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Inplay-Resümee zum 1. Spielabend, Teil IV (Dämonen, TS)

Als der erste Ärger verraucht ist, fange ich ein Gespräch mit Briggs an. Bei der U.S. Army war er und scheint sehr stolz darauf zu sein. Dieser Bericht enttäuscht mich. Immer nur Kampf, immer nur Krieg. Eine Hülle in einen Tempel zu verwandeln, mit viel Liebe, viel Hingabe, viel Disziplin … nur für Kriege, die nicht einmal Werte verfolgen, wie wir Rebellen sie einst hatten? Anstatt die Erde, die für alle gedacht ist, miteinander in Respekt zu teilen, unterdrücken die einen die anderen, töten die einen die anderen, übt man Druck aus, nur um in Landstriche derselben Erde, die alle miteinander teilen, ein Fähnchen zu stecken. Gerade erst stand in der Zeitung, dass man Kuwait vom Einmarsch des Iraks „befreien“ wolle. Soviel Verachtung für die Erde und ihre Ressourcen, soviel Verachtung für andere Menschen, soviel Verachtung vor dem von Gott geschenkten Leben!

Und doch weiß ich nicht, ob eine friedliche Welt überhaupt möglich ist. Jedenfalls nicht, wenn an der Spitze des Ganzen Menschen stehen, die diese Entscheidungen ohne Weitblick treffen, die Entscheidungen für sich treffen und nicht für die Welt und die Menschen, die dort leben, alle miteinander. Doch wenn wir sie lenken würden … wir könnten die Welt verändern und könnten sie zu dem machen, was sie immer schon sein sollte.

Ich beschließe, Briggs nicht zu forsch gegenüber zu treten. Nicht jetzt, nicht hier. Er hatte vorhin noch irgendwas von einer Sicherheitsfirma erzählt, für die er nun tätig ist. Vielleicht also ziehe ich vorschnelle Schlüsse, vielleicht sieht er längst alles ganz anders. Vielleicht kämpfen wir nicht einmal für verschiedene Dinge? Doch jetzt ist nicht die Zeit, das herauszufinden … ich frage ihn fast beiläufig, ob wir später vielleicht mal einen Kaffee zusammen trinken gehen, wenn der Sturm sich gelegt hat und wir aus dieser seltsamen Bahnhofsnummer raus sind. Er scheint zu zögern, doch er sagt zu.

Wir erreichen die Tür, die Linz in seinen Visionen gesehen haben will, können sie problemlos öffnen und finden uns in einem dunklen Gang wieder, in dem uns das Wasser bis zu den Knöcheln steht. Linz hatte irgendwas von einer Überschwemmung erzählt, aber er sagt sowieso ständig etwas anderes und erklärt das dann mit irgendwelchen Beeinflussungen unsererseits und kommt dann mit den Theorien irgendwelcher Philosophen daher. Ganz komischer Vogel.

Wir haben nur ein Feuerzeug bei uns, um den Gang zu beleuchten und schicken unseren Visionär gemeinerweise an die Front. War schließlich seine Idee, die ganze Nummer hier. Smith folgt ihm mit gezückter Waffe, was Linz ziemlich nervös zu machen scheint, während Briggs darauf besteht, die Nachhut zu bilden. Ihn in meinem Rücken zu wissen, macht mich ganz schön nervös. Und noch etwas macht mich nervös – diese ganzen Scheißkabel in diesem düsteren Gang. Ich liebe Wasser, ich liebe Sturm, ich liebe Elektrizität, aber für Emmas Körper ist das alles nichts. Menschen sind nicht dafür gemacht, diese Kombination auszuhalten. Ich überlege, mich wieder zu verwandeln, aber der Gang ist zu eng, und wenn hier wirklich irgendjemand oder irgendetwas sein sollte, will ich es nicht noch auf uns aufmerksam machen, indem ich in meine apokalyptische Gestalt wechsle. Andererseits juckt es mich in den Fingern, denn wenn wer oder was auch immer uns ohnehin schon erwartet, wie Linz’ Rausschmiss aus der Vision, falls er doch wirklich welche haben sollte, vermuten lässt, sehen wir alle vielleicht ganz schön alt aus, fürchte ich.

Irgendwann fragt Linz in ordentlicher Kasperletheater-Manier, ob wir noch alle da seien. Meine Fresse, so langsam geht es mir echt auf die Eierstöcke, dass wir hier ringelpietz-artig durch die beschissene Dunkelheit in diesem engen Drecksgang vor uns hin tümpeln und bringe einen blöden Spruch, der mir zwei Minuten später schon wieder leid tut. Linz’ Frage war gar nicht so blöd, denn als wir Briggs ansprechen, gibt es keine Antwort, und als ich hinter mir nach ihm taste … ist da nur leerer Raum. Verdammt!

Wir drehen um und laufen zurück, suchen, flüstern, fragen und rufen leise nach Jonathan, doch wir bekommen keine Antwort. Linz’ Vorschlag, dass jeder dem Vordermann eine Hand auf die Schulter legt, damit nicht noch jemand von uns verloren geht, kommt mir plötzlich überhaupt gar nicht so dumm vor und ohne, dass ich es zugeben würde, beruhigt es mich auch ungemein, eine Hand zu spüren, die mir signalisiert: „Ich bin da.“

Auf einmal steht Jonathan mitten im Gang, als sei nichts gewesen. Er habe etwas gehört und sei zurück gegangen, meint er nur lapidar. Mir kommt es komisch vor, dass jemand, der bei der Army war, sich einfach so wegschleicht, ohne den anderen Bescheid zu sagen, aber was weiß ich schon von diesem Soldatenkram? Ich bin nur froh, dass er wieder bei uns ist und es ihm offensichtlich gut zu gehen scheint.

Smith ist da nicht ganz so gönnerhaft wie ich. Er regt sich über diesen Alleingang ziemlich auf und legt fest, dass wir nun alle doch wieder zurück zum Auto marschieren und uns erst einmal eine anständige Taschenlampe organisieren. Nicht einmal Linz, der die ganze Zeit wie das weiße Kaninchen aus „Alice im Wunderland“ mit Blick und die Uhr und seinem hektischen „Keine Zeit! Keine Zeit!“ um uns alle herum gehüpft ist, erhebt irgendwelche Einwände. Ich wette, in der Dunkelheit hier ist ihm der Arsch längst auf Grundeis gegangen.

Wie auch immer: Ich bin auch nicht böse darum, aus diesem Gang heraus zu kommen.

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