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3. Inplay, Vampire, Dark Ages, Tischrunde – “Wölfe & Templer”

Szene IV – Ein verhängnisvoller Wolf / Templer

Eigentlich überraschte es mich schon nicht mehr, dass unsere Weiterreise schon nach kurzer Zeit wieder unterbrochen wurde, wieder einmal von jemandem, der sich mitten auf die Straße stellte. Ein großer Mann, ein Barbar, würde ich seiner archaischen Kleidung nach behaupten, stellte sich in den Weg. Kurz überlegte ich, die Fahrt einfach fortzusetzen. Sollte er sich einfach weg scheren oder unter die Räder kommen – doch irgendwas an ihm hielt mich davon ab. Er war bewaffnet und wirkte bedrohlich, sah mich direkt an.

Und tatsächlich, kaum hatte ich angehalten und nach dem Grund der Unterbrechung gefragt, gab er an, wegen mir hier zu sein. Ich habe einen seiner Gefährten verdorben und er sei hier, damit ich Buße täte für das, was ich ihm angetan hatte. Einen Moment lang wusste ich beim besten Willen nicht, wovon er sprach, bis es mir in den Sinn kam: Der Wolf! Er war offenbar der Gefährte, von dem er sprach. Mir dennoch keiner Schuld bewusst, teilte ich ihm mit, dass ich lediglich rufe, dass es jedoch nicht meine Sache sei, wenn jemand diesem Ruf auch folge. Auch mein Versuch, mich aus der Affäre zu ziehen, indem ich zusagte, dieses Territorium auf schnellstem Wege zu verlassen und nicht mehr zurück zu kehren, trug keine Früchte.

Verstohlen warf ich immer wieder einen Blick nach hinten zu den anderen, doch zu sehen waren nur der Gangrel und die Brujah an meiner Seite. Die Brujah brabbelte wortreiche, jedoch leider ziemlich sinnfreie Entschuldigungen in meinem Namen und als sie bemerkte, dass dies ebenfalls nicht half, zog es das feige Ding vor, sich nach hinten zu den Kutschen zu begeben und mich mit dem Gangrel allein vorn zu lassen. Mehrfach raunte ich dem Gangrel zu, er solle angreifen, doch er zögerte zu lange, und plötzlich war es nicht mehr allein einer, sondern zehn – zehn gleiche Krieger, die im Halbkreis um mich herum standen und ihrer Forderung nach meiner Buße Nachdruck verliehen.

Constantine verlieh seiner Loyalität auf andere Weise als Isabella Ausdruck: Nachdem er die Erlaubnis bekommen hatte, setzte er einfach seinen Weg fort und begann eine offenbar angeregte Unterhaltung mit einem dieser Krieger, der seinen Weggang begleitete.

Zu meiner Überraschung waren es der Lasombra und der kleine Malkavianer, die plötzlich schützend vor mir standen, nachdem ich den Planwagen verlassen hatte, und die eifrig diskutierten und sich einsetzten – für mich. Ich staunte. Bei Jean-Baptiste dachte ich zuerst an ein schlechtes Gewissen mir gegenüber, wobei ich mir zugleich nicht vorstellen kann, dass er so etwas überhaupt kennt. Vielleicht war es eher die Begeisterung für den verbalen Disput, die ihn leitete. Ich weiß es nicht, doch Victor vor mir zu sehen, wunderte mich doch ziemlich.

Ein letztes Mal forderte der Wolf vor mir mich auf, mitzukommen, um Buße zu tun. Ich war fast versucht, dem zuzustimmen und wunderte ich mich doch über meinen Wunsch, Victor nicht zu Schaden kommen zu lassen an meiner Stelle. Dann jedoch erkundigte sich Jean-Baptiste, wie man sich diese Buße vorzustellen habe und der Wolf erzählte etwas von Natur, von Wasser und von Feuer. Nein, kein Feuer! Ich rang mit mir, doch so sehr ich mich auch wand, ich konnte dem nicht zustimmen, ich konnte einfach nicht … und dann ging alles ganz schnell.

Mein Planwagen zerbarst unter der Macht eines riesigen Wolfes, der plötzlich in seiner Mitte erschien und schleuderte meine Herde und die Kinder durch die Luft. Noch bevor ich meine Augen schließen und parallel dazu zumindest ein mickriges Spiegelbild meiner selbst adäquat erschaffen konnte, sah ich noch, wie die Männer einen Blitz formten, unter dem Jean-Baptiste und Victor zusammenbrachen. Ein dritter Strahl wurde auf einen Baum gerichtet, auf dem ich noch vage Tobias erkennen konnte, als sie mich packten und ich … plötzlich ganz woanders stand.

Alles war grauer, silbriger dort, wo ich jetzt war. Ich fand mich in einem Wald wieder, vor mir eine große Frau und wie auf mich angesetzt zwei Wölfe. Sie forderte mich auf, ihr zu folgen, doch ich bestand meinerseits darauf, zuerst zu erfahren, wer sie sei. Sie stellte sich als „Nyala, Stimme des Waldes“ vor und auch, wenn mir das ein bisschen halbseiden vorkam, blieb mir nichts anderes übrig, als meiner Zusage, ihr nach einer Antwort zu folgen, nachzukommen.

