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Inplay-Resümee zum 2. Spielabend, Teil I (Dämonen, TS)

Wir sind gerade auf dem Rückweg, als Briggs irgendjemanden auf uns zukommen sieht. Ein Mann taucht vor uns auf, sieht ziemlich … ungepflegt aus und hat neben einer Flasche Bier auch eine Kerze bei sich. Selbst in dem winzigen Schein derselben kann ich die Rötung und die kleinen Knubbel auf seiner Nase erkennen, tatsächlich ist es sogar das, was mir am meisten ins Auge sticht beim ersten Anblick. Er gibt an, hier unten zu putzen (nun ja, nötig wäre es sicherlich) und fragt misstrauisch, was wir denn hier unten zu suchen hätten.

Kurzerhand drücke ich mich an Briggs vorbei nach vorn, freundlich lächelnd, und gebe an, dass wir gerade auf dem Rückweg seien. Briggs und Smith folgen, während Linz doch tatsächlich wieder anfängt, eine seiner Reden zu schwingen und davon erzählt, dass um Mitternacht hier eine unheimliche Präsenz auftauche und der Putzmann darin auch eine Rolle spiele. Ich fasse es nicht – und der Trinker seinem Blick nach zu urteilen auch nicht. Rasch drängeln wir den Verrückten, und damit meine ich nun nicht den Kerl mit der Kanne Bier in der Hand, nach draußen, wo ich mir Linz schnappe und ihn frage, ob er völlig verrückt sei, so frei heraus von seinem visionären Kram zu berichten. Doch ich hätte es mir denken können: Linz zeigt sich völlig unbeeindruckt und gänzlich davon überzeugt, dass jeder, der uns jetzt begegnet, ohnehin im Zusammenhang mit den kommenden Geschehnissen stehe und daher ruhig eingeweiht werden könne. Noch als wir endlich das Auto  erreicht beziehungsweise wiedergefunden haben, ärgere ich mich über diesen uneingeschränkten Glauben und dessen Umsetzung. Der Kerl hat offenbar echt nichts gelernt in den letzten Jahren … Jahrzehnten … Jahrhunderten … ach, was: Jahrtausenden.

Als wir den Gang wieder erreichen, denke ich einen Moment lang darüber nach, zurück zu bleiben, mir irgendetwas auszudenken, um nicht wieder durch diese Gänge stolpern zu müssen. Nein, ich habe keine Angst, nicht wirklich, aber dieses Düstere löst irgendwas bei mir aus. Ich will mich nicht eingesperrt fühlen. Ich will mich nie wieder eingesperrt fühlen. Dennoch folge ich den anderen, laufe sogar gleich nach Briggs an zweiter Stelle. Wenn ich hier schon herumlaufen muss wie Falschgeld, will ich wenigstens in seiner Nähe sein.

Der „Putzmann“ ist verschwunden, keine Spur von ihm. Scheinbar endlos laufen wir durch Gänge, biegen ab, laufen geradeaus, biegen ab … ich weiß schon bald nicht mehr, wann wir wo abgebogen sind und habe völlig die Orientierung verloren, als Briggs ein Geräusch zu hören glaubt und uns anweist, zurückzubleiben und zu warten. Smith fühlt sich davon offenbar nicht angesprochen und leitet Briggs‘ Aufforderung lediglich weiter: „Wartet hier, bis wir zurück kommen.“ Ich nicke und murmle ein „mhm“, dann schiebe ich Linz hinter mir kurzerhand das Feuerzeug zu und folge den beiden. Ich bleib doch hier nicht einfach zurück!

Als Smith eine ganze Weile später bemerkt, dass Linz und ich ihnen beiden ziemlich dicht auf folgen, ist er wenig begeistert, was mich jedoch nicht stört. Das Rauschen von Wasser ist zu hören, endlich höre auch ich, welchen Geräuschen die beiden offenbar hinterher gejagt sind.

Der Gang scheint zu Ende zu sein und Briggs bleibt abrupt stehen. „Was machst du hier?“, höre ich ihn fragen und drängle mich an ihm vorbei um zu sehen, mit wem er da spricht. Der Gang endet vorläufig in einer großen Plattform, von einem Geländer überspannt, unter dem offenbar die Tiefe gähnt – und von wo das Rauschen des Wassers zu hören ist. Viel interessanter ist jedoch, mit wem Briggs gesprochen hat: Aaron steht dort. Mein Blick bleibt ungläubig an ihm haften, kurz nachdem er umgekehrt mich erkannt hat.

„Du!“, faucht er mich an. „Warum tust du das?“

„Ich?“, frage ich verdattert zurück. Was will er denn nur?

