelöst wird, dass man mit den Fasern des Körpers Unterschiede wahrnehmen kann, Nuancen, dass Gefühle entstehen oder aufkommen, Bilder an die Oberfläche drängen … wie kann man all das als uninteressant bezeichnen? Es ist einzigartig, es ist neu und es scheint grenzenlos zu sein. Ich erzähle ihm von meinen bisherigen Erfahrungen und räume ein, dass ich bisher auch nur mit einem Menschen wirklich intensiven Kontakt hatte, berichte jedoch auch von den Erinnerungen an Mario und davon, dass jeder Sex mit Frank bisher anders war als der andere. Erneut fordere ich ihn auf, sich auf derlei Experimente einfach mal einzulassen und darüber vielleicht dann auch wieder eine andere Beziehung zu den Menschen zu bekommen. Allein diese ganze Sache mit den Beziehungen, Gefühlen und dem Sex ist es wert, den Menschen zuzugestehen, dass sie zu Sachen fähig sind, die uns fehlen oder fehlten, dass darin Chancen liegen, für sie, für uns, die wir noch nie vorher bedacht haben. Melekith bleibt skeptisch. Es habe aber doch einen Sinn, dass es diese Monogamie gäbe!

Monogamie ist wiederum etwas, für das ich wenig Sinn habe. Wieso sollte man all diese tollen Dinge nur mit einem einzigen Menschen erleben und sowohl ihm als auch sich selbst damit die Möglichkeit nehmen, viel mehr Facetten zu erleben, als dies eben mit nur einem Menschen möglich wäre? Ich stelle die Theorie von den Wissenden, den Unwissenden und den Ratlosen auf, die besagt: Die Unwissenden glauben, dass Liebe und Sex zwingend zusammen gehören. Hat also jemand in einer Beziehung Sex mit einem Dritten, hat der Partner Angst, dass die Liebe nicht mehr zu ihm zurück kommt, sondern eben bei der dritten Person verbleibt. Die Wissenden halten das für völligen Unsinn und die Ratlosen wiederum gehen gar nicht erst Beziehungen ein, weil sie sich nicht sicher sind und sich alle Optionen offen halten wollen. Ist doch klar, dass die Liebe grenzenlos ist und sich nicht einfach so in einen kleinen Partnerschaftskäfig stecken lässt. Wir liebten auch nie den Menschen, sondern die Menschen, oder? Und damit sei doch eigentlich schon alles klar.

Melekith denkt darüber nach, das kann ich sehen. Es gibt diesen Moment, genau jetzt, in dem ich ihn einfach beiseite ziehen könnte, um dort genau das zu tun, wovon ich die ganze Zeit rede. Ich bin sicher, ich könnte ihm besser zeigen, was ich meine, als darüber zu reden. Aber irgendetwas hält mich davon ab. Zwar mache ich ihm tatsächlich den Vorschlag, das mal auszuprobieren oder zu „üben“, aber wir wissen beide, dass ich damit nicht jetzt meine, nicht diese Zeit und nicht diesen Ort. Es ist seltsam, aber ich verspüre eine Art Respekt davor, hier Leichtfertigkeit an den Tag zu legen. Wir sind keine Menschen und was immer passieren könnte, was immer wir empfinden könnten, davor, dabei, danach, wann immer, wäre … anders und ich weiß nicht, ob meine Neugier reicht, um diese Schwelle zu überschreiten. Vielleicht ist es besser als alles, was mit einem echten Menschen zusammen passieren könnte, vielleicht aber ist es auch ganz anders und wirft Dinge durcheinander. Ich weiß es nicht. Und es ist mir jetzt auch zu spät oder zu früh, um mich damit weiter auseinanderzusetzen.

Wir erreichen endlich unsere Siedlung und mit auf die Lippen gelegten Fingern lotse ich ihn in den Garten, hinauf auf das Dach und in mein Zimmer. Auf leisen Sohlen organisiere ich frische Sachen aus dem Schrank meines Vaters für ihn, während er sich in meinem Zimmer umsieht. Wir ziehen uns aus und ich will zumindest duschen, bevor ich andere Kleidung anziehe, als meine Mutter an die Tür klopft. Ich weise Aaron an, sich unter dem Bett zu verstecken und öffne unwirsch. Meine Versuche, sie loszuwerden, scheitern. Das ist eine ganz komische Sache mit Müttern. Die ahnen oder wissen alle möglichen Dinge, von denen mir überhaupt nicht klar ist, woher sie diese Intuition nehmen. Und so vermutet auch sie zu Recht, dass jemand bei mir sei und lässt den Blick einen Moment lang auch auf den geöffneten Fenster liegen. Ich gebe mir wirklich Mühe, aber gegen dieses Mutterding komme ich nicht an, und als sie sich, fest zu einem Gespräch entschlossen, auf mein Bett setzt und Aaron darunter eingedrückt wird und aufstöhnt, gleitet mir die Situation völlig aus den Händen.

Vor meiner Mutter steht ein Aaron mit offenem Hemd und halb offener Hose, reicht ihr freundlich die Hand und bedankt sich dann auch noch für die Kleidung ihres Mannes, die ich netterweise zur Verfügung gestellt hätte. Ich versuche, die Situation zu retten und erzähle, wir arbeiteten sozusagen zusammen an einem gemeinsamen Projekt in einem Jugendzentrum und es sei nicht so, wie es aussähe, sondern wir hätten Proben am Fluss genommen und dabei seien wir ausgerutscht und nass geworden. Um Aarons Seriosität zu unterstreichen, erwähne ich, er sei studierter Sozialarbeiter. Tatsächlich scheint meine Mutter geneigt, mir zu glauben, als Aaron sich wieder einschaltet und korrigiert, er sei kein Sozialarbeiter und habe auch nicht studiert, sondern sei Erzieher. Fassungslos sehe ich ihn an und meine, er hätte doch aber von Erziehungswissenschaften gesprochen … und Aaron gibt lapidar zurück, das seien bloß ein paar Kurse gewesen. Nun doch wieder vollends misstrauisch fragt meine Mutter Aaron, wie alt er sei und er antwortet prompt: „29 … aber fast schon 30!“ Du liebe Zeit …

Bevor die Situation eskalieren kann, greife ich Aaron am Arm und zerre ihn nach unten, bringe ihn zur Tür und wünsche ihm noch einen guten Weg. Er geht auch sogleich und scheint sich über den prompten Abschied nicht einmal zu wundern. Einen Moment lang sehe ich ihm nach, bevor ich die Tür schließe und mich wappne, das Gespräch mit meiner Mutter fortsetzen zu müssen.

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