Wir schlugen uns durchs Unterholz, vor allem ich, die mit all dem Wildgewächs im Gegensatz zu meinen „Begleitern“ überhaupt nicht zurecht kam und ständig fürchtete, sich zu allem Überfluss auch noch der Peinlichkeit eines oder mehrerer Stürze hingeben zu müssen. Ich hatte jedoch Glück, auch wenn ich das tatsächlich nur auf den Weg selbst beziehen kann …

Irgendwann blieben wir an einem Bach stehen, ein erneuter … Wechsel des Ortes, ohne dass wir uns bewegt hätten. Das Gefühl war widerlich. Es war, als würde ich gegen einen Widerstand prallen, doch die Hand auf meiner Schulter ließ mich nicht los und zwang mich durch … irgendwas hindurch. Es war nur ein Augenblick, doch mir war extrem kalt, ich fühlte mich absolut tot und irgendwie … unwürdig und falsch in diesem Moment. Beim ersten Mal war ich zu überrascht gewesen, als dass ich es genauer hätte benennen können, doch das machte diese erneute Erfahrung nicht gerade wertvoller für mich.

Diese Frau zeichnete einen Kreis um mich auf den Boden, in dessen Mitte ich mich begeben sollte, dann ging sie in den Wald und kam mit Tannenzweigen zurück. Die beiden Wölfe betraten den Kreis ebenfalls und packten mich fest, während Nyala die Zweige in Brand setzte. Ich konnte mich nur gerade so zusammenreißen, aber als sie begann, mein Gesicht, meine Arme, meinen ganzen Körper mit brennenden Zeichen zu „verzieren“, wünschte ich mir, ich würde einfach das Bewusstsein verlieren. Doch ich tat es nicht. Wie das mit Wünschen so ist.

Als sie mit mir fertig waren, mit dem, was sie als „Reinigungsritual“ bezeichneten, war ich entlassen, gelangte wieder in die übliche Umgebung zurück und hatte das große Glück, frisch am ganzen Körper gebrandmarkt und nackt durch dieses verdammte Unterholz zu stolpern, um meinen Weg wieder zurück zu den anderen zu finden. Meine Güte, wie demütigend!

Voller Zorn klaubte ich zurück bei den anderen mein Zeug zusammen und schaffte das, was von meinen Waren übrig geblieben war, in den zweiten Planwagen. Niemand mehr da, nicht einmal mehr Marius, der eigentlich die ganze Geschichte überlebt haben müsste. Ob er sich aus dem Staub gemacht hatte?

Nein, da sah ich ihn aus dem Wald auf mich zu laufen. Er zog mich recht atemlos und hektisch in den Wald hinein und ich fragte mich, was jetzt wohl noch so dringend sein könne, als ich Kindergeschrei hörte. Nur einen Moment später erkannte ich Melissa und hielt den Atem an. Sie hatte … nein, hatte sie nicht. Sowohl Alisha, Perize als auch die beiden Kinder lebten und waren unversehrt. Sie reichte sie mir bereitwillig und teilte mir mit, dass sie sie habe heilen müssen mit ihrem Blut, doch es sei nicht viel gewesen, sie habe keinen von ihnen blutsgebunden.

Ich war so überrascht von dieser Geste, dass ich ihr lediglich die Kinder aus dem Arm nahm und sie sowie meine Herde mit einem knappen Dank zurück zum Planwagen brachte. Später dachte ich, dass ich einmal ein ausführlicheres Gespräch mit ihr suchen sollte, doch bislang kam es noch nicht dazu … doch darüber später mehr.

Nachdem ich nun immerhin meinen Besitz wieder sicher verwahrt wusste, machte ich mich erneut daran, die anderen der Reisegruppe aufzusuchen und nach ihnen zu sehen. An Melissas und Svetlanas Kutsche stand ein völlig durchgedrehter Jean-Baptiste und lachte sich wahrlich scheckig. Er winkte mich heran und ich verstand vor all dem laut japsenden Lachen kaum, was er mir überhaupt sagen wollte … und dann sah ich es: Isabella lag dort in eine untere und eine obere Hälfte zerteilt in der Kutsche! Als sie mich ihrerseits wahrnahm, richtete sie sogleich das Wort an mich:

„Das siehst du, was du angerichtet hast mit deiner Aktion. Ich denke, mir etwas zu trinken zu besorgen und bei der Gelegenheit ein paar neue Kleider ist das mindeste, was ich da erwarten kann.“

Wie bitte? Ich stehe nackt und gebrandmarkt da, nachdem mich diese Wölfe verschleppt und gedemütigt haben, was ich alles schlucken musste, ertragen musste, nachdem SIE es vorzog, sich nach hinten zurückzuziehen? Die ach so an Kriegskunst interessierte Brujah, die sich wie ein feiges Tier verkroch, während ein Malkavianer in Gestalt eines kleinen Jungen und ein Lasombra sich schützend vor mich stellen? Und sie wagt es, in diesem Ton dann noch Forderungen an mich zu richten? Jetzt? So?

In mir kocht der ganze Zorn hoch, den ich die ganze Zeit schon in mir trage und nur mit Mühe und aus reinem Selbsterhaltungstrieb zurückhalten kann. Es kostet mich einiges, doch ich kann ihren Frust angesichts ihres Anblicks auch nachvollziehen. Ich könnte einfach einen aus meiner Herde zu ihr bringen, sicherlich, doch so lasse ich mich von ihr nicht ansprechen, schon gar nicht jetzt.

„Bitte? Entschuldige, ich glaube, du hast dich versprochen. Was du sicher sagen wolltest war doch etwas wie: ‘Eine miesliche Sache, die uns da passiert ist. Es wäre nett, wenn du mich durch etwas zu trinken unterstützen könntest.’ Nicht wahr?“

Statt einem schlichten „Ja“, das eine Einsicht ihrerseits gezeigt hätte, verzog sie jedoch das Gesicht und meinte nur: „Na, dann hilf mir eben nicht.“ In Ordnung, das hatte ich ohne ein zustimmendes Wort auch nicht vor. Wutentbrannt drehte ich mich um und ging, bevor ich mich doch noch vergaß.

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