Unruhe macht sich breit in der Gruppe, als Aaron deutlich und immer deutlicher werdend fordert, mit mir allein zu sprechen. Die anderen seien ihm egal, aber mit mir will er reden, allein. Ich denke an den Marktplatz, an seine Verwandlung und seinen Hass, an seine schiere und ernsthafte Absicht, mich zu vernichten. Doch vor allem denke ich an die Gespräche davor und an den Tanz im Regen, an seine Unbeschwertheit, die er mir dabei gezeigt hat – und ich spüre etwas, das ich als ein Stück Verzweiflung interpretiere, als er da vor mir steht, ziemlich mitgenommen aussehend, allein auf dieser Plattform im Untergrund, und ein Gespräch fordert.

Mir ist klar, dass dies meine letzte Fehlinterpretation sein könnte, doch die positiven Erinnerungen an Aaron überwiegen und ich trete entschlossen vor, wohl auf der Hut und mit einem plötzlichen Angriff rechnend,  aber doch vorwiegend im Vertrauen darauf, dass er meint, was er sagt und nur mit mir reden will. Doch als ich vortrete, springt Briggs zwischen uns, springt eher schützend vor mich, und von hinten drängt sich Linz nach vorn und – was auch sonst – berichtet Aaron von seinen Visionen und dass auch Aaron eine Rolle spiele. Sicher, spielt jeder und alles eine Rolle. Ist klar.

„Geht weg! Ich will mit ihr reden, mit keinem von euch. Bleibt zurück!“, fordert Aaron und mit Nachdruck schiebe ich Briggs ein Stück weit beiseite und sehe ihn kurz an mit einem Blick, der ihm zeigen soll, dass ich zu Aaron will, dass ich auf der Hut bin, aber dass ich nicht unüberlegt handeln werde. Keine Ahnung, ob das alles in einen Blick gepasst hat, wahrscheinlich nicht. Aber ich habe mich bemüht und immerhin reicht es, dass Briggs keine Gegenwehr erhebt und sich ein Stück zurück zieht.

Aaron macht einige Schritte zurück und ich folge ihm langsam. Er zieht mich damit langsam mitten auf die Plattform … will er wirklich nur reden? Oder will er mehr Raum für einen Kampf und mich vielleicht sogar in die Tiefe stürzen? Und obwohl mir diese Gedanken durch den Kopf schießen, mache ich für jeden seiner Schritte rückwärts vorsichtig einen auf ihn zu.

Wer sich nicht abhalten lässt ist Linz. Er folgt mir tatsächlich und versucht, sich zwischen Aaron und mich zu drängeln, um mit seinem Gequatsche über das Kommende eine Zusammenarbeit zu zwingen und natürlich auch wieder auf die Tube zu drücken, wir hätten doch keine Zeit. Verdammt noch mal, so langsam nervt er mich wirklich. Ich herrsche ihn an, dass er verschwinden soll, und während Briggs und Smith ihn zurückzupfeifen versuchen, gehe ich schneller auf Aaron zu, um Abstand zwischen uns und dem Wahrsagevogel zu schaffen.

„Warum tust du das?“, fragt Aaron schlicht und direkt, und wieder sehe ich ihn verständnislos an. Glaubt er denn wirklich, dass ich für Sturm und Wassermassen verantwortlich bin?

„Ich? Ich habe mit all dem nichts zu tun, Aaron!“

„Sicher. Warum willst du all das hier vernichten, die Schöpfung zerstören?“

„Aaron, ich habe damit nichts zu tun! Du hast mich doch auf dem Platz gesehen. Habe ich auf dich gewirkt, als wolle ich die Schöpfung vernichten?“

„Nein. Aber du bist hier.“

„Ja – wegen dieses Irren da hinten. Als du weg gerannt bist, kam er auf uns zugestürmt und fluchte, dass wir uns nicht einfach so und auf offener Straße verwandeln könnten, und dass er eine Vision hatte und wir um Mitternacht alle an diesem Bahnhof sein müssten, um irgendwen zu retten oder was weiß ich. Wir sind ihm dann gefolgt, nicht zuletzt, damit er endlich mal den Schnabel hält, statt ständig von seinen Visionen zu erzählen. Ich kenne den Kerl nicht. Ich kenne auch die anderen nicht. Keine Ahnung, warum die plötzlich hupend auf den Platz gefahren sind, wohl wegen dir und mir … ich hab keine Ahnung. Mann, ich bin hier, weil … ich nichts Besseres zu tun habe!“

Den letzten Satz scheint Aaron kaum wahrgenommen zu haben. Irritiert blickt er mich an.

„Du kennst die Typen da nicht? Du kennst sie gar nicht?“

„Nein!“, bekräftige ich nochmals.

„Aber … du bist ein Engel!“

Ich lächle.

„Ja. Du auch.“

Er schüttelt energisch den Kopf.

„Du weißt nicht, was ihr … was sie … mit mir gemacht haben. Sie haben mich eingesperrt. Und da war … nichts! Es war NICHTS da!“

Ich nicke und schaue ihm fest in die Augen.

„Ich weiß. Ich war dort. Ich war dort genau wie du. Es war alles nur weiß. Keine Farben, keine Formen. Nur … weiß. Nichts.“

Ein Teil von ihm erkennt seinen Fehler, das sehe ich am kurzen Aufflackern seiner Augen. Doch noch bevor wir das Ganze eindeutig klären können, steht plötzlich der „Putzmann“ da, scheint vom anderen Ende der Plattform gekommen zu sein und meckert herum, was wir denn immer noch oder schon wieder hier im Untergrund täten.

„Wer ist das denn?“, fragt Aaron verwirrt und ich antworte mit einem schlichten:

„Das ist die Putze. Der macht hier sauber.

Der Trinker zetert uns an, Aarons und meine Laune geht gleichermaßen in den Keller, doch noch bevor wir uns in einen verbalen Schlagabtausch ergehen können, taucht Linz natürlich wieder auf und verwickelt den Säufer in seine Visionsgeschichten. Er hat entdeckt, dass es in der Richtung, aus der der Putzmann kam, weiter voran geht und fuchtelt eifrigst herum, dass wir alle sofort und unbedingt und überhaupt …

„Na, dann geh mal fix vor!“, schlagen wir kurzerhand vor, und Linz lässt sich das nicht zwei Mal sagen, macht sich auf den Weg noch tiefer ins Ungewisse, und der Fremde folgt ihm verwundert. Auch Briggs und Smith sind mittlerweile wieder heran gekommen und laufen zügig, um sich wieder an die Spitze unseres Gänsemarsches zu setzen. Ich blicke Briggs innerlich seufzend hinterher. Ich will auch wieder vorn laufen, gleich neben oder hinter ihm … aber ich kann diesen Moment mit Aaron nicht verstreichen lassen. Ich muss hier bleiben, denn das Band, das sich gerade wieder zu verknüpfen begonnen hat, ist noch sehr dünn gesponnen.

„Jetzt haben wir ihn beschäftigt“, flüstere ich Aaron verschwörerisch mit einem Blick auf den sich entfernenden Linz zu und zwinkere.

Aaron grinst verschmitzt zurück, und als wir uns ebenfalls in Bewegung setzen, um die Nachhut zu bilden, fragt er:

„Was ist mit dem Typen?“

Ich zucke nur mit den Schultern.

„Keine Ahnung. Wie gesagt, ich kenne den nicht und er tauchte plötzlich auf dem Platz auf, als du weg bist.“

„Ja, ich habe ihn noch fast umgerannt.“

„Echt? Naja, jedenfalls kam er an und schwallte gleich los mit seinen komischen Visionen, die er hat oder auch nicht. Keine Ahnung.“

„Als ich ihn umrannte … ob er sich den Kopf gestoßen hat?“

„Weiß nicht. Vielleicht ist der immer so“, gebe ich zurück.

Wir kichern und gehen weiter. Aaron weist einige Meter später ernsthaft darauf hin, dass wir Linz dringend zum Arzt bringen müssen, wenn wir ihn aus seinem Visionszeug heraus bekommen haben und er sich einigermaßen beruhigt hat, und ich weiß, Aaron hat Recht.

Wir laufen und laufen und laufen … das Wasser steigt langsam und steht nun knöchelhoch, als plötzlich ein ganzer Schwall Ratten den Gang entlang auf uns zu kommt. Aaron ruft noch etwas von fliehenden Ratten, als ich aus dem Augenwinkel mitbekomme, dass der Säufer offenbar nach den Tieren tritt. Wut kocht in mir hoch, doch der Gang ist zu eng, als dass ich mich zu ihm vorschieben könnte und dann bekomme ich mit, dass sich alle sonst an die Wand drücken und tue es ihnen gleich. „Die Ratten verlassen das sinkende Schiff“, geht es mir nach Aarons Worten durch den Kopf, und ich will sie nicht aufhalten auf ihrem Weg. Offenbar wollen wir alle das nicht, denn bis sie uns passiert haben, drücken sich nunmehr alle an die Wand.

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